18 01 11 Grußwort von Nuntius Eterovic auf dem Neujahrsempfang des Bundespräsidenten für das Diplomatische Corps

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Grußadresse
des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović, 
Doyen des Diplomatischen Corps,
an den Herrn Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
Frank-Walter Steinmeier

Berlin, 11. Januar 2018
 

 
Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
 
Im Namen der Mitglieder des Diplomatischen Corps in der Bundesrepublik Deutschland habe ich die Ehre, Eurer Exzellenz von Herzen die besten Wünsche für das neue Jahr zu übermitteln. Über Sie möchte ich allen Bewohnern in Deutschland alles Gute wünschen. Es ist das erste Mal, dass die Damen und Herren Botschafter und Vertreter der internationalen Organisationen, die ihrer Mission in Deutschland folgen, Eurer Exzellenz als Bundespräsident im Schloss Bellevue begegnen. Unter den Botschafterkollegen gibt es vierzig (40), die erstmals an dieser Zeremonie teilnehmen und Eure Exzellenz in besonderer Weise grüßen. Gleichzeitig versichern sie, ihre Aufgabe gut zu versehen, die bilateralen Beziehungen zwischen ihren Ländern und Deutschland noch mehr zu vertiefen, sowie ihren Beitrag zu den multilateralen Beziehungen zu leisten, um den Frieden, die Freiheit und die Entwicklung in unserer Welt zu fördern, indem sie daran mitarbeiten, die Schöpfung zu schützen, „das gemeinsame Haus“ aller Menschen (Franziskus, Laudato si‘, 1). Viele von uns hatten im vergangenen Jahr die Gelegenheit, Ihrer Einladung zu einer Informations- und Begegnungsreise in das Bundesland Sachsen-Anhalt zu folgen, wo wir unter anderem die Lutherstadt Wittenberg im Zusammenhang mit dem 500jährigen Reformationsgedenken besucht haben. Für diese allgemein geschätzte Initiative danken wir sehr herzlich. 
 
Sehr geehrter Herr Bundespräsident, diese Begegnung erlaubt es, einen kurzen Blick zurück in das vergangene Jahr zu werfen, um uns dann auf Gegenwart und die Zukunft zu konzentrieren, die durch den gemeinsamen Einsatz für alle Menschen insbesondere von jenen, die große Verantwortung in der nationalen und internationalen Gemeinschaft tragen, immer besser werden möge.
 
Mit Blick auf die inländischen Ereignisse kann man das Jahr 2017 in einem gewissen Sinne als ein Wahljahr bezeichnen, das von verschiedenen politischen und institutionellen Wahlen gekennzeichnet war, die mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden. Zunächst sei an die Wahl Eurer Exzellenz zum Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland durch die Bundesversammlung und Ihre Amtsübernahme am 19. März 2017 erinnert. Sodann gab es Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen (14. Mai), dem Saarland (26. März), in Schleswig-Holstein (7. Mai) und in Niedersachsen (15. Oktober). Besonders wichtig war die Bundestagswahl am 24. September 2017. Die Verhandlungen zur Regierungsbildung verfolgen wir interessiert. Auch den Appell Eurer Exzellenz an die Verantwortung der Politiker haben wir wahrgenommen: „Ich erwarte von allen Gesprächsbereitschaft, um eine Regierungsbildung in absehbarer Zeit möglich zu machen. Wer sich in Wahlen um politische Verantwortung bewirbt, der darf sich nicht drücken, wenn man sie in Händen hält“ (20. November 2017). Eine stabile Regierung in Deutschland ist für die Europäische Union und die ganze Welt sehr wichtig. 
 
Im Lauf des vergangenen Jahres hat sich Deutschland wirtschaftlich weiterhin gut entwickelt. Um das zu zeigen, reichen einige statistische Indikatoren: im dritten Quartal 2017 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent im Vergleich zu 3,4 und 1 Prozent im ersten und zweiten Quartal 2017. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote auf 5,3 Prozent. Die Bewohner dieses Landes zeigen sich sehr großzügig. Nach Angaben des Deutschen Spendenrates wurden 3,1 Milliarden Euro für wohltätige Zwecke gespendet, wie die „Bilanz des Helfens“ ausweist. Der Verband teilt außerdem mit, dass sich diese Summe bis zum Ende des Jahres 2017 auf 5,5 Milliarden Euro erhöhen dürfte. 80 Prozent der Spenden kommen von Privatleuten, etwa 17,8 Millionen der Bevölkerung in Deutschland oder etwa 25 Prozent der Bewohner dieses Landes spenden. Der Gesamtbetrag schließt die Sammelaktionen, vor allem der katholischen und evangelischen und nicht konfessionellen Organisationen ein. 
 
