13 11 01 Abschiedsworte in der St. Hedwigskathedrale zu Berlin

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Abschiedswort des Apostolischen Nuntius
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset
bei der Eucharistiefeier in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin

01.November 2013



Sehr geehrter und lieber Herr Kardinal,
liebe Mitbrüder im bischöfliche, priesterlichen und Diakonenamt!
Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Vor sechs Jahren, beim Empfang durch Georg Kardinal Sterzinsky Ende November, hatte ich an diesem gleichen Pult betont, daß ich mich in meinem neuen Amt als Apostolischer Nuntius in Deutschland „als Bischof mit Bischöfen, als Priester mit Priestern und als Christ mit Christen“ in diesem Land aufhalten werde. Der Vertreter des Papstes soll eben die Verantwortung Petri verwirklichen, seine Brüder im Glauben zu stärken, und nicht ihre eigene Verantwortung ausschalten. So betonte es immer der Papst, und jetzt besonders Papst Franziskus.

In diesen sechs Jahren habe ich gelegentlich an den Hauptereignissen des Erzbistums Berlin teilgenommen, besonders während der langen Krankheit von Kardinal Sterzinsky und bei seiner Beerdigung. Nach einigen Monaten konnte ich mich mit Euch allen freuen über den Amtsantritt von Erzbischof Woelki, der bald danach zum Kardinal erhoben worden ist.

Zwei wichtige Ereignisse haben meine Mitwirkung besonders veranlasst:

Anfang 2010 begannen die Meldungen von Missbrauch und sexueller Gewalt durch Ordensleute im Kollegium St. Canisius, die bald wie eine Lawine die Kirche in Deutschland und in den Nachbarländern überrollte. Mir war das alles umso schmerzlicher, denn die Gebeine des Heiligen Jesuiten Canisius werden in Fribourg aufbewahrt. Dort war ich in dem von ihm gegründeten Kollegium St. Michael. Hier und vor den Reliquien des Heiligen Petrus Canisius habe ich alle Gnade des Priestertums empfangen.

Freude gab es aber im September 2011 beim Pastoralbesuch von Papst Benedikt, gleichsam eine Gnade und ein göttlicher Trost nach dem Sturm. Die Heilige Liturgie im Olympiastadion, das gefüllt bis zum letzten Platz war, in Anwesenheit aller deutschen Bischöfe und mit dem  bedeutungsvollen Gruß des gerade eingesetzten neuen Erzbischofs an den Heiligen Vater, war eine Quelle der Hoffnung, weil die Kirche auf Felsen gebaut ist, auf Christus, und sie deshalb nicht untergehen wird.

Ihnen allen, und besonders Ihnen, lieber Herr Kardinal, ein herzliches und fröhliches Vergelt’s Gott für Ihre brüderliche Beziehung mit dem Apostolischen Nuntius. Gott weiß, was ich während dieser sechs Jahre in Deutschland und besonders in Berlin empfangen habe, damit ich mit Ihnen allen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe wachsen konnte.
Ihnen allen Gottes Segen, der immer mit uns sei. Möge Maria, die Mutter Gottes, uns allen Trösterin, Vorbild und Beschützerin sein.

Amen!