13 09 29 Predigt von Nuntius Périsset zum 100. Weihejubiläum der Pfarrkirche St. Michael zu Vöhringen

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 Predigt
von S.E. Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
Apostolischer Nuntius in Deutschland,
zum 100jährigen Kirchweihjubiläum der Pfarrkirche St. Michael

Vöhringen, 29. September 2013 


 

„O Gott, laß uns in der Kraft dieser Speise und unter dem Schutz der heiligen Engel auf dem Weg des Heiles voranschreiten.“ (Schlußgebet)

Sehr geehrter und lieber Herr Pfarrer,
liebe Brüder im Priester- und Diakonenamt,
Brüder und Schwestern im Glauben!

Als Pfarrangehörige unter dem Patrozinium des Erzengels Michael sind Sie unter dem besonderen Schutz des Ersten der Engel, der im Himmel den Drachen Satan und seine Engel besiegt hat. Deshalb ist er Schutzpatron der Universalkirche. Als Karl der Große im September 813 das Fest des Erzengels Michael als Feiertag am 29. September verkündete, wurde der Heilige Michael im ganzen Reich als Beschützer geehrt, was für Deutschland besonders gilt, weswegen ihn die Deutschen heute besonders feiern.

Eine himmlische Schirmherrschaft bedeutet aber für uns eine Haltung im Leben, die dem Vorbild des Erzengels Michael entspricht, d.h. Treue zu Gott, Beharrlichkeit im Kampf gegen das Böse und Demut. Nur wer sich vor Gott demütig verhält, ist bereit, die Hilfe Gottes für sein Wirken zu empfangen. Deshalb ist es möglich so zu handeln, dass die anvertraute Aufgabe und Mission bis zum Schluss ausgeführt sei. Dazu ist Treue nötig, als Grundkraft des Lebens; Treue zu Gott bedeutet Glauben. Am Ende des Jahres des Glaubens lohnt es sich für alle Gläubigen in Deutschland und besonders für uns Pfarrangehörige von St. Michael in Vöhringen, durch das heutige hundertjährige Jubiläum unserer Pfarrkirche, über die Bedeutung dieser Kirche für uns nachdenken, damit wir Gott treu seien, nicht nur im Kampf gegen das Böse, sondern auch in unserer Grundhaltung vor Gott in Demut und Reue.

1.            
Treue ist heutzutage besonders schwer zu halten oder sogar zu verstehen. Wie oft ändert man seine Meinung, um sich dem Zeitgeist anzupassen. Wie oft wird ein Eid nicht mehr als bindend betrachtet, sei es im priesterlichen und geweihten Leben, sei es im Ehestand. Auch in der Wirtschaft stellt man fest, wie überall Normen des Vertrauens über Produkte und Verträge eines Dienstes nicht beachtet werden.

Im Glauben wird die Treue durch Gottes Gnade bestärkt, solange wir uns zu Gott mit Demut und Reue wenden. Das hat uns Jesus gelehrt im „Vater unser“: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ Unter der Führung des Erzengels Michael - dessen Name seine Mission erklärt: Gott als Gott anerkennen - sind wir bestärkt im Glauben, in der Treue zu Gott, um ihn zu hören und seinen Willen zu verwirklichen. Darüber hat uns die erste Lesung berichtet, wenn vom Sieg Michaels über den Drachen, nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden erzählt wird. Diese Brüder, die an dem Sieg teilhaben, sind die Märtyrer in der Geschichte der Kirche bis zu unseren Zeiten, die den Ankläger, den Bösen „durch das Blut des Lammes besiegt haben und durch ihr Wort und Zeugnis; (weil) sie ihr Leben nicht festhielten, bis hinein in den Tod“ (Offb 7,11).

