13 05 11 Predigt von Nuntius Périsset im Pontifikalamt zur Nardini-Wallfahrt in Pirmasens

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Predigt
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
im Pontifikalamt zum Fest des Seligen Paul Josef Nardini

Pirmasens, 11. Mai 2013



„Paul Josef Nardini, bleib uns Menschen zugewandt,
reich uns helfend deine Hand.“
 

Lieber Herr Pfarrer,
liebe Brüder und Schwestern der Pfarrgemeinde St. Pirmin in Pirmasens,
liebe Christen!
 

Dieser erste Satz des Liedes von Otto Georgens für die Seligsprechung von Paul Josef Nardini im Hohen Dom zu Speyer am 22. Oktober 2006 fasst seine Bedeutung für uns zusammen, entsprechend seinem Engagement für den Nächsten, in seinem priesterlichen Leben, besonders als Pfarrer von Pirmasens, einer Diasporapfarrei mit 22 Außenstellen, während elf Jahren bis zu seinem Tod. Die Veranstaltungen zum 150. Todestag des Seligen letztes Jahr haben Ihnen genug seine Laufbahn, seine Werke - besonders die Gründung der Schwesterngemeinschaft „Arme Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“, mit Hauptzentrum in Mallersdorf, so dass man sie kurz und bündig „Mallersdorfer Schwestern“ nennt, vermittelt. Alles das ist Ihnen bekannt! Mir ist es aber als Prediger lieber, das Geheimnis seines Wirkens etwas zu enthüllen, um Ihnen drei Schlüssel zu geben, mit denen Sie vom gleichen Schatz der Heiligkeit schöpfen können. Sie werden wohl wissen, dass die Hauptphase eines Selig- und Heiligsprechungsprozesses die Anerkennung des Hauptgrades der Tugenden (heroischer Grad der Tugenden) beim betreffenden Seligen durch ein Dekret des Papstes anerkannt wird, als Bestätigung einer langen Untersuchung bei Zeugen - und immer im Leben und in den Schriften. Der sogenannte Postulator sammelt mit Hilfe vieler Mitarbeiter solche Zeugnisse, um dann ordnungsgemäß einen möglichst vollständigen Bericht über die Tugenden der zuständigen Kongregation für die Heiligen vorzustellen.

Nehmen wir heute die drei göttlichen Tugenden - Glaube, Hoffnung und Liebe, um ein geistliches Porträt des Seligen Paul Josef zu zeichnen. Diese drei sind göttlich, weil sie die moralischen Tugenden unserer menschlichen Natur vergöttlichen, oder besser gesagt, Mithelferinnen unseres Benehmens „wie im Himmel so auf Erden“ sind. Es sind vier solcher Grundtugenden: Vorsicht, Gerechtigkeit, Kraft und Mäßigkeit (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Zucht und Maß).  Die Theologen zählen aber bis zu fünfzig Moraltugenden, bei denen die Demut eine Hauptrolle hat. In allen diesen soll ein Vorbild in der Kirche herausragend sein, wie es für den Seligen Paul Josef am 29. Dezember 2005 bei Papst Benedikt XVI. festgestellt wurde, so dass die Seligsprechung im Hohen Dom zu Speyer am 22. Oktober 2006 stattfinden konnte.

1. Im Glauben hat Paul Josef Nardini die Gegenwart Gottes bezeugt, als liebevoller Vater, der sich um uns kümmert. Für ihn gilt, was der Hebräerbrief von Mose sagt, dass er im Exodus mit dem auserwählten Volk „so mutig ausharrte, als sähe er den Unsichtbaren“ (Hebr 11,27). Jeder Selige und Heilige handelt in gleicher Weise, weil der Glaube das Fundament seines Lebens für Gott und für den Nächsten ist. Bei den Beisetzungsfeierlichkeiten von Nardini hatte schon der Bischof Domkapitular Wilhelm Molitor bestätigt: „Das war sein Leben: Glauben, tief im Wissen begründeter Glaube, hochbegeisterter Glaube.“ (S. 87) In der Gründung der Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen inmitten vieler Sorgen konnte er sein Projekt durchsetzen, weil er sicher war, dazu den Segen Gottes zu haben. So schreibt er am 02. August 1855 seinem Bischof: „Jeden Tag tut derjenige, der alle Geschöpfe erhält, seine milde Hand zum Segen auf; denn anders kann ich nicht denken; ich bin es nicht, ich werde nur wie in einem gewaltigen Strom mitgerissen und muss als schwaches und unwürdiges Werkzeug dienen.“ (S. 80). Der Apostel Paulus hatte nichts anderes von sich selber gesagt, als er den Korinthern schreibt: „Sehr gern will ich mich also umso mehr meiner Schwachheiten rühmen, auf dass die Kraft Christi sich auf mich niederlasse…: denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2 Kor 12,9f) Ja! Als ob er den Unsichtbaren sähe!

