17 07 13 Grußwort von Nuntius Eterovic beim Empfang der Bundeskanzlerin für das Diplomatische Corps auf Schloss Meseberg

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Grußwort Seiner Exzellenz, 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović,
Apostolischer Nuntius und Doyen des Diplomatischen Korps, 
an Ihre Exzellenz, 
Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
beim Empfang für das Diplomatische Corps

Schloss Meseberg, 13. Juli 2017


 
Exzellenz!
Verehrte Frau Bundeskanzlerin!
 
Im Namen der Mitglieder des Diplomatischen Korps in der Bundesrepublik Deutschland freut es mich, Ihre Exzellenz sehr herzlich zu grüßen. In besonderer Weise tue ich dies im Namen der 39 Botschafterinnen und Botschafter, die erstmals an dieser jährlichen Begegnung teilnehmen. Danke für die freundliche Einladung zu diesem Sommerempfang auf Schloss Meseberg und vor allem Danke für die wertvollen Informationen, die Sie uns über die wichtigsten Tätigkeiten Ihrer Regierung gegeben haben, die sich durch bemerkenswerte Erfolge auszeichnet, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und in der ganzen Welt. 
 
Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, möchte ich lediglich einige Daten nennen, welche die Beständigkeit der deutschen Gesellschaft und eine gute wirtschaftliche Entwicklung zeigen. Im ersten Quartal des Jahres 2017 ist das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum letzten Quartal des Jahres 2016 um 0,6 % gestiegen. Nach den Arbeitsmarktdaten sank die Arbeitslosenquote im Juni 2017 auf 5,5 % und die der jungen Menschen unter 25 Jahren auf 4,8 % im Mai dieses Jahres. Deutschland nimmt auch weiterhin großzügig Flüchtlinge und Menschen auf, die besonders aufgrund von Krieg ihr Zuhause und ihre Länder verlassen mussten. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres erreichte die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge 101.029. Nach dem Terroranschlag von Berlin am 19. Dezember 2016 mit 12 Todesopfern und 55 zum Teil sehr schwer verletzten Menschen hat Deutschland die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, wie auch den Kampf gegen den Terrorismus, bei dem es einen wichtigen Beitrag im internationalen Kampf gegen diese Geißel leistete. 
 
Die Politik der Bundesrepublik Deutschland ist entschieden europäisch in der festen Entschlossenheit, das Ideal fortzusetzen, das der kürzlich verstorbene Bundeskanzler Helmut Kohl im Moment der deutschen Wiedervereinigung bekräftigt hat, nämlich das eines europäischen Deutschlands und nicht das eines deutschen Europas. In den gegenwärtigen Konflikten in der Europäischen Union setzt sich Ihre Regierung unermüdlich mittels des Dialogs mit den Repräsentanten aller Staaten dafür ein, angemessene Antworten auf die aktuellen Herausforderungen zu finden. Nach den Wahlen in Holland und in Frankreich scheint dieser Prozess eher geradliniger und viel versprechender zu sein. Bei diesem Bemühen ist es nötig, den freien Markt zu stärken, um das Wohlergehen aller Bewohner zu verbessern und die bekannten Differenzen zwischen den verschiedenen Mitgliedsländern zu vermindern. Zugleich ist wichtig, ein Europa des Geistes, eine europäische Identität in den vielschichtigen sozialen, kulturellen und religiösen Dimensionen zu fördern. Das ist nicht nur grundlegend, um die Eigenheit der europäischen Werte zu stärken, sondern auch, um den jungen Menschen bessere Ideale zu bieten, für die sie sich im sozialen und politischen Leben stärker einsetzen sollten. 
 
