15 07 15 Ansprache von Nuntius Eterovic beim Angelusgebet im Radio Horeb

15 07 15 Ansprache von Nuntius Eterovic beim Angelusgebet im Radio Horeb

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Ansprache des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović

Radio Horeb, 15. Juli 2015

Heiliger Bonaventura


 
„Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, 
und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Mt 23,12).
 
Verehrte Hörerinnen und Hörer, 
liebe Brüder und Schwestern!
 
Diese Worte beschreiben sehr gut das Leben aller Heiligen, so auch das Beispiel des Heiligen Bonaventura, den die Kirche heute feiert. Er ist Kirchenlehrer und wurde als Doctor seraphicus oder als Fürst unter allen Mystikern gepriesen. Neben dem Heiligen Thomas von Aquin ist Bonaventura, der am 15. Juli 1274 in Lyon gestorben ist, der bedeutendste Theologe des Mittelalters. Seine Bedeutsamkeit für die Kirche erschöpft sich aber nicht in seiner reichen Theologie, die vor allem vom Heiligen Augustinus inspiriert ist, sondern auch durch sein Wirken im Orden der Franziskaner, dem er als junger Mann beigetreten ist und wo er viele Ämter innehatte. Eine besondere Liebe verbindet ihn mit dem Heiligen Franziskus, über den er als Generalminister der Franziskaner eine ausführliche Biographie geschrieben hat. Bonaventura gilt nach Franziskus als der zweite Stifter des Ordens, der sich um die Erneuerung der Kirche und die Evangelisierung der Menschen verdient gemacht hat. Obwohl er eine so wichtige Rolle im Franziskanerorden und in der Kirche gespielt hat, ist er dennoch immer demütig geblieben. So hat er zugelassen, daß sich durch ihn die Weisheit und Größe Gottes gezeigt hat. 
 
Wer Jesus Christus verkündet, der darf nicht hochmütig und stolz sein, wie es manche Gelehrte zu allen Zeiten waren. Denn der heilige Kirchenlehrer sagt: „Indem sie sich weise nannten, wurden sie zu Toren; indem sie auf ihr Wissen stolz waren, wurden sie zu Gefolgsleuten Luzifers“ (Collationes in Hexaemeron IV, 1 [V 349a]). In der Nachfolge Christi braucht es die Demut des Dienens. Im Dienen erhöht Christus den Diener. Wenn der Diener sich selbst erhöht, erniedrigt er den Herrn und wird selbst erniedrigt. Der Heilige Vater Franziskus, den ich die Ehre habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, dient der Kirche im Geist des Heiligen Franziskus und des Heiligen Bonaventura. In seinem Namen übermittle ich den Hörern von Radio Horeb seine herzlichen Grüße. Papst Franziskus wird nicht müde zu lehren, daß ein Leben aus dem Glauben durch Taten überzeugt und weniger durch Worte. Wir sollen Christen sein, die offenen Herzens sind für das Evangelium und es durch Taten der Liebe den Menschen bezeugen. Das können wir nur werden, wenn wir demütig sind.  
 
Im Brief an die Gemeinde in Ephesus schreibt der Heilige Paulus: „Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt“ (Eph 3,17-19). Der Heilige Bonaventura hat all seine Talente in den Dienst für die Kirche eingebracht. Er war einer der wirklich Großen, der sich erniedrigt hat, um von Christus erhöht zu werden. So ist er für uns ein leuchtendes Beispiel. 
 
 
Gelobt sei Jesus Christus. Von nun an bis in Ewigkeit.