14 10 20 Vortrag von Nuntius Eterovic an der Kath-Theol. Fakultät der Universität Würzburg

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Vortrag des Apostolischen Nuntius

Erzbischof Dr. Nikola Eterović

an der Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg

 

Würzburg, 20. Oktober 2014
 


 

Einander begegnen:

Chancen und Grenzen im Dialog der Religionen heute

 

Eine neue missionarische Dynamik

 

„Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,18-20).

Exzellenz, verehrter Bischof Friedhelm Hofmann,

Magnifizenz, sehr geehrter Herr Universitätspräsident Prof. Dr. Forchel,

meine sehr verehrten Damen und Herren!

Diese Worte, die der auferstandene Herr an die Apostel vor seiner Himmelfahrt richtet, haben die Geschichte der Kirche gekennzeichnet, jener einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, unserer Mutter. Sie ist aufgrund ihrer Natur missionarisch. Der bestimmend Handelnde dieses Werkes ist der Heilige Geist. Tatsächlich, kurz der Herabkunft auf die Elf (vgl. Apg 2,1-4), die zusammen mit Maria und anderen Frauen im Abendmahlssaal im Gebet versammelt waren (vgl. Apg 1,13-14), beginnt die ruhmreiche Geschichte der Verbreitung des Evangeliums von Jerusalem bis an die Grenzen der Erde. Die Mission der Kirche spiegelt die Ökonomie der göttlichen Offenbarung. Wie Jesus Christus, der eingeborene Sohn, in der Gnade des Heiligen Geistes den Menschen „jenes Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war und jetzt es seinen Heiligen offenbart wurde“ (Kol 1,26), so müssen auch seine Jünger den anderen Männern und Frauen das Heilsgeschehen des gestorbenen und auferstandenen Jesus vermitteln, der mitten unter uns gegenwärtig ist, in seiner Kirche. An dieser Stelle identifiziert er sich mit der Kirche, die sein Leib wird (vgl. Eph 1,23).

Mit Blick auf das Christusgeheimnis, dem verborgenen und offenbarten, schreibt der Heilige Paulus:  „Den Menschen früherer Generationen war es nicht bekannt; jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium. Ihm diene ich dank der Gnade, die mir durch Gottes mächtiges Wirken geschenkt wurde. Mir, dem Geringsten unter allen Heiligen, wurde diese Gnade geschenkt: Ich soll den Heiden als Evangelium den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen und enthüllen, wie jenes Geheimnis Wirklichkeit geworden ist, das von Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer des Alls, verborgen war. So sollen jetzt die Fürsten und Gewalten des himmlischen Bereichs durch die Kirche Kenntnis erhalten von der vielfältigen Weisheit Gottes, nach seinem ewigen Plan, den er durch Christus Jesus, unseren Herrn, ausgeführt hat. In ihm haben wir den freien Zugang durch das Vertrauen, das der Glaube an ihn schenkt“ (Eph 3,5-12).

Ich danke herzlich den Organisatoren dieser Tagung, besonders Herrn Prof. Dr. Udeani und allen, die diese Tage mit ihren Vorträgen bereichern werden. Meine Gedanken, die ich Ihnen vorlege, möchte ich in drei Punkte gliedern:

1.              Kurzer geschichtlicher Überblick

 

Die Apostel und ihre Nachfolger haben ohne Unterlass in Treue zum Gebot des Herrn Jesus und nach dem Plan Gottes des Vaters und im Vertrauen auf die Gnade des Heiligen Geistes das von Jesus von Nazareth begonnene Werk der Evangelisierung und der Förderung der Menschen fortgesetzt. Indem er zur Umkehr aufforderten, weil das Reich Gottes nahe war (vgl. Mt 4,17), „zog Jesus in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden“ (Mt 4,23).

