13 06 02 Predigt von Nuntius Périsset in Walldürn zum 2. Wallwahrtssonntag

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Predigt
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, 
am 2. Wallfahrtssonntag „zum Heiligen Blut“

Walldürn, 2. Juni 2013
 



Sehr geehrte Mitbrüder im priesterlichen und diakonischen Amt,
liebe Brüder und Schwestern!

Am 2. Wallfahrtssonntag des Pilgermonats zum Heiligen Blut hier in St. Georg in Walldürn sind heute in Scharen Pilger aus zwölf Pfarreien gekommen. Besonders zu diesem Pontifikalamt kommen Pilger aus Großkrotzenburg, Eisingen, Bad Schönborn,  Mingolsheim und Rodgau/Nieder-Roden. Ihre Anwesenheit heute zeigt nicht nur Ihren Glauben an die Gegenwart Christi in der Heiligen Eucharistie, sondern auch Ihren Wunsch, aus dieser Quelle des Lebens immer wieder zu schöpfen.

Vor einigen Monaten, am 4. November 2012, hatte ich mit der Pfarrgemeinde das Jubiläum der Erhebung dieser Kirche, die dem heiligen Märtyrer Georg geweiht ist, zur Basilika mitgefeiert und über den Glauben an die Eucharistie meine Homilie gehalten. Heute möchte ich auf uns selber schauen und fragen, was die Pilgerfahrt zum Heiligen Blut bedeutet.

Das heutige Tagesgebet bietet uns einen vortrefflichen Ausgangspunkt, wenn wir Gott gebeten haben: „Halte von uns fern, was uns schadet, und gewähre uns alles, was zum Heile dient.“, weil wir vorher erkennen, dass „deine Vorsehung niemals fehl geht“ (Tagesgebet). Diesem Gebet entspricht genau, was der Heilige Bruder Klaus, Schutzpatron meines Heimatlandes, der Schweiz, in seinem Gebet immer wieder zu Gott rief:

„Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir, was mich hindert zur dir;
Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir, was mich fördert zu dir;
Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.“
(Bruder Klaus)

So haben wir drei Grundsätze unserer beständigen Pilgerfahrt zu Gott, unseres ganzen Lebens in Glaube, Hoffnung und Liebe, die durch unsere heutige Pilgerreise zum Heiligen Blut erneut, vertieft und bestärkt wird. Sie wissen wohl, dass das Wort „Pfarrei“, Pfarrangehörige, in seinen griechischen Wurzeln „Pilgerschaft“, Pilger bedeutet. Das entspricht direkt dem Satz des Briefes an die Hebräer, dass wir „hier keine bleibende Stadt haben, sondern wir suchen die zukünftige“ (Hebr 13,14). Diese Erläuterung folgt direkt einer Darstellung des Opfers Christi, an dem wir Anteil haben, Anteil am Blut, das er am Kreuz für unser Heil gegeben hat (vgl. Hebr 14,7-13).

1. „Halte von uns fern, was uns schadet.“ Wir haben Vertrauen in Gott, den Allmächtigen, wie der Hauptmann von Kafarnaum in Jesus, damit er seinen kranken und sterbenden Knecht gesund mache.  Nur Gott kann in menschlich verzweifelten Umständen weg nehmen, „was uns schadet“ auf unserem Weg. Wir sind ja Pilger auf dem Weg zur Heiligkeit, und die Hürden, Steine, Hindernisse aller Art erschweren unseren Schritt. Das größte Hindernis ist sicher unser Mangel an Glauben. Denken wir, wie scharf und sogar laut Christus seinen Apostel Petrus gerügt hat, dessen Zeugnis zu seiner Identität als Sohn Gottes er gerade gelobt hatte: „Hinweg von mir Satan! Ein Ärgernis bist du für mich. Denn du denkst nicht die Gedanken Gottes, sondern der Menschen.“ (Mt 16,23)  Welch‘ Paradox! Und welche Ermahnung Christi, „die Gedanken Gottes zu denken“ (vgl. ibidem), und im Glauben, als demütige Bettler wie der Hauptmann von Kafarnaum, auf unserer Lebenspilgerfahrt zu Gott zu kommen. Deshalb ist es für uns notwendig, immer wieder zu Gott zu beten. Hindernisse des Unglaubens, der Eitelkeit, der Selbstsicherheit bringen uns von unserem Weg ab. Ja! „Nimm von mir alles, was mich hindert zu dir.“

