14 01 14 Ansprache von Nuntius Eterovic beim Neujahrsempfang des Diplomatischen Corps beim Bundespräsidenten

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail



Ansprache
des Doyen des Diplomatischen Corps,
S.E. Erzbischof Dr. Nikola Eterović,
beim Neujahrsempfang des Herrn Bundespräsidenten,
S.E. Joachim Gauck

Berlin im Schloß Bellevue, 14. Januar 2014



Exzellenz, sehr geehrter Herr Bundespräsident!

Zu Beginn des Jahres 2014 habe ich die Ehre, Sie, Exzellenz, herzlich zu grüßen und Ihnen und dem ganzen deutschen Volk alle guten Wünsche zu übermitteln: Glück, Eintracht, Wachstum und insbesondere den Frieden! Ich freue mich, Eurer Exzellenz diese besten Wünsche, zum ersten Mal in meiner Eigenschaft als Dekan des Diplomatischen Korps in der Bundesrepublik Deutschland zu übermitteln, die von den Botschaftern und auch den Repräsentanten der internationalen Organisationen und anderen Institutionen zusammengestellt wurden.

In den vergangenen Tagen haben die Christen viel über den Frieden nachgedacht, der als solcher ein Geschenk Gottes und uns zu verwirklichen aufgetragen ist, wenn wir der Einladung folgen, die in der Weihnacht die Engel durch die Hirten an die Menschen richteten: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Frieden bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14). Der Friede ist sehr willkommen und wichtig in allen Religionen. Aber auch die anderen Menschen guten Willens sehnen sich nach Frieden und bemühen sich darum, daß er sich über die ganze Erde erstreckt. Das ist verständlich, denn ohne Frieden gibt es keine  erwünschte Entwicklung - weder der menschlichen Person, noch der Völker. Gewalt und Krieg zerstören nicht nur die materiellen Güter, sondern auch die Beziehungen zwischen den Personen und Nationen. Sie sind die Hauptgründe für den Exodus zahlreicher Männer und Frauen, die ihre Heimat verlassen und einen anderen Ort suchen, um dort in Frieden zu leben. Wo der Friede gefördert wird, verringert sich signifikant das Phänomen der Emigration und Immigration, eines der schweren Probleme unserer Welt. Nur eine zukunftsgerichtete Politik ist in der Lage, eine gerechte und dauerhafte Lösung dieses schwerwiegenden Problems zu bringen. Zwischenzeitlich erfordert diese Frage dringend eine größere Solidarität, wie Sie, Exzellenz, es in ihrer Weihnachtsansprache unterstrichen haben. Die Entscheidung, eine bedeutend höhere Zahl von Flüchtlingen aus Syrien aufzunehmen, geht in diese Richtung. Eine solche Solidarität aber überschreitet die Grenzen Deutschlands und erstreckt sich auf alle Länder Europas, welche sich dies ebenfalls aneignen mögen, damit sich eine Tragödie wie die vor Lampedusa im vergangenen Jahr nie mehr wiederholt.

Drei Gründe bewegen mich, bei der Bedeutung des Friedens zu verweilen bei diesem Gruß an Sie, verehrter Herr Bundespräsident. Der erste ist, daß zu viele Kriege andauern und Blut vergießen und an das Gewissen jeder menschlichen Person appellieren und dazu einladen, Mitarbeiter des Friedens zu werden. Der zweite Grund findet sich in diesem Jahr in der Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren und an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor fünfundsiebzig Jahren, beide Kriege mit großen Verlusten an Menschenleben und der immensen Zerstörung weiter Teile Europas und der Welt, und letztlich an den fünfundzwanzigsten Jahrestag des Falls der Berliner Mauer. Der dritte Grund wurde beeinflusst von meinem Besuch im Museum Unsere Geschichte Deutschland seit 1945 in Bonn. Ich war überwältigt von der gut dokumentierten Fülle der Zerstörung Deutschlands am Ende des weltweiten Krieges. Andererseits bin ich positiv angetan vom Prozess des Wiederaufbaus und dem großen Fortschritt, den die Deutschen in den Folgejahren geleistet haben. Wie ein Phönix aus der Asche hat sich Deutschland damals erhoben, mit Hilfe der Alliierten, vor allem aber mit der Opferbereitschaft und dem Arbeitswillen ihrer Söhne und Töchter, die an eine bessere Zukunft glaubten  und es schafften, einen demokratischen und wohlhabenden Staat aufzubauen, der die Menschenrechte respektiert und sensibel ist für die Unterstützung der Hilfsbedürftigen. In diesem Sinn kann Deutschland ein gutes Beispiel für die anderen Staaten Europas und der ganzen Welt sein.

