Predigt von Nuntius Eterovic am 5. Sonntag im Jahreskreis
Apostolische Nuntiatur, 8. Februar 2026
(Jes 58,7-10; Ps 112; 1 Kor 2,1-5; Mt 5,13-16)
„Ihr seid das Salz der Erde … Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,13-14).
Liebe Brüder und Schwestern!
Das heutige Evangelium gehört zur bekannten Bergpredigt, die als Magna Carta des Christentums gilt. Nachdem der Herr Jesus jene, die arm sind vor Gott, die Trauernden, die Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden, die Barmherzigen und reinen Herzens sowie die Friedensstifter und die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten selig genannt hat, verdeutlicht er mit weiteren Symbolen und Bildern den konkreten Inhalt dieser Botschaft. Jesus möchte uns den Weg zum Glück zeigen, den wir bereits in diesem Leben als Christen beschreiten sollen, getauft im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, um die vollkommene Seligkeit im Himmel zu erlangen.
Öffnen wir unsere Herzen für die Gnade des Heiligen Geistes, um das Wort Gottes, das jeden von uns, unsere Gemeinden und somit die ganze Kirche herausfordert, in seiner ganzen Fülle zu verstehen. Konzentrieren wir uns insbesondere auf die zwei Symbole von Salz und Licht, die uns wohlbekannt sind, aber einer tiefergehenden Betrachtung bedürfen.
„Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13).
Jede Seligpreisung findet ihre Erfüllung in Jesus: er allein hat sie auf einzigartige Weise verwirklicht. Gleiches gilt für das Symbol des Salzes: der Herr ist wahrhaft das Salz, das Geschmack verleiht und dem christlichen Leben Sinn schenkt.
Vor diesem Hintergrund wollen wir die Symbolik des Salzes betrachten. Salz verleiht Speisen Geschmack, die ohne es fade schmecken. Doch zu viel Salz kann Lebensmittel ungenießbar machen. Außerdem gibt es verschiedene Sorten von Salz mit unterschiedlicher Qualität. Für schmackhafte und gesunde Speisen ist es wichtig, die Qualität und Menge des Salzes abzuwägen. Man sollte auch bedenken, dass Salz in Zeiten ohne Kühlschränke zur Konservierung von Speisen unverzichtbar war, vor allem in der heißen Jahreszeit. Neben diesen positiven Aspekten erwähnt Jesus auch negative, wie etwa den Geschmacksverlust von Salz. Dieser tritt beispielsweise ein, wenn Salz längere Zeit Sonne und Regen ausgesetzt ist. Jesus sagt, solches Salz „taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden“ (Mt 5,13).
Der Satz: „Ihr seid das Salz der Erde“ verweist auf einen wichtigen Aspekt für jeden Augenblick unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens als Christen. Jesus Christus, das wahre Salz, fordert von uns, sein Abbild zu sein, wo immer wir leben und arbeiten. Das bedeutet, dass wir berufen sind, das Salz der Erde selbst in unserer säkularisierten Welt, in Europa, einschließlich Deutschland zu sein, dessen Bewohner oft den Sinn des Lebens verloren haben. Man denke nur an die hohe Zahl an Selbstmorden (10.372 Menschen in Deutschland im Jahr 2024) oder die immer weiter steigende Zahl an Depressionen erkrankten Personen (im Jahr 2024 litten in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen darunter). Auch die wachsende Unzufriedenheit und Verbitterung ist zu nennen. In unserer Welt, in der viele leben, als gäbe es Gott nicht, bedeutet Salz der Erde sein vor allem, Zeugen Jesu Christi und Zeugen Gottes zu sein, seiner Existenz und Gegenwart in unserer Welt. Aus dem Glauben an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, erwächst der Sinn des Lebens, was auf dieser Erde beginnt, aber nach einer gewissen Zeit im Himmel und in ewiger tiefer Vereinigung mit dem dreieinigen Gott und in der Gemeinschaft aller Heiligen (communio sanctorum) vollendet sein wird. Dieser Glaube gründet sich auf die Verheißung Jesu Christi: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ (Joh 11,25-26). Salz kann im positiven Sinne auch die ethischen und moralischen Werte symbolisieren, die Männer und Frauen auf persönlicher, familiärer und gesellschaftlicher Ebene leiten sollen, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Fest im Glauben (vgl. 1 Kor 16,13) sind wir in der Lage, anderen das Evangelium zu verkünden – die gute Nachricht, die für alle Menschen und zu jeder Zeit aktuell ist. Sie erhellt das menschliche Leben selbst in den schwierigen Zeiten, wenn wir mit Krankheit, Leid, Gewalt und sogar dem Tod konfrontiert werden.
Wir müssen jedoch auch den zweiten Teil der Aussage beachten, wo Jesus die Möglichkeit beschreibt, dass Salz seinen Geschmack verlieren kann. Der Geschmack kann im religiösen Sinn verloren gehen, wenn ein Christ seine Identität verliert, wenn er aufhört, Jesus nachzufolgen und sich von den Sakramenten, der Kirche und der kirchlichen Gemeinschaft distanziert. Um diese unglückliche Situation zu vermeiden, muss ein Jünger Jesu Christi zu Gott beten – er möge ihm stets einen lebendigen Glauben schenken und die Gnade, Gott und den Nächsten zu lieben, sich von materiellen Gütern zu lösen und den Armen und Bedürftigen zu helfen.
„Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14).
Jesus sagt von sich: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Daher bleibt Jesus das Urbild des Lichts, und wir Christen sind berufen, am Licht unseres Meisters teilzuhaben und sein Licht in der Welt widerzuspiegeln. Der Christ wird in erster Linie durch sein Lebensbeispiel zum Licht der Welt. Mit dem Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe leuchtet der Jünger Jesu in der Dunkelheit der Welt, in der wir täglich so viele negative Phänomene erleben, die wir als Dunkelheit bezeichnen können: Hass, Gewalt, Kriege, Hunger, Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Armut. In einer solchen in Dunkelheit gehüllten Welt wird der Christ durch sein privates und öffentliches Leben zu einem leuchtenden Zeugen Jesu Christi, das heißt seines Lichts. Dies lässt sich aus den Worten Jesu schließen, der uns aufruft, sichtbares Zeugnis abzulegen, das heißt: „Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus“ (Mt 5,14-15). Daher ist der Jünger Jesu zunächst dazu berufen, durch sein tugendhaftes Leben Zeugnis von seinem Glauben abzulegen und erst dann, wenn es nützlich und notwendig ist, den christlichen Glauben in Worten zu erklären. Es geht hier nicht um unsere eigene Selbstbezogenheit, sondern um die des Herrn Jesus, der uns lehrt: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen. “ (Mt 5,16).
Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, erfordert daher ein authentisches Zeugnis und konkretes Handeln. Auch die erste Lesung lenkt unsere Aufmerksamkeit auf diese Überlegung. Der Prophet Jesaja fragt hinsichtlich des wahren Fastens: „Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen?“ (Jes 58,7). Und sogleich fährt er fort: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot“ (Jes 58,8). Der Prophet sagt sodann: Wenn du „den Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag“ (Jes 58,10).
Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns diese Gedanken der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria anvertrauen, der Gesegneten unter den Frauen, damit jeder von uns und alle zusammen, dem Herrn in der einen heiligen, katholischen und apostolischen Kirche nachfolgen, immer mehr zum Salz der Erde und zum Licht der Welt werden (vgl. Mt 5,13–14). Amen.
