12 06 15 Grußwort von Nuntius Périsset zum 150jährigen Bestehen des St. Josefskrankenhauses Potsdam

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDF | Drucken | E-Mail



Grußwort
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
zum 150jährigen Bestehen des St. Josefs-Krankenhauses Potsdam



150 Jahre beharrliche Treue im Dienst der Kranken lassen ahnen, dass dahinter Menschen stehen, für die die Krankenpflege Ausdruck der Haltung der Nächstenliebe ist. Die Sorge für die Kranken ist in der Verkündigung Jesu ein vorzüglicher Weg zum Himmelreich, wie sein Wort in der Rede vom Weltgericht zeigt, wo er zur Begründung der Belohnung der Gerechten u. a. sagt: „Ich war krank, und ihr habt mich besucht“ (Mt 25, 36). In der Geschichte der Kirche gibt es zahlreiche Menschen und auch Gemeinschaften, die anderen darin zum Vorbild wurden.
 

Zu ihnen zählen die Borromäerinnen von Trier, die die Leitung des von der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Potsdam gegründeten St. Josefs-Krankenhauses übernahmen und bis zu ihrem Wegzug im 2004 innehatten. Darüber hinaus galt ihre Sorge  den Waisenkindern, der schulischen Bildung und der ambulanten Krankenpflege.
 

Zu diesen Gemeinschaften zählen auch die Alexianer, die seit rund 800 Jahren - in Deutschland zunächst den Rhein entlang - die Liebe zu den Menschen und die Achtung vor der Würde des Menschen ausstrahlten und heute mehrheitlicher Träger des St. Josefs-Krankenhauses sind. Der heilige Alexius, nach dem sich diese Brüdergemeinschaft benannt hat, gehört sowohl als Pfleger wie auch als Patient – als Diener seiner Gefährten auf der Pilgerschaft und dann als Obdachloser, der der Pflege bedarf – beiden Seiten an. Die Legende über ihn hebt zwei Merkmale seines Pflegedienstes hervor: Er betrachtet jeden Menschen als seinen Nächsten - nach dem Beispiel des barmherzigen Samariters im Gleichnis Jesu -, und er setzt das um in Taten der Nächstenliebe – entsprechend dem Wort des Apostels Johannes, des Apostels der Liebe, der schreibt: „Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1 Joh 3, 18).
 

Deshalb ist die Treue der Alexianer zu ihrem Charisma, die uns heute im St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam vor Augen steht, für uns alle und im Besonderen für die Gesellschaft im Land Brandenburg ein ständiger Ansporn zur Hellhörigkeit und Wachsamkeit gegenüber dem Anruf zur Nächstenliebe. Ist ein Krankenhaus wie St. Josef nicht ein fortwährendes Zeugnis für die Gegenwart Christi mitten unter uns, der vielen Menschen die Gesundheit schenkte, der aber auch das menschliche Leiden auf sich nahm, damit wir durch sein Kreuz zum ewigen Leben gelangen?
 

Das Geheimnis des Leidens wird durch die Gottes- und Menschenliebe beleuchtet. Während der 150 Jahre, die dieses Krankenhaus schon besteht, haben hier Tausende von Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern das vorgelebt und werden das auch weiter tun.
 

„Ad multos annos“ im Dienste der Pflege kranker Menschen! „Ad multos annos“ - als Dienst im Glanz der Liebe Gottes zu den Menschen – unter dem Schutz des heiligen Josef, der sich der Kranken als Patron annimmt.
 

Berlin, 19. März 2012, dem Hochfest des heiligen Josef
 

+ Jean-Claude Périsset
Apostolischer Nuntius