17 03 06 Grußwort von Nuntius Eterovic zur Eröffnung der Frühjahrsvollversammlung der DBK in Bensberg

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Grußwort des Apostolischen Nuntius,
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
an die Deutsche Bischofskonferenz
auf der Frühjahrsvollversammlung

Bensberg, Kardinal-Schulte-Haus, 6. März 2017
 

 
„Man brachte auch kleine Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Als die Jünger das sahen, wiesen sie die Leute schroff ab. 
Jesus aber rief die Kinder zu sich und sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Lk 18, 15-17).
 
Eminenzen, Exzellenzen, liebe Mitbrüder im Bischofsamt!
 
Schon immer hat sich die Kirche in besonderer Weise um die Kinder und Jugendlichen gesorgt. Die Weitergabe des Glaubens an die junge Generation ist eine ihrer grundlegenden Aufgaben. Daher kommt der Teilnahme der Jugend am kirchlichen Leben große Bedeutung zu, an den Sonn- und Feiertagsmessen und an den vorgesehenen Katechesen insbesondere vor dem Empfang der Sakramente, am Religionsunterricht, am kulturellen, sozialen und caritativen Leben der Pfarreien und Verbände oder allgemein der kirchlichen Gemeinschaft. Primäre Bedeutung hat die Erziehung der Jugend in den christlichen Familien, in den Pfarrgemeinden, den Schulen und katholischen Verbänden. 
 
Mir ist der große Einsatz der Ortskirchen in der Bundesrepublik Deutschland für die Jugendlichen bekannt, mit einigen ermutigenden Ergebnissen zum Beispiel in der Ministranten-Arbeit, den Chören oder dem Feld der Volontariate und Freiwilligendienste. Diese positiven Beispiele sollten die pastoralen Mitarbeiter ermutigen, die Jugend noch mehr in das Leben der Kirche einzubinden, angefangen bei der Eucharistie des Sonntags. 
 
Auch auf der Ebene der Weltkirche haben die jungen Menschen höchste pastorale Priorität. Hierzu möchte ich die folgenden drei Initiativen aufzeigen: 
 
1. Weltjugendtag.
 
Der glücklichen Intuition des Heiligen Johannes Pauls II. verdanken wir die Weltjugendtage, die seit ihrem Beginn im Jahr 1986 bereit XXXI. (14) mal stattgefunden haben. Mittlerweile hat sich die Praxis herausgebildet, daß man in der Vorbereitung der Weltjugendtage, die mittlerweile alle drei Jahre gefeiert werden, jährlich am Palmsonntag die Diözesanjugendtage begeht. Der Heilige Vater gibt ein Beispiel, wenn er am Palmsonntag der feierlichen Liturgie mit vielen mitfeiernden Jugendlichen aus der Diözese Rom und verschiedenen Ländern der Welt auf dem Petersplatz vorsteht.
 
Es ist bekannt, daß der letzte Weltjugendtag vom 26. bis 31. Juli 2016 im polnischen Krakau stattfand. Am Ende der festlichen Eucharistiefeier hat der Heilige Vater Franziskus angekündigt, daß der XXXIV. (15) Weltjugendtag vom 22. bis 27. Januar 2019 in Panama stattfinden wird und unter dem Thema steht: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38). Papst Franziskus hat für die kommenden zwei Jahre, die der Vorbereitung auf die Teilnahme am Weltjugendtag in Panama dienen sollen, ebenfalls Themen vorgegeben. So hat der Bischof von Rom für den Diözesanjugendtag am 09. April 2017 das Thema gewählt: „Denn der Mächtige hat Großes an mir getan“ (Lk 1,49) und für den 25. März 2018: „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden“ (Lk 1,30). Wie man sieht, sind die Themen der kommenden drei Jugendtage, die zwei Diözesanjugendtage und der Weltjugendtag, marianisch geprägt. Der Heilige Vater ermuntert die Jugendlichen, ihre christliche Berufung zu entdecken und nach dem Beispiel der seligen Jungfrau Maria, der Mutter Jesu und Mutter der Kirche, zu leben. 
 
Es ist ermutigend, daß auch in Deutschland die diözesanen Jugendtage immer besser organisiert werden und immer mehr Jugendliche daran teilnehmen. In einigen Diözesen sind Jugendbewegungen im Zusammenhang mit den Weltjugendtagen entstanden. Es fehlen auch nicht die Berufungen zum Priestertum oder zum Ordensleben bei den dafür offenen Jugendlichen, die an den Weltjugendtagen oder den diözesanen Veranstaltungen teilgenommen haben. Für die vielfältigen geistlichen Früchte danken wir dem dreieinen Gott. 
 
