14 06 11 Ansprache von Nuntius Eterovic beim Empfang der Bundeskanzlerin für das Diplomatische Corps

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Ansprache des Doyen des Diplomatischen Corps,
Erzbischof Dr. Nikola Eterović,
beim Empfang der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
für das Diplomatische Corps

Bundeskanzleramt, 11. Juni 2014



Exzellenz, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

im Namen des Diplomatischen Corps in der Bundesrepublik Deutschland habe ich zum ersten Mal die Ehre, Ihrer Exzellenz die herzlichsten Grüße und besten Wünsche zu überbringen. Wir alle sind Ihnen für die Einladung zu dieser Begegnung dankbar, die aus bekannten Gründen am Anfang des Jahres nicht möglich war und somit in der Mitte des Jahres 2014 stattfindet. Dieses Jahr ist gekennzeichnet vom Beginn einer neuen Legislaturperiode für Sie und die Regierung, die von Ihnen geführt wird. Hierfür wünschen wir gute Erfolge für Deutschland, für Europa und auch für die ganze Welt.

Das Jahr 2013 war in Deutschland gekennzeichnet von den Wahlen zum 18. Deutschen Bundestag, die in einem beispielhaften Klima der Teilnahme und in demokratischen Geist erfolgten. Mit großem Interesse haben die Mitglieder des Diplomatischen Corps das Wahlgeschehen sowie die Verhandlungen zur Regierungsbildung verfolgt. In deren Namen bin ich erfreut, Sie zum Wahlerfolg der Christlich Demokratischen und Christlich Sozialen Union (CDU-CSU) zu gratulieren, der Ihnen die Möglichkeit gibt, zum dritten Male als Kanzlerin die deutsche Nation zu regieren, nun  in der sogenannten großen Koalition mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Von besonderem Interesse im Koalitionsvertrag der regierenden Parteien ist mit Blick auf die Außenpolitik der Wille, den Frieden und die Entwicklung weltweit zu fördern und den Prozess der europäischen Integration zu stärken. Bei dieser Bemühung war von großer Bedeutung die Wahl zum Europaparlament im Mai 2014. Sie fanden in einem Kontext statt, der von Erinnerung an drei Daten gekennzeichnet ist, die gerade für Europa und seine Geschichte in besonderer Weise bedeutsam sind: der hundertste Jahrestag des Beginns des Ersten und der fünfundsiebzigste Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges sowie der Fall der Berliner Mauer vor fünfundzwanzig Jahren. Wir, die wir in Berlin leben, können an verschiedenen Orten, in Museen und durch Dokumentationen nachempfinden, welche dramatische Wirklichkeit diese Mauer repräsentierte, nicht allein in der Teilung einer Stadt und einer Nation, sondern gerade als Symbol der Teilung der Welt in zwei Blöcke und damit für den sogenannten Kalten Krieg. Solche schmerzhaften Ereignisse können die demokratischen Kräfte in allen europäischen Staaten wecken, um mit erneuerter Kraft am gemeinsamen europäischen Haus zu bauen, gerade in unseren Zeiten, denen es nicht an Schwierigkeiten und neuen Herausforderungen mangelt, wie die tragischen Ereignisse in der Ukraine zeigen, wenn es um den Abbau von Spannungen oder der Gefahren des sich Verschließens in Partikularismen, Isolation und Nationalismen geht.  Bei diesem erneuerten Vertrauen in das europäische Projekt, bei der die Schlussakte von Helsinki der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa bedeutsam bleibt, spielt Deutschland eine besondere Rolle, in Übereinstimmung mit seiner Geschichte, durch seine geographische Lage und der ökonomischen und politischen Kraft. Ein solches Projekt möge sich weiter erstrecken als nur auf die Europäische Union, sondern alle europäischen Länder einschließen, damit der Kontinent immer mehr ein Ort der Freiheit und Friedens ein Ort der Demokratie, der Wohlfahrt und des Respekts der Menschenrechte werde. Ein so geordnetes Europa der Werte wird eine immer wichtigere Rolle in der Welt haben, nicht allein auf ökonomischen Gebiet, sondern auch im politischen, sozialen und kulturellen Bereich.

Mit Blick auf die Innenpolitik erhofft man sich größere Anstrengungen der Bürgerinnen und Bürger beim Aufbau ihres Landes im Geist der „Leistungsbereitschaft, des Engagement und des Zusammenhalts“, wie Sie es in Ihrer Neujahrsansprache ausgedrückt haben. Von Seiten der Politiker, die Regierungsverantwortung haben, gilt es, die Bedingungen der sozialen und wirtschaftlichen Stabilität für eine gute Entwicklung des Staates zu sichern, in dem jeder eine Arbeit finden kann und die Garantie eines angemessenen Lohns hat. Die soziale Sensibilität erfordert sodann nach den gegebenen Möglichkeiten die Solidarität mit den Hilfsbedürftigen, was die Flüchtlinge und Asylsuchenden einschließt. Deutschland, das bekannt ist für die Liebe seiner Bevölkerung zur Natur, hegt große Besorgnis für die Ökologie, den Klimawandel und die Erderwärmung, ebenso für die Suche nach neuen Energien, die Mensch und Schöpfung bewahren. Hoffen wir, daß auf diesem Gebiet viele Erfolge zu verzeichnen sein werden, die dann segensreich für alle Menschen werden können.

Der Beginn einer jeden neuen Legislaturperiode ist verbunden mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Hauptvertreter dieser Zukunft ist die Jugend. Die Regierung, der Sie vorstehen, ist sich dessen bewusst und will den Jugendlichen den Vorrang geben, damit sie eine bessere Bildung genießen, um einen guten Arbeitsplatz zu bekommen, ein Haus zu haben und eine Familie zu gründen.  Eine der zukunftsweisenden Prioritäten Ihrer Regierung, verehrte Frau Bundeskanzlerin, sei die Familie, welche die grundlegende Zelle der Gesellschaft ist. Die Unterstützung der Familie ist wichtig als rechte Sorge angesichts des demographischen Wandels, der immer mehr zur höchst wichtigen Frage nicht allein in Deutschland, sondern in ganz Europa wird.

Die Herausforderungen sind nicht wenige und sind keine leichten. Es wird möglich sein, sie zu bestehen, wenn die Konzentration auf das Soziale favorisiert wird, wozu die Große Koalition eine gute Ausgangslage hat, wenn die Kräfte der Gesellschaft mobilisiert werden und wenn alle Menschen guten Willens im Geist der Subsidiarität zusammenarbeiten. Bei diesem Werk nehmen die Kirchen und religiösen Gemeinschaften einen guten Platz ein, denn sie sorgen sich um die allgemeine Wohlfahrt, die geistliche ebenso wie die materielle, der menschlichen Person und der Gesellschaft. Ihre Regierung beabsichtigt, mit den Kirchen und religiösen Gemeinschaften einen konstruktiven Dialog fortzuführen zum Nutzen des Gemeinwohls.

Indem Ihnen nochmals alle guten Wünsche überbringe, erbitte ich für Sie und für die Mitglieder Ihrer Regierung und für alle Menschen, die in Deutschland leben, die Fülle des Segens Gottes.