Bei diesem fortwährenden Werk der Mission hatte die Kirche einige besonders gnadenreiche geschichtliche Perioden. Die Anfänge des Christentums haben dabei eine besondere Bedeutung. Eine kleine Zahl von Christen hat sich unter der Führung des Heiligen Geistes in der bekannten Welt ausgebreitet und brachte das Evangelium nach Rom und bis zu den Grenzen des Römischen Reiches. Dies geschah nicht zuletzt durch die tragischen Ereignisse der Geschichte wie die Verfolgung im Heiligen Land oder die Zerstörung Jerusalems.

Eine zweite gesegnete Welle gab es nach der Invasion der sogenannten Barbaren, als neue Völker vom Nordosten Europas in das Gebiet des römischen Reiches eindrangen. Die Katholische Kirche mit ihrem Haupt, dem Bischof von Rom, hat sogleich die Zeichen der Zeit verstanden, nämlich die Notwendigkeit, diese neuen Völker zu evangelisieren. Die missionarische Epoche dauerte einige Jahrhunderte. Es genügt an die Heiligen Verkünder des Evangeliums zu erinnern: An Augustinus von Canterbury (534-604), den Missionar Englands, an Bonifatius (680-754) in Deutschland, an Kyrill (827-869) und Method (815-885) bei den slawischen Völkern etc. Der großen Zahl von heiligen Verkündigern ist es zu verdanken, daß die Menschen in Europa noch immer mehrheitlich zu 82% christlich sind. Die Katholiken zählen 286.868.000, also 39,9% einer Gesamtpopulation von 718.706.000 Einwohnern.

Die Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 hat ein weiteres ruhmreiches Kapitel der Mission eingeleitet. Mit diesem Jahr begann eine ununterbrochene Prozession von Priestern und Ordensleuten, vor allem der Bettelorden von Franziskanern und Dominikanern wie auch der Jesuiten, in die grenzenlosen Weiten Nord-, Mittel- und Südamerikas. Die Evangelisierung fand statt unter dem Zeichen von Maria, der Muttergottes von Guadalupe, die als „Patronin ganz Amerikas und Stern der ersten und der neuen Evangelisierung“ angerufen wird[1]. Auch wenn die schmerzlichen Seiten der Begegnung und nicht selten das Aufeinanderprallen zweier Welten nicht unerwähnt bleiben können, hatte das Werk der Evangelisierung insgesamt gesehen einen positiven Ausgang. Das zeigen die statistischen Zahlen, nach denen 598.819.00 der 946.971.000 Einwohner auf dem amerikanischen Kontinent Katholiken sind[2]. Vor allem aber zeigen dies die Heiligen unter den Verkündern des Evangeliums, so zum Beispiel der Heilige Francesco Solano OFM (1549-1610), der mit seiner Violine durch die Wälder Paraguays auf der Suche nach den Indios zog; der Heilige Luis Bertran OP (1526-1581), der Verkündiger des Evangelium an die Indianer in Kolumbien; der Heilige Petrus Claver SJ (1580-1654), Beschützer der schwarzen Sklaven in der Karibik; der Heilige Turibio Mogrovejo (1538-1606), der zweite Erzbischof von Lima. Dank ihres aufopferungsvollen Dienstes und durch das Werk des Heiligen Geistes hat die Kirche in Amerika reiche Frucht gebracht, von denen die ersten lateinamerikanischen Heiligen genannt werden sollen: die Heilige Rosa von Lima (1586-1617)[3] und der Heilige Martin von Porres (1597-1639) und andere.

Im Jahr 1622 hat Papst Gregor XV. die Kongregation Propaganda Fide errichtet, die heute Kongregation für die Evangelisierung der Völker heißt, welche hart daran gearbeitet hat, die missionarische Aktivität der Kirche zu fördern und zu koordinieren, besonders in Afrika, Asien und Ozeanien.

