15 07 16 Ansprache von Nuntius Eterovic beim Angelusgebet im Radio Horeb

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Ansprache des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović

Radio Horeb, 16. Juli 2015

 Gedenktag Unserer lieben Frau auf dem Berge Karmel


 
„Alle Welt schweige in der Gegenwart des Herrn. 
Denn er tritt hervor aus seiner heiligen Wohnung.“ (Sach 2,17).
 
Verehrte Hörerinnen und Hörer, 
liebe Brüder und Schwestern!
 
Wir leben heute in wortreichen Zeiten. Überall wird geredet, geschrieben, kommentiert und auch viel lamentiert. Es scheint fast so, als sei das Schweigen  aus unserem Alltag verschwunden. Das gilt auch für das Gebet, wo oft viele Worte gemacht werden, man sich aber kaum Zeit lässt, um zu hören, was Gott sagt. Am heutigen Gedenktag Unserer lieben Frau auf dem Berge Karmel ermahnt uns das Wort Gottes, in der Gegenwart des Herrn zu schweigen, weil er sich in Jesus Christus entäußert hat und Mensch wurde (vgl. Phil 2,7). Gott wurde Mensch, indem er seine heilige Wohnung im Himmel verlassen hat, um durch den Heiligen Geist Wohnung zu nehmen in Maria, der Jungfrau, die den Sohn Gottes Jesus Christus geboren hat. Maria singt im Magnificat, nachdem sie das Bergland von Judäa durchquert hatte: „Der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig“ (Lk 1,49). Der Heiligkeit Gottes werden wir vor allem im Schweigen gewahr.
 
Die Christen werden in der Taufe zu Kindern Gottes und aus Gnade zu Brüdern und Schwestern des Herrn Jesus Christus. Jeden Tag beten wir oft mehrfach zu unserem Vater im Himmel, daß sein Wille geschehe. Gottes Wille geschieht auch, indem wir in erfüllen. Um ihn erfüllen zu können, müssen wir ihn kennen. Das erfährt der betende Mensch vor allem in der Stille, wenn er sagt: „Ich will hören, was Gott redet“ (Ps 85,9). Maria ist das Urbild der Hörerin des Wortes Gottes. In ihr ist das Wort Gottes Fleisch geworden (vgl. Joh 1,14) und der Wille Gottes wurde in der Person Jesu Christi Mensch! Maria zeigt den Weg zu Jesus Christus, ihrem Sohn, unserem Herrn. Er, der Herr Jesus, der Sohn der Jungfrau Maria, ist der wahre Berg, zu dem alle gelangen sollen. Deswegen ist es so wichtig, daß auch wir, wie Maria, dem Gottmenschen Jesus Christus nachfolgen, der uns mit dem Heiligen Geist zu Gottvater führt (vgl. Joh 14,6). In der Nachfolge des Herrn sind wir wahrhaft Brüder und Schwestern Christi, der sagt: „Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“ (Mt 12,46-50).
 
Bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel, darum, glaubwürdige Zeugen Christi und seiner Frohen Botschaft zu sein, die wir im Schweigen verstehen lernen, im Reden verkünden und durch ein christliches Leben beglaubigen. 
 
Im Namen des Heiligen Vaters Franziskus erteile ich allen Hörern von Radio Horeb den Apostolischen Segen.