2. „Gewähre uns alles, was zum Heile dient.“ (Tagesgebet) Diese Bitte ist für Pilger selbstverständlich, denn es geht nicht um das Gehen oder damit der Lauf leichter wird, sondern um den Gehenden und Läufer. Wir brauchen ja Kraft, besonders durch Nahrung und Getränk, um fähig zu sein, den Weg zu gehen. Die Fahrradfahrer, die hier angekommen sind, haben das konkret erlebt, und wir alle wissen, besonders wenn wir von fern nach Walldürn gekommen sind, Mundvorräte für die Reise sind unerlässlich, damit die Reise gut verläuft.

Auf dem Weg der Heiligkeit empfangen wir im Eucharistischen Opfer solche Mundvorräte. Weil wir an die Gegenwart des auferstandenen Christus unter den Species der Eucharistie glauben, sind wir hier zum Heiligen Blut als Pilger gekommen. Ja! Wir sollen nie müde werden, Gott zu bitten: „Gib uns alles, was uns fördert zu dir; gewähre uns alles, was zum Heile dient.“ Lassen wir uns also nicht von diesem Glauben abbringen, wenn - wie schon in der Zeit des Apostels Paulus -„da sind nur gewisse Leute, die euch in Verwirrung bringen und die Heilsbotschaft Christi in ihr Gegenteil verkehren wollen“ (Gal 1,7).  Beharrlichkeit im Glauben bringt Freude am Glauben mit sich; standhaft sein im Leben mit den christlichen Werten fördert uns zur Heiligkeit; auf dem Weg zu pilgern, der Christus selbst ist (vgl. Joh 14,6), und dass er selbst sich als „Brot des Lebens“ (Joh 6,35) erklärt hat.

Durch unsere Pilgerfahrt zum Heiligen Blut, zum lebendigen Christus in der Eucharistie, erhalten wir sicher die nötigen Mundvorräte auf dem Lebensweg zum Heil. Alle Mittel stehen uns zur Verfügung im Dienst der Kirche, durch ihre Lehre und die Sakramente; es hängt von uns ab, ob wir zu solchen Energie- und Hilfsquellen kommen, um auf dem Weg gestärkt und unterstützt zu sein.

3. Das Tagesgebet lässt uns einfach erkennen, dass das Wirken Gottes uns durch seine liebevolle Vorsehung zum Heil führt. Im Gebet von Bruder Klaus ist dieses Heil paradox dargestellt: „Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.“ Das entspricht ganz und gar dem Anruf Christi: „Wenn einer mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach.“ (Mk 8,34) Man braucht nur das Leben der Heiligen zu betrachten, um diesen Anruf zu verstehen, wie Christus weiter sagte: „Denn wer sein Leben verliert um meinetwillen und um der Heilsbotschaft willen, der wird es retten.“ (Mk 8,35)

Ist deshalb unsere Pilgerreise heute zum Heiligen Blut nicht besonders passend, uns diesen Anruf Christi verstehen zu lassen? Er hat sich selber für unser Heil hingegeben, indem er auf sich unsere Sünden genommen hat, damit wir von ihrer Last befreit werden. Die Liturgie nennt das einen „fröhlichen Wechsel“, wie auch Martin Luther in seinen Schriften öfter erwähnte. „Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir“, das ist das Heil, das Christus uns verspricht, das er uns gibt, das uns schon heute in der Heiligen Eucharistie als Unterpfand des Himmelreiches durch die heilige Kommunion schenkt. Das Ergebnis der Kommunion ist eben unsere eigene Hingabe an Christus. Brot und Wein werden in den lebendigen auferstandenen Christus gewandelt, so dass wir durch die Kommunion in Christus gewandelt werden, wie der Apostel Paulus zu den Kolossern sagt: „Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden. Ihr seid ja gestorben - durch die Taufe - und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“ (Kol 3,2)

Liebe Brüder und Schwestern!
Welch‘ eine Freude, welch‘ eine Gnade Gottes, im Glauben eine solche Gabe zu erhalten. Ja! Auf unserer irdischen Pilgerfahrt haben wir im Glauben zugleich „fern von uns, was uns schadet“ und „alles, was zum Heil dient“, nämlich Christus selber, unseren Erlöser.

Amen!