13 10 28 Ansprache von Nuntius Périsset beim Abschiedsempfang in der Nuntiatur

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Ansprache des Apostolischen Nuntius
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset
als Doyen des Diplomatischen Corps
beim Abschiedsempfang in der Apostolischen Nuntiatur

28. Oktober 2013



Sehr geehrte Botschafterinnen und Botschafter, liebe Kollegen,
sehr geehrte Vertreter des Auswärtigen Amtes,
sehr geehrter und lieber Herr Kardinal,
liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Amt,
sehr geehrte Damen und Herren!

Abschied nehmen am Ende einer diplomatischen Mission in einem bedeutet gegenseitige Anerkennung des Zusammenseins in einem gleich- wertigen Amt: als Botschafter haben wir alle grundsätzlich dieselbe Verantwortung - die Beziehungen zwischen unserem Land und Deutschland zu fördern. Als Ihr Doyen habe ich dazu das Privileg, Sie alle bei Ihrem Eintritt zu empfangen, und so konnte ich eine Weltmission allmählich bilden, wie ein Mosaik mit verschiedenen Steinchen, vielfarbig geprägt. Auch am Ende Ihrer Zeit in Berlin werden Sie jetzt meinem Nachfolger, Erzbischof Nikola Eterović, wenn er bald beim Besuch des Bundespräsidenten das Beglaubigungsschreiben übergibt, einen Abschiedsbesuch machen. Für mich heute bedeutet Ihre Anwesenheit, die mir das ganze Diplomatische Corps vor Augen und im Herzen darstellt, daß ich von davon Abschied nehmen kann.

Das Gleiche gilt - mutatis mutandis - für alle hier anwesenden Gäste. In den sechs Jahren meiner Präsenz in Berlin bin ich Ihnen mehrmals begegnet, besonders bei den Veranstaltungen der Katholischen Kirche. Mir bleibt in Erinnerung alles, was Sie mir durch Ihre Besuche, Dienste und Mitwirkung und anderes geschenkt haben.

Ihnen allen ein herzliches Vergelt’s Gott für Ihre Freundschaft, Ihnen meinen Kollegen Botschafterinnen und Botschaftern; Ihnen vom Außenamt für die ausgezeichnete und immer freundliche Mitarbeit; Ihnen vom Erzbistum Berlin für Ihre brüderliche Beziehung mit dem Vertreter des Papstes; Ihnen allen aus vielfältigen Gründen, die mich Ihnen während meines Aufenthaltes in Berlin immer näher gebracht haben.

In meiner kurzen Ansprache bei meinem Amtsantritt vor sechs Jahren am Ende der Zelebration in der St. Hedwigs-Kathedrale hatte ich gesagt: „Ich fühle mich jeden Tag mehr als Berliner“. Jetzt kann ich sagen, daß ich Berliner bin, mit dieser eigenartigen Weltanschauung, die eben einen weltweiten Horizont öffnet, weil die ganze Welt nach Berlin kommt und in Berlin ist, weil die ganze Welt schaut, was in Berlin passiert. Konnte ich als Apostolischer Nuntius, als Diplomat des Heiligen Stuhls, der sich um die ganze Welt kümmert, einen besseren Posten als letzten in meiner diplomatischen Laufbahn haben?

Unerwartet kam vor sechs Jahren der Anruf meiner römischen Behörde: „Papst Benedikt wünscht, Sie als Nuntius in Berlin zu ernennen“. Meine Zustimmung kam ohne Zögern, gemäß meinem bischöflichen Wahlspruch: „Fiat voluntas tua“ und in Gehorsam vor den Oberen der Kirche.

Gerne wäre ich noch in Deutschland geblieben; allein die Altersbegrenzung lässt keine Verlängerung zu.

Adieu Ihnen allen!
Adieu Berlin!
Adieu Deutschland!

Gott segne Sie!