13 06 23 Predigt von Nuntius Périsset im Pontifikalamt zur Eröffnung der Passionsspiele in Sömmersdorf

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Predigt
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
im Pontifikalamt zur Eröffnung der Passionsspiele in Sömmersdorf

23. Juni 2013



„Der Menschensohn muss vieles erleiden … er wird getötet werden,
aber am dritten Tag wird er auferstehen.“ (Lk 9,22)

Lieber Herr Pfarrer,
Brüder und Schwestern,

die Lesungen der heutigen Liturgie sind für diese Eröffnungsmesse der Passionsspiele perfekt angepasst, weil sie uns auf das Leiden Christi für unsere Erlösung aufmerksam machen.
Der Prophet Sacharja lässt uns verstehen, dass der versprochene Messias das Volk Gottes durch sein eigenes Opfer retten wird; während in seinem Brief an die Galater der Apostel Paulus das Ergebnis des Opfers Christi für uns vorstellt, die „Christus angezogen haben“ (Gal 3,27). Christus selber bestätigt, dass der Messias Gottes - der versprochene Retter des erwählten Volkes - durch Leiden und Tod die Erlösung verwirklich wird (vgl. Lk 9.22).

Im Passionsspiel, das sie in den nächsten Tagen aufführen werden, geht es wirklich um eine Darstellung dieses Glaubensgeheimnisses, dass der menschgewordene Sohn Gottes die Welt durch sein Leiden und seinen Tod erlöst. Damit ist unser Spiel dem Glaubensgeheimnis der Messe eng verbunden. Nicht umsonst sind wir eingeladen, nach der Wandlung unseren Glauben an das Erlösungswerk Christi zu bestätigen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“

Es geht also um Christus!

Es geht auch um uns selber, so dass jeder und jede von euch als Schauspieler im Passionsspiel einen besonderen und neuen Zugang zu diesem Geheimnis des Glaubens hat. Selig seid ihr, Pfarrangehörige von Sömmersdorf und alle Beteiligten, in jeder Aufführung der Passion, über die Bedeutung des Opfers Christi nachzudenken, Ihn als Mensch zu betrachten, Ihn anzuziehen, wie es durch die Taufe gegeben wurde, und wie wir es jetzt in der Messliturgie erleben. 

1. „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.“ sagt der Prophet Sacharja (12,10). Er sieht im Voraus, was der Apostel Johannes, Augenzeuge des Todes Christi, darüber sagt: „Als die Soldaten zu Jesus kamen, fanden sie, dass er schon gestorben war; sie zerschlugen seine Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß ihm seine Lanze in die Seite, und sofort kam Blut und Wasser heraus.“ (Joh 19,34) Sie wissen, dass die Kirchenväter und die Theologen in diesem die Quelle der Sakramente der Taufe  - Wasser und der Eucharistie - Blut - sehen.

Die ganze Szene des Todes Christi am Kreuz wurde auch durch den Propheten Jesaja in den vier sogenannten Liedern vom Gottesknecht angekündigt. Im zweiten Lied wird die universale Wirkung des Opfers Christi angekündigt, was uns besonders trifft: „Ich mache dich zum Licht der Heiden, dass mein Heil bis an die Grenzen der Erde reiche.“ (Jes 49,6)
Seien wir also mit offenen Augen aufmerksam auf dieses Licht, besonders während des Passionspiels, damit wir nicht jenen gleich seien, die es nicht aufgenommen haben, wie der Apostel Johannes im Prolog seines Evangeliums schreibt: „Er war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet; er kam in die Welt ….. und die Welt hat ihn nicht erkannt.“ (Joh 1,9-10)

2. Deshalb ist die Feststellung des Heiligen Paulus für uns eine gnadenreiche Ermahnung: „Ihr seid also alle Kinder Gottes durch den glauben in Christus Jesus.“ (Gal 3,26) Es geht viel weiter als eine Versinnbildlichung Christi, wie wir es im Passionsspiel tun; es geht um eine „Umwandlung“ unserer selbst in und durch Christus, denn wir alle - sagt weiter der Apostel Paulus -, „die wir auf Christus getauft sind, haben Christus angezogen“ (Gal 3,27).

Könnten wir von Gott mehr erwarten, als dass er uns Anteil an seinem eigenen Sein und Leben schenkt?! Und der Vermittler dazu ist Christus, der menschgewordene Sohn, denn - wie der Apostel Petrus zum Sanhedrin nach der Auferstehung Christi sagte: „Es ist kein anderer Name den Menschen unter dem Himmel gegeben, in dem wir gerettet werden sollen.“ (Apg 4,12)

Freuen wir uns am Eröffnungstag des Passionsspieles, dass wir in diesem Glauben die Aufführung erleben werden. Dadurch werden wir, wie auch die Zuschauer, im Glauben bestärkt, wie der Heilige Petrus in seiner Antwort auf die Frage Jesus: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich? … Für den Messias Gottes.“ (Lk 9,20)

3. Damit wir mit solchem Glauben spielen und im Alltag leben, brauchen wir sicher die Gnade Gottes, den Glauben, der uns durch die Taufe gegeben wurde, denn wie der Hebräerbrief sagt: „Der Glaube ist das feste Vertrauen auf das Erhoffte, ein Überzeugtsein von dem, was man nicht sieht.“ (Hebr 11,1) Also sind hier zwei Elemente wichtig: Erstens das Vertrauen, das wir in Christus selber haben, weil wir sicher sind, dass sein Leid, sein Tod und seine Auferstehung das Mittel unserer Erlösung ist. Sonst würden wir im Passionsspiel nicht mitmachen. Was wir hoffen, unser Vertrauen auf das Erhoffte, ist eben unsere Rettung aus der Sünde, damit wir Kinder Gottes werden. Zweitens schenkt uns der Glaube eine Überzeugung, welche nicht nach menschlichem Maß ist, so wie es in den Wissenschaften geschieht. Sondern eine Überzeugung  „von dem,  was man nicht sieht“ (Hebr 11,1). Dazu zitiert der Brief an die Hebräer eine ganze Reihe von solchen Glaubenszeugen von Abel bis zu den Märtyrern des Volkes Gottes, und wagt sogar zu sagen, dass Mose, in seiner übermenschlichen Verantwortung, das Volk Israel aus der Sklaverei Ägyptens zu befreien, „so mutig ausharrte, als sähe er den Unsichtbaren“ (Heb 11,27).
So geschehe auch ihnen, liebe Schauspieler und Schauspielerinnen, und auch uns Zuschauern und Zuhörern, insoweit wir unsere Mitwirkung im Glauben verwirklichen, werden wir das Unsichtbare der Erlösung Christi in Tod und Auferstehung erleben. Deshalb halte ich, wie euer Pfarrer und euer Bischof auch, das Passionsspiel Sömmersdorf 2013, im Jahr des Glaubens, für ein bedeutungsvolles Mittel zur Neu-Evangelisierung. Für viele wird eure Aufführung, vielleicht besser und schärfer als eine Predigt, Christus ankündigen als Messias Gottes, als unseren Weg, unsere Wahrheit und unser Leben (vgl. Joh 14,6).

Amen!