13 09 30 Ansprache von Nuntius Périsset zur Ausstellungseröffnung "Indianerbildnisse in Zeiten von Vertägen und Verteibung" in Dresden

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Ansprache des Apostolischen Nuntius,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
zur Eröffnung der Ausstellung
Tecumseh, Keokuk, Black Hawk
Indianerbildnisse in Zeiten von Verträgen und Vertreibung

Eine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Vatikanischen Museen

Albertinum zu Dresden, 
30. September 2013


 

Sehr geehrte Gäste!


Die Eröffnung dieser ethnologischen Ausstellung, im Zusammenwirken der Vatikanischen Museen mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, bezeugt, wie das Kulturerbe der Völker Gemeingut aller Menschen ist.

Als Vertreter des Heiligen Stuhls in Deutschland bin ich schon das zweite Mal in Dresden an einem solchen Museumsereignis beteiligt, und ich erlaube mir, einige Gedanken zu äußern, um seine Bedeutung zu betonen.

Rein menschlich und kulturell betrachtet, ist eine ethnologische Kollektion Mitte und Zeugnis des Gedächtnisses und somit der Geschichte der Völker auf einer lebendigen und grundlegenden Ebene. Wir alle, wenn wir in andere Länder reisen, besonders als Touristen, kommen mit einigen „Souvenirs“ einheimischer Handwerker - großer oder kleiner -  nachhause zurück. Sie sind Erinnerung unserer Begeisterung für die verschiedene Lebensart der Menschen, denen wir während der Reise begegneten; manchmal wollen wir aber einfach unsere Hausgenossen daheim überraschen. Gedächtnis und Kunstwerke sind ja wichtige Bestandteile des menschlichen Lebens.

Wenn wir aber heute die ethnologischen Kunstwerke aus den Vatikanischen Museen anschauen, kommt mir ein anderer Gedanke. Die meisten Stücke wurden durch Missionare nach Rom, besonders zur Kongregation für die Mission gebracht, sei es, daß sie ihre Zeit im Ausland abgeschlossen hatten, sei es anlässlich eines Besuches von Gesandten der eigenen religiösen Gemeinschaft. Die Bewahrung dieser Kunstwerke bei einer höchsten Instanz der römischen Kurie, jetzt bei den Vatikanischen Museen, bezeugt, daß die katholische Kirche ihrer Identität immer treu war und ist, d.h.  so wie Papst Johannes XXIII. Enzyklika vom 15. Mai 1961 überschrieb: „Mater et Magistra“. Ja! Mutter, die mit Liebe die Werke ihrer Söhne bewundert und bewahrt, wie unsere eigene Mutter, der wir drei- oder vierjährig unsere erste, sicher verschollene Zeichnung brachten. Lehrerin, weil die Kirche immer wieder die Kultur, jede Kunstform als Mitwirkung des Menschen Schöpfungswerk Gottes  sieht; als Mittel zur Sozialisierung des Menschen, die durch ihre Werke die Menschheit bereichern.

Heute wird uns etwas Besonderes vorgestellt: Statuen, Büsten und Bozzetti des Dresdners Ferdinand Pettrich, der so von der Sammlung von Indianern in den Vatikanischen Museen begeistert wurde, daß er viele in seinen eigenen Bildwerken nachahmen wollte, die er sodann dem gleichen Museum geschenkt hat. Warum wurde er so von einer anderen Kultur - in seinem Fall von der der Indianer - angeregt? Weil die Kultur Vermittlerin menschlicher Werte ist.

Dazu sagt die Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“: „Unter Kultur im Allgemeinen versteht man alles, wodurch der Mensch seine vielfältigen und körperlichen Anlagen ausbildet und entfaltet; … wodurch er endlich seine großen geistigen Erfahrungen und Strebungen im Lauf der Zeit in seinen Werken vergegenständlicht, mitteilt und ihnen Dauer verleiht - zum Segen vieler, ja der ganzen Menschheit“ (Nr. 53)

Zu den Kunstwerken selbst sei zum Ende meiner Ansprache an die Botschaft Papst Pauls VI. an die Künstler zum Abschluss des II. Vatikanischen Konzils vom 08. Dezember 1965 erinnert, wo der Papst sagt: „Die Schönheit, wie die Wahrheit, ist, was Freude in die Herzen der Menschen strömen lässt; sie ist eine kostbare Frucht, die der Abnutzung durch die Zeit widersteht, welche die Generationen eint und sich mitteilt in der Bewunderung. Und dies dank unserer Hände…..“ (Nr. 4).

Ich bedanke mich!