2. Mit dem Glauben ist die Hoffnung eng verbunden, als treibende Kraft für das Wirken. In seiner Zeit - wie auch in allen Zeiten der menschlichen Geschichte - war das Elend groß, so dass Nardini gezwungen wurde, eine eigene Ordensgemeinschaft zu gründen, weil nach neuen staatlichen Gesetzen die Niederbronner Schwestern - tätig für Waisenkinder und die armen Kinder der Pfarre - das Land verlassen mussten, denn ihr Mutterhaus lag im Elsaß. Der Ausweisungsbefehl wurde aber nach mühsamen Schritten durch Nardini zurückgenommen. Nardini wollte aber nicht mehr von solchen politischen Angelegenheiten abhängen. Deswegen ließ er zwei junge Frauen, Barbara Schwarz aus Seinsheim und Juliana Michel aus Deidesheim zur Bildung ins Haus der Schwestern einziehen, ohne auf die Rückmeldung der Generaloberin zu warten. Diese war damit nicht einverstanden und ließ ihre drei verbliebenen Schwestern nach Niederbronn zurückkommen. Die Gründung der Gemeinschaft der Armen Franziskanerinnen am 02. März 1855 mit den beiden Frauen - jetzt Schwester Agatha und Schwester Aloysia - bezeugt gerade, was der Apostel Paulus von Abraham - dem Vater der Gläubigen - sagt: „Er hat gegen alle Hoffnung hoffend geglaubt (weil der noch keine Nachkommenschaft hatte), dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: ‚So wird dein Same sein.‘“ (Hebr 4,18) Hürden wurden von staatlicher Seite erhoben, und sobald diese überwunden sind, kommen Hürden von kirchlicher Seite. Der Pfarrer Nardini hat trotzdem mit der Gnade Gottes „gegen alle Hoffnung hoffend geglaubt“ (vgl. S. 79).

3. All das - Glaube und Hoffnung - geschieht, damit die Liebe ihren ersten und ewigen Platz in seinem Leben und im Leben seiner Pfarrei und in den Herzen der Armen hat. Der kleine Same, nach dem Gleichnis Christi vom Senfkorn „das kleinste von allen Samenkörnern“ wurde „größer als alle Kräuter und trieb große Zweige, so dass unter seinem Schatten die Vögel des Himmels wohnen können“ (Mk 4,32).  Es wächst - ist Werk Gottes, „ohne dass der Sämann selbst davon weiß“ (Mk 4,27), d.h. durch die Liebe Gottes. Die Liebe ist wie das Feuer: je mehr sie angenommen wird, je größer wird sie, und deshalb, desto mehr lässt sie alles in sich wandeln. Nicht ohne Grund ist gesagt, dass der Selige Nardini „eine starke Ausstrahlung auf die Menschen hatte“ (S. 82). Seine Liebe zu den Armen war so groß, dass er ihnen alles nötige gab. Die Chronik des Schwesternhauses in Pirmasens erzählt folgendes: einmal klopfte Pfarrer Nardini an der Schwesterntür an, hungrig und erschöpft, und bat um etwas zu essen, weil er nichts mehr im Pfarrhaus hatte. Die armen Schwestern „konnten ihm nur ein paar schlechte Kartoffeln vorsetzen, die sie für die Haustiere gekocht hatten. Nardini war damit zufrieden“ (S. 82).

So sind die Heiligen, im vollen Einklang mit der Mahnung des Apostels Johannes in seinem ersten Brief: „Wir wollen nicht mit Worten lieben und mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.“ (1 Joh 3,18)

Das bezeugen wir in unserem Loblied: „Christi Liebe drängte dich, formt dein Leben priesterlich.“

In ihm, Priester und Pfarrer in Pirmasens, gilt, was ein anderer Seliger, Antoine Chevrier, Gründer der Priestergemeinschaft „Le Prado“ in Lyon, in den gleichen Jahren wie Paul Josef Nardini in Pirmasens, sagte: „Der Priester ist ein besitzloser, gekreuzigter, verzehrter Mensch.“

Ja! Die Seligen sind uns Vorbilder in der Ausübung der Tugenden, dank der Gnade Gottes.
 

Amen!