13 08 15 Predigt von Nuntius Périsset im Pontifikalamt zum Hochfest Maria Himmelfahrt auf der Wallfahrt Maria Ehrenberg

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Predigt
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
zum Hochfest Mariä Himmelfahrt

Maria Ehrenberg, 15. August 2013


„Allmächtiger Gott …. gib, dass wir auf dieses Zeichen (von Mariä Himmelfahrt) …
schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit.“ (Tagesgebet)
 

Liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt,
liebe Brüder und Schwestern in Christus!


Um welchen Weg handelt es sich in unserem Gebet heute, auf dem wir zu bleiben wünschen, wenn wir Mariä Himmelfahrt feiern? Könnte es ein Irrweg sein, wie Atheisten es uns vorwerfen, die Religion wäre „Opium des Volkes“, besonders das Christentum mit seiner Lehre über die Auferstehung, und nur Trost den Menschen bringt, die zu Gott seufzen „trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen“ (Salve Regina)? Deshalb wäre besonders die marianische Devotion ein trügerisches Mittel, die Gläubigen in ihren Qualen voranschreiten zu lassen, was der Psalmist schon lange beschrieben hatte: „Wie einen Seufzer verlebten wir unsere Jahre…. Die meisten von ihnen sind Plage und vergebliche Mühe; rasch enteilen sie, im Fluge sind wir dahin.“ (Ps 90,9-10)

Das irdische Leben Mariens war nicht ohne Mühe und Schmerzen - es gibt ja auch die Devotion zur Schmerzhaften Mutter Gottes - und wenn wir heute das Ende ihres irdischen Lebens in ihrer Himmelfahrt mit Körper und Seele feiern, ahnen wir, warum es ihr so geschehen ist. Ihr Lebensweg wurde perfekt nach Gottes Willen gemacht - „wie im Himmel so auf Erden“ (Mt 6,10).

Wenn wir also Maria in der Krönung ihres irdischen Lebens betrachten, bezeugen wir in ausgezeichneter Weise, was die Präfation der Messe zu Ehren der Heiligen von Gott sagt: „Wenn du ihre Verdienste krönst, krönst du deine Gaben.“

Und die Hauptgabe Gottes, für Maria wie für uns, ist der Glaube. Mit weiser Anweisung betont die Liturgie der Taufe die Grundbedeutung des Glaubens für unser Wohl, wenn beim Eintritt des Täuflings in die Kirche der Priester ihn bzw. die Eltern und Paten fragt: „“Was erbittest du von der Kirche?“ und er bzw. die Eltern oder Paten antworten: „den Glauben“. Und der Dialog führt fort: „Was bringt dir der Glaube?“ „Das ewige Leben!“ ist die Antwort.

In diesem Dialog finden wir den Schlüssel unseres heutigen Festes, den Schlüssel des Lebens Mariens, den Schlüssel unseres christlichen Lebens.

1. Der Brief an die Hebräer, dessen Verfasser wahrscheinlich Apollo von Alexandrien war, ein Mitarbeiter des Apostels Paulus, stellt den Glauben so dar: „Es ist aber der Glaube das feste Vertrauen auf das Erhoffte, ein Überzeugtsein von dem, was man nicht sieht.“ (Hebr 11,1) In diesem „Jahr des Glaubens“ sollte dieses Kapitel 11 des Briefes an die Hebräer unsere tägliche Lesung werden. Warum? Weil der Verfasser nach dieser Grunderklärung über den Glauben eine ganze Reihe von Glaubenden in der Geschichte vorstellt: von Adam über Abraham und Mose bis hin zu den Märtyrern der Verfolgung durch Antiochus VII. (+129 v.Chr.) in Judäa in der Zeit der Makkabäer (vgl. 1.+2. Makk). Eine Äußerung über den Glauben des Mose, der „lieber mit dem Volke Gottes Ungemach ertragen wollte“ (Hebr 11,25) als „ein Sohn der Tochter des Pharaos zu heißen“ (Hebr 11,24), scheint mir die Bedeutung des Glaubens für uns, wie für alle diese Vorbilder und sicher auch für Maria, zu unterstreichen, wenn er schreibt, dass im Exodus durch die Wüste mit dem Volk Israel Mose „harrte so mutig aus, als sähe er den Unsichtbaren“ (Hebr 11,27). Ja! Der Glaube ist ein Überzeugtsein von dem, was man nicht sieht“ (Heb 11,1).

2. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn Jesus häufig den Glauben vor seinen Zuhörern und Jüngern gepriesen hat:

-  Zu der blutflüßigen Frau, die ihn nur berühren wollte, um geheilt zu werden: „Mut, Tochter“ - sagte ihr Jesus - „dein Glaube hat dir Heilung gebracht.“ (Mt 9,22)
- Sofort nachher zu zwei Blinden, die um sein Erbarmen schreien: „Glaubt ihr, dass ich dies tun kann?“ Und er sagte ihnen: „Euch geschehe nach eurem Glauben.“ (Mt 9,29)
- Als er den Gelähmten von Kafarnaum heilte, hatte Jesus dessen Glauben und den Glauben der Träger anerkannt (vgl. Mt 9,2).

Umgekehrt rügt Jesus jene, die keinen oder nur mangelhaften Glauben zeigen:

- Zum Apostel Petrus, der sich fürchtete, als Jesus ihn aufforderte, zu ihm auf das Wasser zu kommen: „Du Kleingläubiger, warum hast du denn gezweifelt.“ (Mt 14,31)
- Zu den Zwölf  im Seesturm, erschrocken durch die Stärke der Wellen: „Wo ist euer Glaube?“ (Lk 8,25)

Deshalb hat Jesus immer wieder den Glauben verlangt und gepriesen als Triebkraft des Lebens, z.B. zu den Aposteln, weil sie fallsüchtigen Knaben nicht heilen konnten: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Berg da sprechen:‚Rück von hier weg dorthin!‘ und er würde wegrücken, und nichts würde euch unmöglich sein.“ (Mt 17,20-21)

3. In Maria können wir feststellen, wie sie immer mit Glauben ihr Leben geführt hat, ab ihrem Anruf, Mutter Gottes zu sein bis zum Tode ihres Sohnes am Kreuz, und fortwährend im Gebet mit den Aposteln nach Christi Himmelfahrt.

Deshalb wird sie durch ihre Cousine Elisabeth gepriesen: „Selig, die geglaubt hat, was ihr vom Herrn gesagt wurde.“ (Lk 1,45)

Jesus selber lobt - obwohl indirekt - seine Mutter, nicht wie eine Frau des Volkes es dachte, dass sie einen solchen Sohn wie Jesus geboren hat, sondern: „Vielmehr selig, die das Wort Gottes hören und befolgen.“  (Lk 11,28)

Die Kirchenväter pflegten deshalb zu sagen, dass dank des Glaubens „Maria ihren Sohn zuallererst in ihrem Geist als in ihrem Schoß empfangen hat.“

Wenn wir die Beziehung Marias zu Gott betrachten, können wir ermessen, wie nötig ihr der Glaube war, und wie sie trotz aller menschlich unverständlicher Ereignisse ihren Anruf, Mutter Gottes zu sein, treu geblieben ist - mit einem Glauben, der von Tag zu Tag kräftiger wurde. Sie hatte ihre Zustimmung nicht ohne Überlegung gegeben, bevor sie sagte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ (Lk 1,38)

Sie hat die Ereignisse der Weihnacht betrachtet, denn sie „bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19), wie auch nach der Rückkehr in Nazareth, als der zwölfjährige Jesus mit den Schriftgelehrten im Tempel wiedergefunden wurde (vgl. Lk 2,51).

Ja! Zurück zur Darstellung des Glaubens im Hebräerbrief, sehen wir, wie Maria ausgeharrt hat, als sähe sie den Unsichtbaren (vgl. Hebr 11,27). Wir können vermuten, wie stark sie im Glauben war, als sie ihrem Sohn, „den Sohn Gottes“ (Lk 1,35), auf dem Kreuzweg begegnete und ihn am Kreuz sterben sah. Wie groß sollte ihr Glaube sein, als sie ihren Jesus mit Josef von Arimathäa, Simon und anderen Frauen ins Grab bestattete, und vielleicht sich der Worte Jesu erinnerte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht.“ (Joh 12,24)

Christus ist am Kreuz für unsere Erlösung gestorben, und der Auferstandene hat sich den Jüngern gezeigt, die ihn im Glauben, wie schließlich auch der Apostel Thomas, als ihren „Herrn und Gott“ (vgl. Joh 20,28) erkannt haben.

Heute betrachten wir in Mariä Himmelfahrt, dass die Verheißung Christi für seine Mutter völlig verwirklicht worden ist: „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben.“ (Joh 5,24)

Amen!