13 01 30 Ansprache von Nuntius Périsset beim Empfang der Bundeskanzlerin für das Diplomatische Corps

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Ansprache
des Doyens des Diplomatischen Corps,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
beim Empfang der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
für das Diplomatische Corps

Bundeskanzleramt, 30. Januar 2013



Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung und Mitarbeiter des Kanzleramtes!

Mit seinen Wünschen zu Beginn eines neuen Jahres bringt das Diplomatische Corps zum Ausdruck, dass es am Geschick Deutschlands - gesellschaftlich, kulturell, wirtschaftlich und politisch - Anteil nimmt, da wir nicht nur Beobachter sind, sondern auch aktiv an ihm teilhaben. Damit die Regierung eines Staates zum Wohl aller seiner Bürger und Bürgerinnen wirken kann, braucht sie Weisheit, Klugheit, Rat und Willenskraft. Dazu ist die sogenannte Weisheit der Völker, wie sie sich bisweilen in Sprichwörtern äußert, eine große Hilfe. So habe ich einige Sprichwörter gewählt und gleichsam zu einem Blumenstrauß zusammengebunden; sie stellen einen Schatz an Weisheit dar, aus dem wir alle schöpfen dürfen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir bewundern Sie, wie Sie – auf der nationalen wie auf der europäischen und der Weltebene – in Ihrem Handeln über ein Gespür für das Beste, das Sicherste und das Zukunftsträchtigste verfügen. Mit Recht heißt es im Buch Kohelet: „Wissen ist besser als Waffen“ (Koh 9, 18).

Für Sie, Frau Bundeskanzlerin, scheint mir ein Spruch zutreffend, der nicht nur - seiner französischen Herkunft entsprechend - Ausdruck der „courtoisie“ ist, sondern auch die Schöpfung selbst widerspiegelt: „Ce que femme veut, Dieu le veut“ - „Das, was eine Frau will, das will Gott.“ Ist nicht das letzte Kapitel des Buches der Sprichwörter die beste Darstellung einer tüchtigen Frau, wenn es dort von ihr heißt, dass sie alle Perlen an Wert übertrifft (vgl. Spr 31, 10). Und im Buch Jesus Sirach heißt es: „Wie die Sonne aufstrahlt in den höchsten Höhen, so die Schönheit einer guten Frau als Schmuck ihres Hauses“ (Sir 26, 16).

2. Als Bundeskanzlerin können Sie sich über folgende Aussprüche freuen: „Nichts ist schöner, als seine Pflicht zu tun, wenn man der Herr ist“ (Alexandre Vinet). Und was Ihnen jeden Tag hell machen kann, sagt Ihnen Marie von Ebner-Eschenbach, die meint: „Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.“ Und von Blaise Pascal stammt das Wort: „Gerechtigkeit ohne Stärke ist Ohnmacht, Stärke ohne Gerechtigkeit ist Tyrannei.“ Etwas Ähnliches sagte uns vor eineinhalb Jahren im Deutschen Bundestag Papst Benedikt XVI.

3. Um Erfolg zu haben, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, brauchen Sie sicher Mut und Beharrlichkeit; denn „nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt zur Quelle“, sagt ein deutsches Sprichwort, zugleich gilt: „Nur die toten Fische schwimmen mit dem Strom.“ Und ein anderes sagt: „Anfangen ist gut, fortfahren ist besser, ausharren ist das Beste.“ Dafür geben Sie uns, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, einen beständigen Beweis.

4. Schließlich möchte ich etwas sagen über das Ziel Ihres Amtes zum Wohl der ganzen Bevölkerung: „Gott will uns nicht durch unsere eigene, sondern durch fremde Gerechtigkeit und Weisheit selig machen, durch eine Gerechtigkeit, die nicht aus uns kommt und aus uns erwächst, sondern von anderswoher zu uns kommt.“ Und das Anderswoher ist - ich darf es hinzufügen - Gott selber. Das Zitat stammt von Martin Luther. Und ein guter Rat des großen Politiker Winston Churchill lautet: „Alle großen Dinge sind einfach, und viele können mit einem einzigen Wort ausgedrückt werden: Freiheit, Gerechtigkeit, Ehre, Pflicht, Gnade, Hoffnung.“ Schließlich als Begründung für Ihr unersetzliches Amt der Bundeskanzlerin aus dem Buch der Sprichwörter: „Fehlt es an Führung, kommt das Volk zu Fall; Rettung ist dort, wo viele Ratgeber sind“ (Spr 11, 14).

Damit sind sicher alle Ihre Bundesminister gemeint, so dass wir Ihnen, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Ihrer Regierung und allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ein erfolgreiches, gottgesegnetes Jahr 2013 wünschen.