Grußwort von Nuntius Eterovic zur Verabschiedung von S.E. Hans-Josef Becker, Erzbischof von Paderborn

Hoher Dom zu Paderborn, 23. Oktober 2022

Eminenzen, Exzellenzen,
liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst,
verehrte Vertreterinnen und Vertreter der christlichen Kirchen,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft,
liebe Schwestern und Brüder!

Zwei Tage vor dem Festtag von „Klein-Libori“ (25. Oktober), wo im Erzbistum Paderborn der Rückkehr der Reliquien Eures verehrten Bistumspatrons gedacht wird, die im Dreißigjährigen Krieg geraubt und fünf Jahre fern dieses ehrwürdigen Domes waren, sind wir heute zur Eucharistiefeier zusammengekommen, um zum Ende der Amtszeit Seiner Exzellenz, Mons. Hans-Josef Becker als Erzbischof von Paderborn dem dreieinen Gott Dank zu sagen. Der Heilige Vater Franziskus, den ich die Ehre habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, hat am 1. Oktober seinen Verzicht auf den Erzbischöflichen Stuhl von Paderborn angenommen.

Vielfältige Aufgaben, Dienste und Ämter haben Sie, verehrter Erzbischof emeritus Hans-Josef seit Ihrer Priesterweihe 1977 in dieser geliebten Ortskirche von Paderborn wahrgenommen. Als Weihbischof seit Beginn dieses Jahrhunderts, als Diözesanadministrator nach dem Tod von Joachim Kardinal Degenhardt und seit dem 28. September 2003 als Erzbischof waren Sie unter dem Wahlspruch in verbo autem tuo – auf dein Wort hin (Lk, 5,5) das erwählte Werkzeug unseres Herrn Jesus, diesen fruchtbaren Weinberg zu leiten und zu bewahren.

Eine lange Wegstrecke haben Sie also mit den Gläubigen und den Klerikern dieser Erzdiözese zurückgelegt. Zuweilen fühlen wir uns im Dienst des Herrn wie der Fischer Simon Petrus, in dessen Leben unvermittelt Jesus trat, sein Boot nahm, um vom See aus den Menschen das Evangelium zu verkünden (vgl. Lk 5,2-3). Eigentlich hätte sich Simon gerne nach einer langen und erfolglosen Nacht der Arbeit zur Ruhe gelegt, doch stärker als seine Müdigkeit wuchs in ihm das Vertrauen in diesen Jesus von Nazareth, der ihn gegen jede Erfahrung zum Fischfang bei Tage ermunterte, der unerwartet reich ausfiel, nachdem sie auf sein Wort hin die Netze ausgeworfen hatten (vgl. 5,4-6). Seit diesem Tag, als der Fischer Simon den Jesus ins Boot holte, wurde er zum Menschenfischer (vgl. Lk 5,10). Trotz all seiner Schwächen und Fehler, seiner Begrenztheit und dem Versagen erlebte der Apostel Petrus, dass sein und unser Herr und Meister sein Vertrauen auf ihn gesetzt hat. Und immer wieder muss jedem Christen, der an seiner Berufung zweifelt, die alle Getauften für ihr Leben haben, wie dem jungen Simon gesagt werden: „Fürchte dich nicht!“ (Lk 5,10).

Lieber Erzbischof emeritus Hans-Josef, im Namen des Heiligen Vaters Franziskus danke ich Ihnen von Herzen für Ihren Hirtendienst und Ihr Wirken als Oberhirte dieses Erzbistums. Möge ihnen vergönnt sein, nunmehr als altgewordener Fischer keine großen Netze mehr auf dem nicht selten unruhigen See auswerfen zu sollen, sondern in ihrer bescheidenen Art am Ufer mit der Angel zu fischen. Seien Sie gewiss, auch dort ist der Herr Jesus bei Ihnen, wie er einst in das Boot ihres Lebens gestiegen ist, um sie in den priesterlichen und bischöflichen Dienst zu rufen. Die Angel sei das Gebet für die Kirche, zu dem ich sie ermuntere, vor allem für die Gläubigen, Priester und Diakone im Paderborner Erzbistum – und für Ihren Nachfolger in der langen Bischofsliste seit den heiligen Hathumar und Badurad und als fünfter Erzbischof seit dem Jahr 1930.

Auf die Fürsprache der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, der heiligen Liborius und Kilian möge uns allen die Gnade zuteilwerden, dass unser Vertrauen in den Herrn Jesus und sein Evangelium gestärkt werde und wir ohne Furcht sagen und leben können: „Auf dein Wort hin“ (Lk 5,5).

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