Die Verkündigung des Evangeliums beginnt in Afrika bereits am Anfang des Christentums. So berichtet uns der Heilige Matthäus, dass die Heilige Familie Zuflucht in Ägypten gefunden hat angesichts der Verfolgung durch Herodes (Mt 2,13-22). In Ägypten, Äthiopien und Eritrea gibt es seit den apostolischen Zeiten das Christentum, das viele Widrigkeiten und Nöte im Laufe der Geschichte überstanden hat. In Afrika jenseits der Sahara, vor allem im Bereich der Westküste, gab es verschiedene Versuche der Evangelisierung vom 15. bis ins 18. Jahrhundert. Er war aber nötig, bis in das 19. Jahrhundert zu warten, um ein großes missionarisches Erwachen zu sehen, das den christlichen Glauben in viele Länder des Kontinents gebracht hat. Dieser Moment der Gnade setzte sich auch im 20. Jahrhundert fort. Die Ergebnisse können nicht übersehen werden. So gab es in Afrika im Jahr 1930 nur 3.000.000 Katholiken. Die Zahl der Katholiken im Jahr 2012 erreichte etwa 198.868.000 bei einer Gesamtbevölkerung von 1.066.140.000. Dieser gesegnete Zuwachs wurde begleitet von einem bedeutenden Zuwachs bei den Priestern, Ordensleute, engagierten Laien und besonders bei den Katecheten. Es überrascht nicht, daß diese rasche Entwicklung auch verbunden ist mit verschiedenen Herausforderungen, wie zum Beispiel die Inkulturation des Evangeliums in die lokalen Kulturen. Der Heilige Johannes Paul II. nennt Afrika „die zweite Heimat Jesu von Nazareth“[4], während der Selige Paul VI. während seiner Apostolischen Reise nach Uganda voraussagt, Afrika werde „die neue Heimat Christi“[5]. Das sind Worte voller Anerkennung und der Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft der Katholischen Kirche auf dem großen afrikanischen Kontinent.

In Asien ist das Christentum seit den ersten Zeiten dadurch verbreitet, daß Palästina das Land ist, wo Jesus Christus geboren wurde, und das Teil des größten Kontinents der Erde ist. Vom Ort seiner Geburt im Heiligen Land, verbreitete sich das Christentum sogleich vor allem in Kleinasien, hat dann verschiedene Länder im Zentrum und später den Osten des Kontinents erreicht. Armenien war die erste Nation, die den christlichen Glauben am Ende des 3. Jahrhunderts angenommen hat. Im 5. Jahrhundert brachten Kaufleute die Frohe Botschaft auch nach China. Es gab Missionsversuche vom 13. bis 15. Jahrhundert. Bekannt ist als Missionar besonders der Heilige Franz Xaver (1506-1552), der Apostel Indiens. Aber die große Bewegung der Mission geschah im 19. Jahrhundert. Auch in Asien ist ein beträchtlicher Zuwachs an Katholiken zu verzeichnen. Lag die Zahl der Getauften im Jahr 1978 bei 63.183.000, waren es im Jahr 2012 bereits 134.641.000 bei einer Gesamtbevölkerung von 4.254.259.000. Der Prozentsatz der Katholiken liegt daher bei 3,2%. Die Katholische Kirche ist mehrheitlich auf den Philippinen, kennt einen beträchtlichen Zuwachs in Südkorea, in Vietnam, in Indien und in China etc. Die große Herausforderung für das Christentum bleibt der Dialog mit den großen Religionen Asiens: dem Judentum, dem Hinduismus, dem Buddhismus, dem Islam, dem Taoismus, dem Konfuzianismus, dem Zoroastrismus, dem Janismus, dem Sikhismus und dem Shintoismus[6].

Auch in Ozeanien verbreitete sich mit Beginn des 16. Jahrhunderts die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus. Zuerst wurde das Christentum von den Immigranten und den Kollonisten nach Australien und Neuseeland gebracht und dann zu den zahlreichen Inseln. Diese Verkündigung wurde oft von einem heroischen Zeugnis begleitet, dem Martyrium der Missionare, welche die Kirche zu Heiligen erhoben hat[7]. Im Jahr 2012 betrug die Zahl der Katholiken in Ozeanien 9.706.000 bei einer Bevölkerungszahl von 37.301.000. Die Katholische Kirche des Kontinentes ist in vier Bischofskonferenzen aufgeteilt: Australien, Neuseeland, Papua Neuguinea und den Samoa-Inseln. Die ersten beiden Länder sind entwickelt und zu einem Großteil säkularisiert, während die beiden anderen in gewissem Sinne klassische Missionsgebiete und vom sozialem Gesichtspunkt her gesehen auf dem Weg der Entwicklung sind. 

