13 05 09 Predigt von Nuntius Périsset zur Eröffnung der Lutwinuswallfahrt in Mettlach

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Predigt
des Apostolischen Nuntius,
Erzbischof Jean-Claude Périsset, 
im Pontifikalamt zur Eröffnung der Wallfahrt zum Heiligen Lutwinus

Mettlach am Hochfest Christi Himmelfahrt, 9. Mai 2013



„Ewiger Gott, …. schenke uns das feste Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist.“
(Tagesgebet)

Sehr geehrter Herr Pfarrer,
liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt,
Brüder und Schwestern im Glauben!

Ja! Weil wir den Glauben in Christus haben, den wir als unseren Erlöser und Wegweiser zur Herrlichkeit erkennen, sind wir heute zur Eröffnung der Wallfahrt zum Heiligen Lutwinus gekommen. Unser Glaube und sein Glaube sind der gleiche Glaube; was er im 7. Jahrhundert erlebt und gemacht, das wollen wir heute gleichermaßen tun, obwohl nicht unter den gleichen Umständen. Die Heiligen sind uns nicht nur Vorbilder, sondern auch Wegweiser in der Nachfolge Christi, weil sie dem Anruf Christi nachgefolgt sind. Wir wollen wissen, was das für sie und für uns bedeutet: „Wenn einer mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16,24) Der Weg zur Herrlichkeit geht über das Kreuz, mit Verleugnung „seiner selbst“, mit Demut. Im Heiligen Lutwinus haben wir das besondere Zeugnis solcher Haltung, so dass wir nach seinem Beispiel auf dem Weg der Herrlichkeit, der Heiligkeit, Ansporn finden.

1. In der zweiten Lesung, aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser, finden wir eine wichtige Ermahnung, wie wir diesen Weg wählen und gehen können: „im Geist der Weisheit und Offenbarung“ verstehen wir, zu welcher Hoffnung wir in und durch Christus gerufen sind (vgl. Eph 1,17-18). Weisheit und Offenbarung hatte der Heilige Lutwinus empfangen, als er nach dem Tod seiner Gattin seine weltliche Verantwortung abgegeben hat, um sich als Mönch Gott zu weihen. Wie Jesus selber nach dem Anruf, ihm nachzufolgen, sagt: „Was wird es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben verliert?“ (Mt 16,26) Mit Recht singen wir deshalb im Lutwinuslied: „Der Du Kron‘ und Fürstenkleid tauschst gen Buß und Einsamkeit“, um seine Fürsprache zu erlangen. Es geht hier um die Demut, die nur im Licht der Gabe der Weisheit verstanden wird. Wenn Sie einmal das Bonner Münster besuchen, gehen Sie hoch in den Chor - leider ist er normalerweise für Besucher geschlossen. Auf dem Mosaikboden sind die Tugenden mit Namen dargestellt: horizontal die drei göttlichen: Glaube, Hoffnung und Liebe und vertikal die Moraltugenden, deren fünfte - normalerweise zählt man nur vier - die Demut ist, als Krönung dieser Moraltugenden, weil sie zu allen nötig ist, damit sie wahre Tugenden seien. Deshalb scheint es mir vorbildhaft, wie beim Heiligen Lutwinus die Demut leuchtet, sogar nach seinem Tod, wie die Legende von der Überführung seiner Gebeine von Reims erzählt, die über die Mosel nicht nach Trier in die Bischofsstadt kommen sollten, sondern nach Mettlach: „Bald nun trieb das Schiff, einzig durch die lebendige Tugendkraft des Bischofs bewegt, in dem Bette der Mosel gegen den Strom und trat unter Begleitung der Volksscharen …. in den Fluss Saar.“ (Legende) Das wurde als Wunsch des Heiligen verstanden, lieber am demütigen Ort seines Klosters als im prachtvollen Trier begraben zu sein. Dieses Wunder ermöglicht unsere heutige Wallfahrt, bei der wir die Gebeine des Lutwinus erheben als Zeugnis seiner Nachfolge Christi. Ja! Wie im Tagesgebet angedeutet, ist er zur Herrlichkeit gelangt, und wir werden angespornt, den gleichen Weg in Demut und Weisheit zu gehen.

