13 10 24 Ansprache von Nuntius Périsset beim Abschiedsdiner des Auswärtigen Amtes

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Abschiedsansprache
von S.E. Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
 Apostolischen Nuntius und Doyen des Diplomatischen Corps,
beim Abschiedsdiner vom Auswärtigen Amt

Berlin, 24. Oktober 2013



Sehr geehrter Herr Bundesminister des Auswärtigen,
Exzellenzen und liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Gäste!

„Der Eintritt ist der erste Schritt zum Austritt“, sagt ein Spruch der japanischen Kultur, die ich - ja! mit Mühe - vor 30 Jahren angefangen habe zu schätzen während meines Dienstes in der Nuntiatur in Tokyo. Jetzt bin ich so weit, daß ich nicht nur am Ende meiner Termine in Berlin stehe, sondern auch, daß ich - mit einer französischen Äußerung aus meinem Kulturbereich, den ich drei Jahre in Paris verfeinern konnte - „ma dernière révérence à la vie diplomatique“ mache.  Ein Nuntius behält aber seinen Titel bis zum Tod, als Erinnerung seines besonderen Dienstes für die Kirche in der Welt.

Für mich wurde der Name „Nuntius“ in der ersten Periode meines priesterlichen Dienstes als junger Kaplan an der Basilique Notre-Dame in Genève lebendig, weil der Titel der Mutter Gottes dieser Basilika „Nuntia Pacis“ ist, ein Echo zur Bedeutung Genfs für die Weltdiplomatie. So war ich auch drei Jahre mit den Katholiken in den verschiedenen Weltorganisationen mit Sitz in Genf beschäftigt. Es war also eine frühe, wenn auch noch ferne Vorbereitung auf die Diplomatie als Priester und als Seelsorger.

Meine Laufbahn - Südafrika, Peru, Frankreich, Pakistan und Japan als Sekretär und dann Rumänien und Deutschland als Nuntius und zugleich Doyen in beiden Diplomatischen Corps - hat mir viel gebracht.

Es ist mir eine leichte Aufgabe heute, Herr Bundesminister,  mich zu bedanken für die ausgezeichneten, freundlichen und sogar fröhlichen Beziehungen, die ich in diesen sechs Jahren bei Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Außenamt erlebt habe. Besonders die Vorbereitung und Verwaltung des offiziellen Besuches von Papst Benedikt XVI. im September 2011 bezeugen, wie unerlässlich die Grundwirkung des Staatsprotokolls ist, damit ein solcher Besuch von der Landung auf dem Flughafen in Tegel bis zum Abflug vom Flughafen in Lahr, perfekt und in heiterer Stimmung verlaufen konnte - und das nicht begrenzt auf das Zeitprogramm.

Ihnen und dem ganzen Außenamt ein freundliches Vergelt’s Gott!

Die hier anwesenden Chefs der Missionen – und besonders der Vize-Doyen – erinnern mich daran, daß Ihr Doyen Ihnen einen besonderen Dank für Ihre Freundschaft schuldig ist. Keine Reiberei im Diplomatischen Corps, keine Gegensätze, die zum „éclat“ führen könnten. Mir war eine Freude und auch eine Ehre, in unser aller Namen den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin die Jahresglückwünsche vorzubereiten und zu übermitteln. Am Anfang meines Amtes in Berlin gab es solche Glückwünsche auch an den Außenminister, Herrn Steinmeier. Bei der letzten Gelegenheit mit ihm hatte ich die Möglichkeit, etwas über unser Amt als Diplomaten zu sagen. In Bezug auf die immer mehr zunehmenden internationalen Treffen auf höchster Ebene, ist unser Amt sehr anders geworden: vom Vermittler und Berichterstatter sind wir Tourismus-Agenten und Gastgeber geworden, damit unsere Staatsoberhäupter, Minister und andere einen angenehmen Aufenthalt in den Hauptstädten haben, so daß ihre Gespräche vor Ort gut verlaufen können. In den letzten 40 Jahren ist unser Dienst wirklich anders geworden. Als Sekretär in Lima z.B. gab jeder Staatsbesuch Anlass zu einem Bericht nach Rom, mit vielen Zeitungsanlagen, um die Lage der Begegnung darzustellen und mit besonderer Bewertung der Soziallage der beiden Staaten, so wie ich sie als Diplomat aus den Zeitungen und offiziellen Ansprachen eruieren konnte. Heute ist dies alles dank des Internets überflüssig geworden. Es bleibt aber eine Bewertung - die besonders durch persönliche Gespräche mit Ortskundigen und Kollegen bereichert werden - warum, wozu und wie jener Besuch zu besseren Beziehungen zwischen den Staaten und für die Weltgesellschaft hilft.

Die hochrangige Gesellschaft um diesen Tisch herum gibt mir Anlass, mich bei Ihnen, Herr Bundesminister des Auswärtigen, zu bedanken, dass Sie mir am Ende meines Amtes in Berlin noch einmal die Bedeutung meines Dienstes aufzeigen: d.h. anwesend sind alle Hauptgruppen der deutschen Gesellschaft,
- Diplomatie und Auswärtiges Amt, Grund meines Hierseins in Berlin;
- die zwei Hauptkirchen, durch ihre Vorsitzenden vertreten;
- die Kultur mit dem Präsidenten und der Sekretärin der Guardini-Stiftung;
- die Medien, sowohl Fernsehen wie Presse.

Mögen wir aus diesem freundlichen Mittagessen in unserem Bereich mit erneuter Hoffnung wirken.
Erlauben Sie mir, meine Dankansprache mit zwei Sprüchen oder besser gesagt mit zwei Gedanken über die Diplomatie zu schließen:

Zur Person: „Man wird kaum als Diplomat geboren; man wird Diplomat durch die Ausübung der Diplomatie“.
Zum Amt: „Die Politik ist die Kunst des Möglichen; die Diplomatie ist die Kunst des Unmöglichen“.

Ich bedanke mich!