2.            
Das ist eben der Kampf des Glaubens, der die Märtyrer zum Sieg geführt hat. Das ist auch unsere tägliche Aufgabe und Verantwortung, unser Leben unter Gottes Licht, mit Gottes Gnade auszubilden. Dann verstehen Sie, warum das uns durch Christus gegebene Gebet mit den Worten „Vater unser“ anfängt. Gott als Gott anzuerkennen, der uns als Vater liebt, ist unbedingt nötig, damit wir im Leben wie Kinder Gottes wirken und handeln. „Wer ist wie Gott“ bedeutet der Name Michael, so dass wir in dieser Pfarrei - wie auch in Deutschland - begnadet sind, dieses Grundbekenntnis immer zu behalten.  Klammern wir Gott aus unserem Leben, dann bin ich mein eigener Gott, dann entscheide ich selber, was gut und böse ist, dann wird das Zusammenleben auf der Erde unmöglich. Wenn jeder für sich allein lebt, selbstsüchtig, dann geht er nicht weit in seiner Entwicklung; dann wird es unmöglich, eine brüderliche und friedliche Gesellschaft zu bilden. Der Ausruf: „Wer ist wie Gott“ sollte immer in uns klingen, als eine Erinnerung, in unserem Herzen gehört, und nicht nur in unseren Ohren, wie das Glockenläuten unseres Kirchturmes und aller Kirchen.

Deshalb sind wir in unserem Kampf gegen das Böse, oder besser gesagt, in unserer beharrlichen Treue zu Gott immer wieder unterstützt. Die Glocken rufen uns zum Gottesdienst, damit wir in dieser wie in jeder Kirche - mindestens am Sonntag - das Wort Gottes hören und die Sakramente empfangen. Haben wir je gedacht, welch ein hörbares Zeichen die Kirche als Gebäude ist und wie die Glocken uns dazu führen, in der Kirche zur Quelle des göttlichen Lebens zu kommen?!

3.             
Deshalb ist uns die Tugend der Demut so wichtig, die unser ganzes Leben prägen soll, weil sie uns hilft, unser eigenes Selbst realistisch zu erkennen: ich bin Geschöpf Gottes, ich bin Kind Gottes, ich brauche die Hilfe meines Vaters im Himmel, damit ich recht und gut wachsen kann. Als Kinder, die ihrem Vater im Himmel vertrauen, erwarten wir von ihm - über so viele Vermittler - das tägliche Brot. Weil wir noch ihm schauen, mit Reue über unsere Sünden, erlangen wir die Vergebung unserer Sünden, wie auch die nötige Kraft, gegen die Versuchungen des Bösen siegreich zu kämpfen.

All das wird uns durch den heiligen Erzengel Michael als Schutzpatron dieser Pfarrei und Deutschlands ständig in Erinnerung gerufen. Sein Bild  hier auf dem Hauptaltar, wie die Statuen, die ihn als Sieger darstellen, sollen uns über das Äußerliche des Bildes in die Tiefe des Glaubens führen. „Wer ist wie Gott!“ hören wir vom Heiligen Michael; und in Demut antworten wir: „Nur Gott der Barmherzige ist Gott; nur Er ist Liebe (vgl. Joh 5,8 und 16); nur Er ist Quelle unseres Lebens und Heiligkeit“. Denn Satan, Luzifer, wollte sich aus Eifersucht Gott gleichmachen.

Zusammenfassend, können wir erkennen, dass die Schirmherrschaft des Erzengels Michael zu unserem besonderen Vorteil steht. Er ist ja wie ein Kämpfer in der Schlacht dargestellt, mit der nötigen Ausrüstung, und als unser Kriegsführer gegen das Böse lässt er uns nicht ruhen; was wären wir sonst für Kämpfer! Wie ihm verschafft uns aber Gott die nötigen Mittel, damit wir siegreich kämpfen können, wie der Apostel Paulus in seinem Brief an die Epheser sagt: „den Schild des Glaubens, mit dem (wir) alle feurigen Pfeile des Bösen löschen können …, den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes; unsere Hüften umgürtet mit der Wahrheit, angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, die Füße beschuht mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens“ (Eph 6,14-17).

So bewaffnet, durch Gott selber durch den Glauben, sind wir sicher, dass wir Anteil haben am Sieg Michaels über den Bösen, Anteil am Reich Gottes. Das erleben wir schon jetzt in dieser Opfermesse, wenn wir das Wort Gottes anhören und annehmen und Christus unseren Erlöser als Brot des Lebens empfangen.

So hat es Jesus dem Nathanael versprochen, dass er durch die Vermittlung der Engel den Menschensohn als Erlöser sehen würde; so geschieht es für uns heute.

Amen!