2. Die Synode der Bischöfe.
 
Der Heilige Vater hat das Votum des ordentlichen Rats des Generalsekretariates der Bischofssynode aufgegriffen und für die kommende XV. ordentliche Generalversammlung der Synode der Bischöfe das Thema gewählt: Die Jugend, der Glaube und die Berufungsentscheidung. Die Synodenversammlung wird im Oktober 2018 zusammenkommen. Am 13. Januar 2017 wurde das Vorbereitungsdokument veröffentlicht, die Lineamenta. Sie haben zum Ziel, die Diskussion auf Ebene der Ortskirchen zum genannten Thema für die synodalen Überlegungen zu fördern. Ohne in die Einzelheiten zu gehen, haben die erwähnten Lineamenta drei Teile: 1. Die Jugendlichen in der Welt von heute; 2. Glaube, Unterscheidung, Berufung; 3. Die pastorale Tätigkeit. Wie gewöhnlich gibt es am Ende des Dokumentes einen Fragebogen, der die Überlegungen erleichtern und den Ortskirchen und Bischofskonferenzen helfen soll, ihre Beiträge auf organische Weise zusammenzufassen. In den Lineamenta sind mit Jugendlichen diejenigen Personen zwischen dem 16. und 29. Lebensjahr gemeint.  
 
Der Heilige Vater hat aus Anlass der Präsentation der Lineamenta einen Brief an die jungen Menschen gerichtet. Hierin schreibt Papst Franziskus unter anderem: „Habt keine Angst, auf den Geist zu hören, der Euch zu mutigen Entscheidungen drängt, bleibt nicht stehen, wenn das Gewissen Euch einlädt, ein Risiko einzugehen, um dem Herrn zu folgen. Auch die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik. Lasst Euren Schrei hören, lasst ihn in den Gemeinschaften erschallen und bis zu den Hirten gelangen“.
 
3. Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis – 
  Grundordnung für die Ausbildung der Priester.
 
Auf der Tagesordnung dieser Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist auch das Thema der Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis vorgesehen, die nach gewissenhafter Vorbereitung am 08. Dezember 2016 von der Kongregation für den Klerus veröffentlicht worden war. Hierin wird ausführlich über die Bedeutung der Unterscheidung gesprochen. Auch die Lineamenta schenken der Unterscheidung der Berufung zum christlichen Leben in den drei Lebensformen von Ehe, Priesterweihe und Ordensleben besondere Aufmerksamkeit. Mit Bezug auf das Apostolische Schreiben des Heiligen Vaters Franziskus Evangelii gaudium (51) schlagen die erwähnten Lineamenta für den Prozess der Unterscheidung einen Weg in drei Etappen vor, der mit drei Verben überschrieben wird: erkennen, interpretieren, wählen. Die Unterscheidung ist ein klassischer Begriff der Tradition der Kirche, der auf verschiedene persönliche und kirchliche Situationen Anwendung findet. „So gibt es die Unterscheidung der Zeichen der Zeit, die darauf ausgerichtet ist, die Gegenwart und das Wirken des Geistes in der Geschichte zu erkennen; die moralische Unterscheidung, welche Gut und Böse unterscheidet; die geistliche Unterscheidung, der es darum geht, die Versuchung zu erkennen, um sie zurückweisen und auf dem Weg zur Fülle des Lebens weitergehen zu können. Die Zusammenhänge zwischen diesen verschiedenen Ausdrucksformen sind klar und sie können nie völlig aufgelöst werden“ (Lineamenta II, 2). 
 
Unter den vielen Bezügen auf die Unterscheidung in der genannten Ratio Fundamentalis scheint es angebracht, auf folgende zwei Aspekte hinzuweisen: „Die  Kirche hat die  Sendung,  «sich  um  das  Entstehen,  das Erkennen  und  die Begleitung  von  Berufungen,  insbesondere  der  Berufungen  zum  Priestertum,  zu kümmern»“ (Nr. 13). Mit Blick auf die Kandidaten zum Priestertum heißt es: „Der Akt der Eignungsprüfung eines Kandidaten wird „Skrutinium“ genannt. Es muss  anlässlich  einiger Abschnitte,  näherhin  fünf,  auf  dem  Weg  der Priesterausbildung durchgeführt werden: vor der Aufnahme unter die Weihekandidaten, vor der Übertragung der Dienste  (des  Lektors  und des  Akolythen), vor der  Weihe zum Diakon und vor der Weihe zum Priester. Diese Skrutinien sind nicht bloße bürokratische und formale Akte unter Verwendung standardisierter und allgemeiner Formulierungen. Es handelt sich vielmehr um die maßgeblichen Beurteilungen der Berufung einer konkreten Person und ihrer Entwicklung durch die, die dazu durch Auftrag und im Namen der Kirche bestimmt sind“ (Nr. 204). 
 
Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst, Jesus Christus richtet auch an uns heute die Aufforderung: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes“ (Lk 18,16). In Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater Franziskus, dem Bischof von Rom und Hirten der Universalkirche, nehmen wir diesen Ruf an, wenn wir alles in unserer Macht Stehende tun, um den Jugendlichen die Begegnung mit Jesus Christus auf persönlicher Ebene und als Glieder der kirchlichen Gemeinschaft zu erleichtern. Denn nur der Herr „ist der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) für alle Menschen, vor allem für die Jugendlichen, welche die Hoffnung der Kirche und der Welt sind.