Nach der Erfahrung des Krieges und der Anstrengung des Aufbaus nach dem Grundprinzip der sozialen Gerechtigkeit ist Deutschland gerufen, immer mehr aktiv zu werden in der Förderung des Friedens, der grundlegend und unverzichtbar für jede ausgeglichene und dauerhafte Entwicklung ist. Die Haltung Deutschlands ist wichtig, im Einklang mit den anderen Ländern den Frieden zu fördern, vor allem in den instabilen Regionen des Kontinents, aber auch die Räume der Demokratie zu erweitern und eine ganzheitliche Entwicklung der Wirtschaft, Kultur und der Religion in den Länder und europäischen Nationen anzuregen. Deutschland ist schon vielfältig und auf unterschiedlichen Ebenen eingebunden in der militärischen oder logistischen Unterstützung in verschiedenen Regionen der Welt, um den Frieden zu sichern. Diese Präsenz ist wichtig, um Bedingungen des Friedens, des Dialogs und der Entwicklung zu schaffen.  Das aber erfordert auch den Einsatz auf Seiten der einzelnen Nationen, sich auf den anspruchsvollen und entbehrungsreichen Prozess der Versöhnung und des Wiederaufbaus des sozialen Ausgleichs und im Kampf gegen die Korruption und in der Bildung der Bevölkerung, insbesondere zum Aufbau einer Klasse von Verantwortungsträgern einzulassen, die sich vornehmlich um die Förderung des Gemeinwohls  und der jeweiligen Bevölkerung bemüht. Mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft sind die Länder aufgerufen, ihre Ressourcen nicht so sehr in ihre Bewaffnung, als in Bildung und Gesundheit und Entwicklungsprojekte zu investieren, die Bedingungen für Arbeit und Wohlergehen der Einwohner ihrer eigenen Länder schaffen.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, am Beginn des Jahres 2014 sind die Mitglieder des Diplomatischen Corps erfreut, die positive Rolle Deutschlands im Konzert der Nationen festzustellen. Ihr Land ist ein gelungenes Beispiel für einen Rechtsstaat und für die Förderung des Friedens in Europa und in der Welt. Der Friede ist einer der Hauptfaktoren für die Entwicklung des europäischen Kontinents, der sensibel für die Notwendigkeiten der Wehrlosen und Immigranten ist. In unserer Welt, die charakterisiert wird vom Prozess der Globalisierung, brauchen die gegenseitigen Verbindungen und die neuen Bedürfnisse den Aufbau einer wahren „Brüderlichkeit, Fundament und Weg des Friedens“ (Papst Franziskus zum 47. Weltfriedenstag am 01.01.2014). Im Bewusstsein, daß die guten Dinge immer noch besser werden können, wenn der Segen des Herrn erbeten wird, grüßen wir Sie, Exzellenz, und alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland und wünschen weiteren Fortschritt auf den Feldern des Lebens und des Handelns. Indem Gott Deutschland und seine Bewohner segne, gewähre er allen den Frieden, das Geschenk und die Aufgabe, ihn für die Nahen und die Fernen zu gestalten.