13 10 10 Ansprache von Nuntius Périsset beim Abschied von der Deutschen Bischofskonferenz

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Ansprache des Apostolischer Nuntius in Deutschland,
S.E. Erzbischof Jean-Claude Périsset,
bei der
Einladung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz
zum Abschied des Apostolischen Nuntius

Berlin, 10. Oktober 2013



Sehr geehrter und lieber Herr Erzbischof!
Sehr geehrte Gäste!

„Partir c’est mourir un peu“, „Abreisen ist ein wenig sterben“ sagt ein Sprichwort, was dem berühmten Grundsatz des griechischen Philosophen Heraklit entspricht:

„πάυτα ρεί“ = „alles fließt“. Die Japaner sagen das Gleiche mit der ganz konkreten Aussage: „der Eintritt ist der erste Schritt des Austrittes“. Wer geboren ist, wird sterben; die blühende Rose am Morgen wird abends verblüht sein. Das Kapitel 3 des Kohelet läßt es gut verstehen: „Alles hat seine Stunde, und eine Zeit ist bestimmt für jedes Vorhaben unter dem Himmel“ (Prd, 3,1). Wie Sie wohl wissen, war dieses Kapitel ein Lieblingstext von John F. Kennedy, und wurde beim Gottesdienst seiner Beerdigung gelesen.

Für mich ist jetzt noch nicht gerade der Tod gekommen, sondern sicher „mourir un peu“, wenn ich nicht nur am Ende meines Amtes als Nuntius in Deutschland angelangt bin, sondern auch am Schluß meines Dienstes „tout court“ als Vertreter des Heiligen Vaters.

Aber, dank dem Glauben, gibt es eine Auferstehung; von einem Abschnitt zum anderen gibt es ein neues Leben, das ich als Zeit der Kontemplation, der Betrachtung, des Gebetes genießen werde; auch weil ich als „Sacerdos in aeternum“ lebendig bleibe durch Mithilfe in meiner Pfarrei bei der Seelsorge, besonders bei Gottesdiensten, und sogar bei meinem Ortsbischof bei Firmungen.

Die Theologen sagen, daß wir bei der Auferstehung auch das, was wir auf Erden erlebt haben mitbringen und in einem neuen Licht erscheinen lassen. So für mich, was ich mit Ihnen, den Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien erlebt habe; ich werde in meinem zukünftigem Leben die Schätze der Kirche und der Gesellschaft in Deutschland, von denen ich viele bekommen habe, in meinen Predigten und Tätigkeiten strahlen lassen. Dazu der Kirche in Deutschland ein herzliches, brüderliches Vergelt’s Gott, wie Ihnen allen auch heute Abend für dieses festliche Abendessen. Mein Professor für Patrologie in Fribourg, Othmar Perler, hatte mich erstaunt, als er bei einer Einladung anläßlich seines Besuches in Rom für die Eröffnung des Augustinianum das Essen selber bezahlte. „Ja! sagte er, in der Antike bezahlte derjenige, der abreist, um die Bleibenden von seinem Abschied zu trösten“. Hier ist es etwas anders.

Mit meinem Dank habe ich einen Trost für die Anwesenden und mit dem Schlußsatz des Evangeliums vom letzten Sonntag, mit dem ich meinen Dienst zu Gott, über den Dienst zum Heiligen Stuhl in der Kirche in Deutschland stelle, möchte ich schließen: „Unnützer Knecht bin ich; ich habe getan, was ich zu tun schuldig war“ (vgl. Lk 17,10).

Ich bedanke mich!