16 09 30 Grußwort von Nuntius Eterovic zur Eröffnung des Kongresses von Pax Christi International - deutsch

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Grußwort des Apostolischen Nuntius
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
zur Eröffnung des Weltkongresses des International Peace Bureau 

Disarm! For a Climate of Peace

Berlin, 30. September 2016
 


„Nichts ist verloren durch den Frieden, alles kann verloren werden durch den Krieg“
(Radioappell von Papst Pius XII. an die Regierungen und Völker zur Verhinderung eines Krieges, 24. August 1939). 
 
Verehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer!
 
Es gibt zahlreiche klare Worte gegen den Krieg, die gerade zu den tragischen Kriegen des letzten Jahrhunderts und in unseren Tagen von den Päpsten eindringlich gerade an die Mächtigen der Welt gerichtet waren und sind. Sie haben selten zu der Einsicht geführt, daß Krieg kein Problem der Welt zu lösen imstande ist und eine Entwaffnung weltweit dem gesunden Menschenverstand entspricht. Dies hat Papst Pius XII. am Vorabend der Tragödie des Zweiten Weltkrieges deutlich gemacht. Diese Haltung haben alle Päpste des 20. und 21. Jahrhunderts geteilt. In der Förderung des Friedens und gegen das militärische Wettrüsten ist der Heilige Stuhl seit langer Zeit innerhalb der internationalen Gemeinschaft engagiert. Wie würde die Menschheitsfamilie aufatmen können, würden die Waffenarsenale verschwinden und für immer geächtet werden? Diesen Traum hat schon der Prophet Jesaja als ein endzeitliches Bild gezeichnet, wenn er schreibt: „Wolf und Lamm weiden zusammen, der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg, spricht der Herr“ (Jes 65,25). Die irdische Wirklichkeit sieht anders aus, das himmlische Jerusalem scheint in weiter Ferne. Es genügt, wenn wir an Syrien und den Mittleren Osten denken.
 
In unseren Tagen sind nicht nur die Waffen eine Bedrohung, sondern wiederum sind es Ideologien, die rings um den Globus am Anfang von Gewalt stehen. Besonders tragisch ist es, wenn religiöse Motive als Grund für Terror und Gewalt angegeben werden. Wieviel Angst und Kleinglaube kommt darin zum Ausdruck und wird zur Qual für die Menschheitsfamilie, die eins ist in der Verschiedenheit – auch der Religionen? Eine Entwaffnung würde bedeuten, umzukehren und vom bösen Tun abzulassen. Universale Bedeutung und Gültigkeit hat hier das dritte der Gebote, die Gott seinem erwählten Volk offenbart hat und allen Menschen guten Willens anvertraut: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen“ (Ex 20,7).  
 
Im Namen des Heiligen Vaters Franziskus, den ich die Ehre habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, grüße ich alle, die an diesem Kongress des International Peace Bureau teilnehmen, herzlich und ermuntere Sie, alle Anstrengungen mitzutragen, die den Klimawandel des Friedens fördern. Der Papst, der Bischof von Rom und Hirte der Universalkirche, setzt sich unermüdlich dafür ein, dass Gewalt, Terror und Krieg überall auf dieser geschundenen Erde ein Ende finden. Werdet also Botschafterinnen und Botschafter des Friedens in einer zerrissenen Welt und Menschheit, die darauf wartet, die Schritte der Boten zu hören, die den Frieden verkünden (vgl. Jes 52.7) und gleichzeitig praktische Schritte unternehmen, ihn zu halten. 
 
„Wir müssen uns stärker bewusst machen, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind. Es gibt keine politischen oder sozialen Grenzen und Barrieren, die uns erlauben, uns zu isolieren, und aus ebendiesem Grund auch keinen Raum für die Globalisierung der Gleichgültigkeit“ (Franziskus, Laudato Si‘, 52). Am 20. September hat der Heilige Vater Franziskus die Führer der Religionen der Welt nach Assisi eingeladen. Es wurde der ersten Begegnung in Assisi vor 30 Jahren gedacht, die von Papst Johannes Paul II. einberufen worden war. Nun haben bei dieser erneuten Versammlung unter Vorsitz von Papst Franziskus die Vertreter der Religionen um Frieden gebetet und haben sich für die Förderung des Friedens in der Welt eingesetzt. Der Friede ist der Name Gottes. Daher befinden sich alle, die sich für einen gerechten Frieden engagieren, auf einem guten Weg. 
 
Ich wünsche diesem Kongress einen guten Verlauf und daß er reiche Frucht bringe. Dafür segne ich Sie! Der Friede sei mit euch allen! (vgl. Joh 20,19).