2.     Erneuerte missionarische Dynamik

 

Das Zweite Vatikanische Konzil hat für die Katholische Kirche die dringende Aufgabe der Mission bekräftigt. Das Dekret Ad gentes wurde am 7. Dezember 1965 promulgiert und bleibt die Magna Charta der Missionstätigkeit der Kirche in der Welt von heute. Die ersten Worte unterstreichen die missionarische Natur der Kirche, „das allumfassende Sakrament des Heils“. „So müht sie sich gemäß dem innersten Anspruch ihrer eigenen Katholizität und im Gehorsam gegen den Auftrag ihres Stifters, das Evangelium allen Menschen zu verkünden. Denn auch die Apostel, auf die die Kirche gegründet worden ist, haben, den Spuren Christi folgend, ‚das Wort der Wahrheit verkündet und Kirchen gezeugt’”[8].

In der Folge haben die Päpste die Dringlichkeit und Bedeutung der Mission unterstrichen. Darunter ist besonders an die Enzyklika des Heiligen Johannes Paul II. Redemptoris missio vom 7. Dezember 1990 zu erinnern. Er stellt fest, „daß die »äußersten Enden der Erde«, denen das Evangelium zu bringen ist, sich immer mehr entfernen. Die Feststellung Tertullians, wonach »das Evangelium auf der ganzen Welt und bei allen Völkern verkündet worden ist«, ist recht weit von ihrer konkreten Verwirklichung entfernt. Die Mission ad gentes steht noch in ihren Anfängen“[9]. Diese Feststellung ist aktuell auch heute gegeben, wo die Katholiken in der Welt nur einen Anteil von 17,5% an der Gesamtbevölkerung von 7.034.000.000 haben. Alle Christen zusammen sind etwa 32% der Bevölkerung der Erde.

Der Missionsauftrag der Kirche ist auch festgeschrieben im Katechismus der Katholischen Kirche, besonders in dem Abschnitt: Die Mission – Eine Forderung der Katholizität der Kirche[10].

Die Synode der Bischöfe hat verschiedene Male die Missionstätigkeit der Kirche in Übereinstimmung mit ihren Zielen reflektiert. Tatsächlich hat das Zweite Vatikanische Konzil präzisiert: „Da die Sorge für die weltweite Verkündigung des Evangeliums besonders bei der Gemeinschaft der Bischöfe liegt, möge die Bischofssynode oder ‚der beständige, für die ganze Kirche zuständige Rat der Bischöfe’ unter den Obliegenheiten von allgemeiner Bedeutung der missionarischen Tätigkeit als der wichtigsten und heiligsten Aufgabe der Kirche besondere Aufmerksamkeit zuwenden“[11]

Über die Aktualität der Mission in unserer Welt, auch im Licht der Präsenz in Ländern mit überliefertem christlichem Glauben und den Angehörigen der nicht-christlichen Religionen, haben die Synodenväter in besonderer Weise reflektiert im Laufe der XIII. Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan vom 7.-28. Oktober 2012 zum Thema Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens. Dabei haben sie drei komplementäre Aspekte einer neuen pastoralen Dynamik der Kirche, der neuen Evangelisierung unterschieden, die Papst Benedikt XVI. in seinen Interventionen präsentiert hat und die zusammengefasst wurden im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium des Heiligen Vaters Franziskus[12].

