12 09 23 Grußwort von Nuntius Périsset zur Verabschiedung von S.E. Gerhard Ludwig Müller

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Grußwort
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
beim Festakt zur Verabschiedung von Erzbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller

Kolpinghaus in Regensburg, 23. September 2012



Sehr geehrter, lieber Herr Erzbischof Gerhard Ludwig,
sehr verehrte Gäste!

Als Vertreter des Papstes in Deutschland befinde ich mich heute in einer außergewöhnlichen Situation, da ich bei der Verabschiedung des bisherigen Bischofs von Regensburg einem Bischof für seine Verdienste im Dienste seines Bistums danke, der schon mein Oberer in der römischen Kurie ist – mit der Verantwortung, die Glaubenskongregation zu führen, deren Aufgabe es ist, „die Lehre über Glaube und Sitten auf dem ganzen katholischen Erdkreis zu fördern und zu schützen“ (Apostolische Konstitution „Pastor bonus“, Art. 48).

Lieber Erzbischof Gerhard Ludwig!

Dieses Zitat aus „Pastor bonus“ trifft sozusagen maßgeschneidert auf Sie zu – wie der mit Ihrem Amt verbundene bald zu erhaltene Kardinalspurpur –, weil Sie in Ihren theologischen Werken wie in der Ausübung des bischöflichen Amtes Glauben und Sitte beharrlich, kraftvoll und zeugenhaft gefördert und geschützt haben, ohne sich um den Zeitgeist zu kümmern oder – besser gesagt – in dem Bestreben, die Kirche vor einer Infizierung durch ihn zu bewahren.

Sie kommen aus dem Rhein/Main-Gebiet, und mit der Donau werden die deutschen Wasser erneut in den Tiber fließen. Die Quellen Ihrer theologischen Werke sind sicher die des Glaubens – des Glaubens, der nach dem Wort Anselms von Canterbury nach Einsicht sucht: „fides quaerens intellectum“ –, zu dem von Gott her die Gnade des Glaubens kommt. Aber Theologie konkret schließt auch den „intellectus quaerens fidem“ ein. Aus den verschiedenen menschlichen Quellen wird das Endziel erreicht und Gott besser erkannt, so dass er auch immer besser geliebt werden kann. Mit den vielen Flüssen der theologischen Strömungen in Deutschland sind Sie gut vertraut. Ob für diese auch gilt, was Forscher im Bereich der Geologie und der Hydrologie über die Donau sagen – dass ein Großteil ihres Wassers unterirdisch zum Rhein fließt – , können Sie als Theologe aus Deutschland besser beurteilen. An der Kongregation für die Glaubenslehre werden Sie viel schwierigere Strömungen aus der ganzen Welt zur Einheit des Glaubens zu führen haben. Dazu werden Ihnen zwei hochgeschätzte Einrichtungen zur Seite stehen: die Päpstliche Bibelkommission und die Internationale Theologische Kommission, der Sie früher selbst angehört haben. Ihre Erfahrung in dieser, wie schon ihre Mitgliedschaft in der Glaubenskongregation, haben Ihnen gleichsam das Kleid des Präfekten der Glaubenskongregation nach Maß – nach Ihrem Maß – anfertigen lassen.

Gottes Segen möge auf allem ruhen, was Sie im Bistum Regensburg und für die Kirche in Deutschland getan haben!

Gottes Segen möge auf allem ruhen, was Sie im Dienst der Universalkirche zu tun haben werden!