2. Wir feiern diese Lutwinus-Wallfahrt im Jahr des Glaubens. Deshalb sind wir gerufen, über den Glauben nachzudenken. Wie wichtig ist mir der Glaube, damit ich als Jünger Christi lebe? Was tue ich, um im Glauben zu wachsen? Im Gebet zum Jahr des Glaubens unseres vorigen Bischofs, Reinhard Kardinal Marx, lässt er uns von Christus folgendes erlangen: „Du sagst ‚Hab‘ keine Furcht! Glaube nur!‘ Du tröstest und ermutigst uns, wenn unser Glaube klein und schwach ist wie ein Senfkorn.“ (Gebet zum Jahr des Glaubens)
Das bedeutet, dass uns Demut und Weisheit wie beim Heiligen Lutwinus ermöglichen, als Bettler vor Gott zu stehen. Obwohl er als Mönch unbekannt im Kloster zu leben wünschte, wollte Gott ihn in einer anderen Art und Weise erheben; er war kein Adeliger mehr nach menschlichem Maß, aber Gott machte ihn adelig im Gottesreich. Die Legende erklärt das so: „Obgleich er in dem Mönchskleide wie ein Ruhmloser lebte …. so litt der höhere Walter doch nicht, dass eine Leuchte von solcher Helligkeit durch den Scheffel der Dunkelheit bedeckt bleibe, sondern er beschloss, sie höher auf den Leuchter der Kirche zu stellen.“ (Legende)

Durch viele Wunder wurde Lutwinus bekannt und bald gerufen, Bischof von Trier und nachher von Reims und Laon zu werden. Dank seiner Festigkeit im Glauben, ja, wirklich, aus dem Senfkorn heraus immer mehr gewachsen, konnte Lutwinus die Kraft der Frohbotschaft bezeugen, wie Jesus nach dem Vergleich des Glaubens mit dem Senfkorn hinzufügte: „Wenn ihr glauben hättet wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Berg da sprechen: ‚Rücke von hier weg dorthin, und er würde wegrücken, und nichts würde euch unmöglich sein.“ (Mt 17,20)

Die Legende sagt auch in dieser Beziehung über Lutwinus, der von Boten aus Laon zu einer Weihe gerufen wurde als er gerade eine Weihe in Reims erteilte, dass er ihnen die Gnade nicht vorenthalten wollte: „Der ewige Walter erhörte sogleich die Reinheit seines Gebetes und das Gesetz der Sonne ändernd, verlängerte er den Tag um so viel, dass Lutwinus …. noch nach Laon reisen konnte, um dort zur rechten Zeit gleichfalls noch den Dienst zu halten.“ (Legende)

3. Legenden sind sicher nicht zu vergleichen mit der Heiligen Schrift; sie bezeugen aber, dass die Verheißungen Christi immer wieder ihre Verwirklichung erhalten, je nach den konkreten Lebensbedingungen seiner Jünger.  Deshalb ist es uns heute wichtig, am Hochfest Christi Himmelfahrt, sein Versprechen an die Apostel ernst und mit Glauben anzunehmen: „Ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden.“ (Lk 24,49) Wir wissen, dass diese verheißene Gabe der Heilige Geist ist, wie Christus den Aposteln sagte: „Der Helfer aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14,26)

Deshalb scheint es mir gut, die Wallfahrt zum Heiligen Lutwinus in der Periode vor Pfingsten zu halten, damit wir unter dem Licht und der Kraft des Heiligen Geistes und auf die Fürsprache des Heiligen Bischofs Lutwinus unseren Glauben stärken und unsere ständige Bekehrung zu Christus wirken zu lassen. Die sieben Gaben des Heiligen Geistes sind wie Segel, die unser Schiff beflügeln, so dass wir leichter mit den Tugenden auf unseren Lebenswellen rudern können. Dieser Vergleich, wohl gebraucht bei Theologen des Mittelalters, gilt sowohl für das Leben des Heiligen Lutwinus wie auch für uns heute Abend, weil der Heilige Geist in Gott mit Christus „derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit“ (vgl. Hebr 13,8).

Amen!