  1. Die gewöhnliche Seelsorge der Kirche – insbesondere die Sakramente der christlichen Initiation: Taufe, Firmung und Erstkommunion -, „die mehr vom Feuer des Heiligen Geistes belebt sein muss, um die Herzen der Gläubigen zu entzünden, die sich regelmäßig in der Gemeinde zusammenfinden und sich am Tag des Herrn versammeln, um sich vom Wort Gottes und vom Brot ewigen Lebens zu ernähren“ [13].

 

2.     Die neue Evangelisierung richtet sich auf die „Getauften, die aber die Konsequenzen aus der Taufe nicht leben“[14] Diese Menschen finden sich auf allen Kontinenten, auch wenn sich das Phänomen vor allem auf die Bewohner der stark säkularisierten Länder bezieht. Die Kirche muss neue Wege suchen, auf’s Neue Jesus Christus und sein Evangelium zu verkünden. Von besonderer Bedeutung bei diesem Werk sind nach den Synodenvätern vor allem die christlichen Familien und die Pfarreien.

 

3.     Die neue Evangelisierung ist sodann „wesentlich verbunden mit der Mission der Völker“[15], der missio ad gentes. Die Mission betrifft an erster Stelle „die Verkündigung des Evangeliums an diejenigen, die Jesus Christus nicht kennen“[16]. Es handelt sich um die Mission im klassischen Sinne, die viele Menschen in Afrika, Asien und in Ozeanien betrifft, die noch nicht die Frohe Botschaft kennen und die Christen werden wollen, Glieder der Kirche, die große Familie Gottes. Ohne die Tätigkeit der Missionare, die aus den Ländern der antiken Evangelisierung stammen, zu unterschätzen, ist es nötig zu unterstreichen, daß die Erstberufenen zur Evangelisierung dieser Menschen die Christen der Ortskirche sind, die es in den erwähnten Ländern gibt. Es gibt, Gott sei Dank, seit einiger Zeit in den betroffenen Ländern und Kontinenten eine missionarische Bewegung vom inneren der Kirche her: die Afrikaner oder die Asiaten evangelisieren ihre afrikanischen oder asiatischen Mitmenschen, die traditionellen oder nicht-christlichen Religionen angehören.

 

Es gibt aber auch eine andere Art der Mission, die in den Ländern der antiken Evangelisierung zu erfüllen ist, wie zum Beispiel in Europa und in Amerika. Aufgrund der Globalisierung und der Migration leben viele Nichtchristen aktuell in den Ländern mit alter christlicher Tradition. Mit Bezug auf die Reflektionen der Synode hat Papst Benedikt XVI. zwei Grundprinzipien hervorgehoben, die alle betreffen, die Nichtchristen und die Christen: „Alle Menschen haben das Recht, Jesus Christus und sein Evangelium zu kennen; und das korrespondiert mit der Pflicht der Christen, aller Christen – Priester, Ordensleute und Laien -, die Frohe Botschaft zu verkünden“[17]. Die Synode hat ihrerseits hervorgehoben, daß „diese Verkündigung in ihrer Gesamtheit mit vollem Respekt vor jeder Person angeboten werden muss, ohne jede Form von Proselytismus“[18].

Diese Prinzipien sind so aktuell und binden alle Christen, Missionare zu werden, sie mit dem Gebet zu begleiten, die materielle Unterstützung der Missionen im klassischen Sinn, aber auch, sich zu engagieren in der Mission in für die Länder mit antiker Evangelisierung angemessener Weise.  

