Predigt von Nuntius Eterovic am Hochfest der Jungfrau und Gottesmutter Maria - Neujahr

Apostolische Nuntiatur, 1. Januar 2024

(Num 6,22-27; Ps 67; Gal 4,4-6; Lk 2,16-21)

Hochfest der Jungfrau und Gottesmutter Maria
Welttag des Friedens
Neujahr


„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau“ (Gal 4,4).

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Mit dieser Anrufung beginnt jedes christliche Gebet. Jede Heilige Messe hebt an mit der Preisung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Auch die Eucharistiefeier am ersten Tag des Jahres 2024 beginnen wir im Namen des Vaters, aus dem alle Vaterschaft im Himmel wie auf Erden hervorgeht (vgl. Eph 3,15). Wir preisen den himmlischen Vater, weil er uns in der Fülle der Zeit Seinen Eingeborenen Sohn Jesus Christus gesandt hat, wie auch „den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater“ (Gal 4,6).

Bei diesem großen Heilswerk des dreieinen Gottes hat die selige Jungfrau Maria eine besondere Rolle eingenommen. Das sagt der heilige Paulus klar, wenn er schreibt: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4,4-5). Im Lukasevangelium wird die Begegnung der Hirten von Bethlehem mit der Familie von „Maria und Josef und dem Kind, das in der Krippe lag“, beschrieben (Lk 2,16). Die Bemerkung des Evangelisten: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19) lässt uns an die geistliche Mutterschaft Mariens denken, an der auch wir Christen teilhaben können, wenn wir das Wort Gottes in unsere Herzen aufnehmen und des den Nahen und Fernen verkünden. Diese Wahrheit unseres Glaubens wird gut im heutigen Tagesgebet zum Ausdruck gebracht, wo wir Gott, dem Vater, für das Geschenk der Mutterschaft Mariens danken, durch die der Erlöser der Welt das Licht der Welt erblickt hat. Der Fürsprache Unserer Lieben Frau vertrauen wir außerdem unsere geistlichen und materiellen Bedürfnisse an, damit der gute und barmherzige Gott sich unser erbarme und unsere Bitten annehme. „Barmherziger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt. Lass uns auch im neuen Jahr immer und überall die Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren, die uns den Urheber des Lebens geboren hat“. Die Kirche erkennt in diesem neugeborenen Kind, das in einer Krippe liegt, den Menschen und Gott „Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit“ (1.1. – Collecta - Tagesgebet).

2. Weltfriedenstag

Zu Beginn des Jahres des Herrn 2024 bitten wir um die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria vor allem für den Frieden in der Welt. Die katholische Kirche lädt wie üblich an diesem Neujahrstag Christen und alle Menschen guten Willens ein, den Weltfriedenstag zu begehen. Wir wissen, dass wahrer Frieden nicht nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt ist, sondern mit diesem Begriff meinen wir Wohlstand und Brüderlichkeit zwischen Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Nationen, die bereitwillig für den Aufbau einer harmonischeren, gerechteren und wohlhabenderen Welt arbeiten. Leider müssen wir feststellen, dass dieses Ideal von Frieden im weitesten Sinne eine Illusion zu sein scheint, wenn man bedenkt, dass es in unserer Welt weiterhin Gewalt, Terrorismus und Kriege gibt, wie zum Beispiel in Ukraine, wo die Aggression der Russischen Föderation schon fast zwei Jahre anhält. oder im Heiligen Land zwischen Israel und Palästina, der mit dem Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 gegen Zivilisten in Israel begann. Für den Frieden in diesen Ländern und auf der ganzen Welt vertrauen wir unser Gebet der seligen Jungfrau Maria, der Königin des Friedens, an.

An diesem 57. Weltfriedenstag lädt der Heilige Vater Franziskus alle Menschen ein, über das Thema Künstliche Intelligenz und Frieden nachzudenken. Dies betrifft nicht allein unsere Zukunft, sondern schon unsere Gegenwart. Künstliche Intelligenz bringt, wie jeder menschliche Fortschritt, erhebliche Vorteile mit sich, jedoch kann sie, wenn sie nicht gut und mit klaren ethischen und moralischen Kriterien betrieben wird, für den Menschen und die Schöpfung gefährlich werden. Und so schreibt Papst Franziskus: „Die bemerkenswerten Fortschritte in den neuen Informationstechnologien, insbesondere im digitalen Bereich, bergen daher erstaunliche Möglichkeiten und ernsthafte Risiken, mit schwerwiegenden Auswirkungen auf das Streben nach Gerechtigkeit und Harmonie zwischen den Völkern. Es müssen daher einige dringende Fragen gestellt werden. Was sind die mittel- und langfristigen Folgen der neuen digitalen Technologien? Und welche Auswirkungen werden sie auf das Leben der Einzelnen und der Gesellschaft, auf die internationale Stabilität und den Frieden haben?“ (Papst Franziskus, Botschaft 57. Weltfriedenstag, 1, 01.01.2024). Die Botschaft des Heiligen Vaters ist durchdacht und zur je eigenen Reflektion geeignet. Bei dieser Gelegenheit möchte ich nur auf die relevanten Themen hinweisen und dazu einladen, den Gesamttext zu lesen. Die Botschaft enthält acht Punkte: 1. Der Fortschritt von Wissenschaft und Technologie als Weg zum Frieden; 2. Die Zukunft der künstlichen Intelligenz zwischen Verheißung und Risiko; 3. Die Technologie der Zukunft: Maschinen, die selbst lernen; 4. Das Gespür für Grenzen im technokratischen Paradigma; 5. Brisante Themen für die Ethik; 6. Sollen wir Schwerter zu Pflugscharen machen? 7. Herausforderungen für die Bildung; 8. Herausforderungen für die Entwicklung des Völkerrechts. Das Papst hofft unter anderem, „dass diese Überlegungen dazu ermutigen, dafür zu sorgen, dass der Fortschritt bei der Entwicklung von Formen künstlicher Intelligenz letztlich der Sache der menschlichen Geschwisterlichkeit und des Friedens dient. Dies ist nicht die Verantwortung einiger weniger, sondern der gesamten Menschheitsfamilie. Der Friede ist nämlich die Frucht von Beziehungen, die den anderen in seiner unveräußerlichen Würde anerkennen und annehmen, sowie von Zusammenarbeit und Engagement bei der Suche nach der ganzheitlichen Entwicklung aller Menschen und aller Völker“ (a.a.O., ebd.).

3. Der Segen Gottes.

Wir schließen unsere Betrachtung, liebe Brüder und Schwestern, mit Blick auf die erste Lesung aus dem Buch Numeri, woraus wir den sogenannten aaronitischen Priestersegen hörten. Segen bedeutet, einen Menschen in eine Beziehung zu Gott zu bringen. Diese Beziehung ist grundlegend, denn sie dient als Grundlage jeder anderen Beziehung, sie leitet den Menschen in seinen Handlungen und bietet ihm den Sinn des Lebens. Im Alten Testament verleiht der Priestersegen dem gesamten auserwählten Volk den Namen Gottes und wünscht allen Israeliten viel Gutes. Es besteht aus drei Anrufungen, in denen der heilige Name YAHWE dreimal wiederholt wird. „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht auf dich strahlen und dir gnädig sein. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden“ (Num 6,22-26). Die Anrufung des Namens Gottes lässt uns Christen an die Heilige Dreifaltigkeit denken, deren Segen wir alle brauchen. Deshalb segne Euch der allmächtige Gott, der Vater, Sohn und Heilige Geist auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Mutter Jesu und unserer Mutter, heute und an jedem Tag des Jahres des Herrn 2024. Amen.

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