Auf internationaler Ebene nimmt Deutschland nach wie vor einen Platz in der ersten Reihe ein. Es genügt, an die Präsidentschaft der OSCE zu erinnern, die Deutschland im Jahr 2016 innehatte, wie auch an den G20-Gipfel, der am 7. und 8. Juli in Hamburg stattgefunden hat. In der neuen Situation von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und weltweit bleibt Deutschland aktiv, sei es in der Prävention möglicher Spannungen und Krisen, sei es bei der Suche nach Lösungen in den bestehenden Krisen wie in der Ukraine, in Georgien und in Nagorny-Karabach. Hervorzuheben ist auch die Teilnahme an den Friedensmissionen in verschiedenen Ländern mit 3.261 Mitgliedern der Streitkräfte und 262 Angehörigen der Polizei. Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Ihre Regierung setzt sich sehr für die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris (COP21) ein. Hierfür wird auch die Klimakonferenz der Vereinten Nationen sehr wichtig sein, die vom 6. – 17. November 2017 in Bonn stattfinden wird (COP23). Man muss den Kampf der deutschen Regierung gegen Armut und den Hunger in der Welt betonen. Besondere Anerkennung gebührt der sogenannten Marshallplan-Initiative mit Afrika, die unter dem Titel „Afrika und Europa – Eine neue Partnerschaft für Entwicklung und Frieden“ gerade den Ländern gilt, die sich für Reformen und den Respekt der Rechte und für Fortschritt einsetzen und zum Ziel hat, Wachstum, Stabilität, Sicherheit und Integration zu sichern, damit besonders den Jugendlichen eine Perspektive in ihren Heimatländern geboten werden kann. 
 
Im internationalen Kontext dienen der Bundesrepublik Deutschland zunehmend die Begegnungen mit zahlreichen Politikern in Deutschland und im Ausland. Unter den vielen Auslandsreisen seit unserer letzten Begegnung seien jene nach Brüssel (7) und nach Frankreich (4) nur am Rande erwähnt. Sie haben im Jahr 2016 besucht: Kirgisistan (13. und 14. Juli), Mongolei (15. und 16. Juli), Italien (22. August), Estland (24. und 25. August), Tschechien (25. August), Polen (26. August), die Volksrepublik China (4. und 5. September), Slowakei (16. September), Österreich (24. September), Mali, Niger, Äthiopien (9. bis 11. Oktober). Und im Jahr 2017: Luxemburg (12. Januar), Schweden (31. Januar), Türkei (2. Februar), Malta (2. und 3. Februar), Polen (7. Februar), Ägypten (2. März), Tunesien (3. März), die Vereinigten Staaten von Amerika (17. März), Italien (2) (24. und 25. März; 26. und 27. Mai), die Vatikanstadt (16. und 17. Juni), Saudi-Arabien (30. April), die Vereinigten Arabischen Emirate (1. Mai), Russland (2. Mai), Argentinien (8. Juni), Mexiko (9. und 10. Juni). 
 
Das Jahr 2017 ist in Deutschland durch Wahlen gekennzeichnet. Am 12. Februar 2017 hat die Bundesversammlung Herrn Frank-Walter Steinmeier zum Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland in der Nachfolger von Herrn Bundespräsidenten Joachim Gauck gewählt. Der Wechsel im Amt des Bundespräsidenten ist ein regulärer Prozess, der nach bewährter demokratischer Praxis und im Respekt vor den Regeln der Verfassung stattfindet. Diese Tatsache kann manchen Ländern als Beispiel dienen, in denen Politiker die Verfassungen verändern, um an der Macht bleiben zu können, ohne die sozialen und politischen Konsequenzen zu bedenken. Nacheinander erfolgten die Wahlen in den Bundesländern Saarland (26. März), Schleswig-Holstein (7. März) und Nordrhein-Westfalen (14. Mai). Am 24. September werden sodann die Bundestagswahlen stattfinden. In den Wahlkämpfen stehen sich auf demokratische und respektvolle Weise die verschiedenen Parteien gegenüber, darunter auch die beiden großen Parteien von CDU/CSU und SPD, die auf Bundesebene bisher eine große Koalition gebildet haben. Das bedeutet, daß es um des Gemeinwohls willen möglich ist, nach einem harten Wahlkampf in einer Regierung zusammen zu arbeiten. Auch das ist ein Beispiel für eine reife Demokratie, dem manche Länder in Europa und in der Welt durchaus folgen sollten. 
 
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, in der Hoffnung, daß die Regierung, der Sie vorstehen, bei den Anstrengungen, eine gerechtere, sichere und blühende Welt zu schaffen, erfolgreich sein möge, wünsche ich Ihrer Exzellenz, den Mitgliedern der Bundesregierung und allen Bewohnern in der Bundesrepublik Deutschland die Fülle der materiellen und geistlichen Güter und erbitte für alle den Segen des Allmächtigen.