3. Papst Franziskus und die Mission

Als Widerhall der synodalen Reflektion hat Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium kraftvoll unterstrichen, daß jeder Christ, jeder Getaufte Jünger und Missionar Jesu Christi sein muss[19], „welcher der absolut erste und größte Verkündiger gewesen ist“[20]. Darauf bezieht sich Papst Franziskus und schreibt: „Jeder Christ ist in dem Maß Missionar, in dem er der Liebe Gottes in Jesus Christus begegnet ist; wir sagen nicht mehr, dass wir ‚Jünger‘ und ‚Missionare‘ sind, sondern immer, dass wir ‚missionarische Jünger‘ sind. Wenn wir nicht überzeugt sind, schauen wir auf die ersten Jünger, die sich unmittelbar, nachdem sie den Blick Jesu kennen gelernt hatten, aufmachten, um ihn voll Freude zu verkünden: »Wir haben den Messias gefunden« (Joh 1,41). Kaum hatte die Samariterin ihr Gespräch mit Jesus beendet, wurde sie Missionarin, und viele Samariter kamen zum Glauben an Jesus »auf das Wort der Frau hin« (Joh 4,39). Nach seiner Begegnung mit Jesus Christus machte sich auch der heilige Paulus auf, »und sogleich verkündete er Jesus … und sagte: Er ist der Sohn Gottes« (Apg 9,20). Und wir, worauf warten wir?“[21].

Das persönliche und das gemeinschaftliche Zeugnis des christlichen Glaubens, wie auch die missionarische Dynamik, welche die Christen und die Kirche drängt, aus sich herauszugehen und sich den vielen Peripherien unserer Welt zuzuwenden, erfordert auch einen Dialog mit allen Menschen guten Willens. Der Dialog ist vor allem mit den anderen Christen wichtig, den Angehörigen der Orthodoxen Kirchen und den aus der Reformation geborenen Gemeinschaften[22]. Ebenso drängt es zum Dialog mit dem Judentum[23] und den nichtchristlichen Religionen[24], wie auch mit den Kulturschaffenden, den Wissenschaftlern und den Menschen aus der Wirtschaft.

Die ganze missionarische Tätigkeit der Kirche gehorcht dem Gebot des Herrn Jesus. Darauf bezieht sich Papst Franziskus, wenn er schreibt: „» Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe « (Mt 28,19-20). In diesen Versen ist der Moment dargestellt, in dem der Auferstandene die Seinen aussendet, das Evangelium zu jeder Zeit und an allen Orten zu verkünden, so dass der Glaube an ihn sich bis an alle Enden der Erde ausbreite“[25]

Die Worte sind auch an uns gerichtet, die wir gerufen sind, mit mehr Einsatz und Leidenschaft Jünger und Missionare Jesus Christi zu werden. Wir alle sind gerufen, Heilige zu werden, denn, so haben wir gesehen, die Heiligen waren die wahren und frohen Verkündiger des Evangeliums von Jesus Christus.  Tatsächlich, „mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude“[26].


[1] Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in America, 11.

[2] Für die Statistik vgl. Annuarium Statisticum Ecclesiae, 2012.

[3] Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in America, 15.

[4] Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Africa, 142.

[5] Ebd., 6.

[6] Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Asia, 44.

[7] Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Oceania, 7.

[8] Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Ad gentes, 1.

[9] Johannes Paul II, Enzyklika Redemptoris missio, 40.

[10] Katechismus der Katholischen Kirche, NN 849-856.

[11] Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Ad gentes, 29.

[12] Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium, 14.

[13] Benedikt XVI., Predigt zum Abschluss der XIII. Ordentlichen Generalversammlung der Synode der Bischöfe (28. Oktober 2012), L’Osservatore Romano, 29.-30. Oktober 2012, Seite 8.

[14] Ebd., Seite 8.

[15] Ebd., Seite 8.

[16] Proposition 7 New Evangelization as a Permanent Missionary Dimension of the Church.

[17] Benedikt XVI., Predigt zum Abschluss der XIII. Ordentlichen Generalversammlung der Synode der Bischöfe (28. Oktober 2012), L’Osservatore Romano, 29.-30. Oktober 2012, Seite 8.

[18] Proposition 10 Right to Proclaim and to Hear the Gospel.

[19] Vgl. Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium, NN 119-121.

[20] Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii Nuntiandi, 7.

[21] Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium, 120.

[22] Vgl. Ökumenischer Dialog, ebd., 244-246.

[23] Vgl. Dialog mit dem Judentum, ebd., 247-249.

[24] Vgl. Interreligiöser Dialog, ebd., 250-254.

[25] Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium, 19.

[26] Ebd., 1.