Die Großzügigkeit der Bevölkerung und der staatlichen Institutionen zeigt sich auch in der Aufnahme von Flüchtlingen. Bis November 2017 waren es 207.157 Menschen. Es handelt sich um eine beträchtliche Anzahl, wenn man bedenkt, dass in den 28 Ländern der Europäischen Union einschließlich Deutschland von Januar bis Oktober 2017 eine Zahl von insgesamt 457.649 Flüchtlingen erreicht wurde. 
 
Mit Bezug auf die internationale Politik bleibt Deutschland in der Förderung des Friedens in der Welt aktiv. Leider sind zu den schon bestehenden Krisen wie im Mittleren Osten, in der Ukraine und in verschiedenen Ländern Afrikas noch weitere hinzugekommen, wie die von Nordkorea und kürzlich die des Status von Jerusalem, jener heiligen Stadt der monotheistischen Religionen von Juden, Christen und Muslimen. Die deutsche Bundesregierung unternimmt zahlreiche Friedensinitiativen weltweit, bei denen 3.766 Soldatinnen und Soldaten, sowie 242 Polizistinnen und Polizisten an 13 Standorten eingesetzt sind: Afghanistan, Kosovo, Südsudan, Sudan, Libanon, Mali, Senegal, Westsahara, am Horn von Afrika, Somalia, Mittlerer Osten, im Norden Iraks, bei der Operation Sophia und Maritime Sicherheitsoperation Sea Guardian im Mittelmeer. Der Friede ist die unverzichtbare Bedingung zur Entwicklung der Nationen, wie auch notwendige Voraussetzung zur Verminderung der Migrations- und Flüchtlingsströme. Aktuell gibt es weltweit 250 Millionen Migranten, von denen 22 Millionen Flüchtlinge sind (vgl. Papst Franziskus, Migranten und Flüchtlinge: Menschen auf der Suche nach Frieden, Botschaft zum Weltfriedenstag 2018).
 
In diesem Zusammenhang ist der Gipfel der Europäischen Union und der Afrikanischen Union zu erwähnen, der am 29. und 30. November in Abidjan, Elfenbeinküste, stattgefunden hat. Unter anderem wurden dort die Migrationsströme und der damit verbundene Menschenhandel besprochen. Die Vertreter der afrikanischen Staaten machten dabei klar, wenn die Zahl der Migranten abnehmen soll, müsse die Europäische Union auf dem afrikanischen Kontinent in Entwicklung, Arbeit und Sicherheit investieren. Diese Vorschläge könnte man in einer partnerschaftlichen Beziehung studieren und in der Umsetzung des sogenannten Marshallplans mit Afrika realisieren, einem vor allem von Deutschland befürworteten Projekt. 
 
Unter den Initiativen des Jahres 2017, die besondere Aufmerksamkeit verdienen, ist der G20-Gipfel in Hamburg vom 7. und 8. Juli ebenso zu erwähnen wie die Weltklimakonferenz COP 23 vom 17. bis 24. November in Bonn unter dem Vorsitz der Republik Fidschi. Dank einer guten Organisation und der aktiven Teilnahme der Vertreter der deutschen Regierung gestaltete sich der Fortgang der Arbeit positiv. Das lässt für die Konferenz in diesem Jahr vom 3. bis 14. Dezember im polnischen Katowice Gutes erhoffen. 
 
Sehr geehrter Herr Bundespräsident, am Beginn des Jahres 2018 sind wir vertrauensvoll, dass die Bundesrepublik Deutschland auch weiterhin eine wichtige Rolle innerhalb der Europäischen Union wie auch auf internationaler Ebene spielt, indem sie einen wichtigen Beitrag für den Aufbau einer gerechteren und friedvolleren Welt leistet. So möge sich die Distanz zwischen den reichen und armen Ländern vermindern und in allen Staaten, in den kleinen wie den großen, die Normen des Rechts gelten. Alle seien sich der ökologischen Verantwortung zum Schutz der Schöpfung bewusst. Mit diesen Gedanken wiederhole ich die guten Wünsche für Sie, Exzellenz, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und alle Menschen, die in Deutschland leben. Auf sie alle rufe ich den Segen des Allmächtigen herab, der Frieden, Wohlfahrt, Solidarität, Zusammenhalt und Geschwisterlichkeit mehren möge. 
 
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.