17 09 13 Grußwort von Nuntius Eterovic auf der Informations- und Begegnungsreise des Bundespräsidenten für das Diplomatische Corps

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Grußwort Seiner Exzellenz, Erzbischof Nikola Eterović,
Doyen des Diplomatischen Corps
an Seine Exzellenz, Herrn Bundespräsidenten Dr. Frank-Walter Steinmeier 
auf der Informations- und Begegnungsreise mit dem Diplomatischen Corps 

Sachsen-Anhalt, 13. September 2017


 
Exzellenz, sehr verehrter Herr Bundespräsident Dr. Steinmeier!
Exzellenz, sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff!

Es ist mir eine Ehre, Ihnen, verehrter Herr Bundespräsident, im Namen der Mitglieder des Diplomatischen Korps in der Bundesrepublik Deutschland für die Einladung zu danken, mit Ihnen in das Bundesland Sachsen-Anhalt zu reisen. Zu der Freude über die Begegnung mit Ihnen kommt, daß wir als Kolleginnen und Kollegen gemeinsam in dem Land unterwegs sein dürfen, in dem wir alle unsere Mission erfüllen.

Mit dem Besuch in dem schönen mitteldeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt werden wir in eine geschichtlich, kulturell und wirtschaftlich bedeutsame Region Deutschlands geführt. Gerade in diesem Jahr macht das Land darauf aufmerksam, „Ursprungsland der Reformation“ zu sein. Am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther seine 95. Thesen an die Türen der Schlosskirche der Stadt Wittenberg geschlagen. Hier ist bis heute seine Grabstätte. 500 Jahre nach diesem Ereignis erinnern viele Stätten in diesem Bundesland an den Beginn und die Entwicklung der protestantischen Kirchen und Gemeinschaften. Sieht man jedoch auf die Religionszugehörigkeit in diesem Teil der Bundesrepublik Deutschland, so muss man feststellen, daß 80% der Bevölkerung keiner Religion mehr angehören. Etwa 16% gehören zu den Evangelischen Landeskirchen und 4% sind römisch-katholisch.

Nach der Vereinigung Deutschlands im Jahr 1990 erlebte dieses Bundesland mit Blick auf die Wirtschaft eine wechselvolle Geschichte mit schmerzvollen Einschnitten und Verlusten. Viele Menschen verloren ihre Arbeit und bangten um ihre Existenz. Von 1998 bis zum Jahr 2005 waren rund 22% der arbeitenden Bevölkerung ohne Beschäftigung. Seither jedoch entwickelte sich die Wirtschaft in den Regionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, von denen wir heute den Chemiepark Bitterfeld-Wolfen besuchen durften, so daß im Juli dieses Jahres die Arbeitslosenquote bei 8,3% lag. Im Bundesvergleich sinkt die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt beeindruckend am stärksten.

Wenn wir nunmehr im Wörlitzer Park diese beeindruckende Kulturlandschaft und mit dem Schloss eine UNESCO-Welterbestätte besuchen, wird uns allen ein Kontrastprogramm geboten, für das wir sehr dankbar sind. Zum Glück wurde dieses Ensemble nicht durch Krieg und Gleichgültigkeit zerstört, was leider die beiden größten Städte dieses Landes, Halle und Magdeburg, zu beklagen hatten. Hier und in vielen anderen Orten wurde in den letzten Jahrzehnten beachtliches geleitet. Und wenn wir Wittenberg sagen und an Martin Luther denken, so dürfen wir bei Halle an Georg Friedrich Händel oder Hans-Dietrich Genscher denken, die dort geboren wurden. Magdeburg, die Hauptstadt dieses verehrten Landes, war einst eine der größten und reichsten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und ein nicht nur wirtschaftliches, sondern auch kulturelles und religiöses Zentrum. In der Zeit als Erzbistum beanspruchte der Erzbischof von Magdeburg die Stellung als Primas Germaniae, was die hohe Bedeutung dieses mitteldeutschen Zentrums unterstreichen sollte. 

Wer die reichen Kunst- und Bauschätze dieses Landes sehen, wer die Verschiedenheit der wirtschaftlichen Tätigkeiten erfassen und wer die Schönheiten der unterschiedlichen Landschaften von den Höhen des Harz bis zu den Tälern der Flüsse erleben will, sollte all diese Eindrücke in sich aufnehmen und dabei ein Glas Wein dazu trinken. Seit 1.000 Jahren gibt es an der Saale-Unstrut eine ausgeprägte Weinkultur. Damit fällt es sehr leicht, auf das Wohl und die Gesundheit Seiner Exzellenz, des Herrn Bundespräsidenten zu trinken, aber auch auf das Wohl aller, die diese schöne Reise so vorbildlich vorbereitet und organisiert haben.