13 10 16 Predigt von Nuntius Périsset zum Fest der Hl. Hedwig im Krankenhaus St. Hedwig zu Berlin

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Predigt des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Jean-Claude Périsset,
am Fest der Heiligen Hedwig

Krankenhaus St. Hedwig zu Berlin, 16. Oktober 2013


„Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun.“ (Gal 6,9)
 

Sehr geehrte Mitbrüder im Priesteramt!
Liebe Schwestern Borromäerinnen!
Brüder und Schwestern - Patienten oder Pflegekräfte - in diesem Krankenhaus, das unter dem Patronat der Heiligen Hedwig steht!

Falls wir müde würden, das Gute zu tun, kann uns das heutige Fest unserer himmlischen Beschützerin, der Heiligen Herzogin von Schlesien Hedwig, ermutigen, neu und mit Hoffnung auf dem Weg der Nächstenliebe voranzuschreiten. Das Gute ist viel kräftiger als eine Epidemie, vor der man jede Impfung oder ärztliche Hilfe verweigert. Das Gute ist wie das Licht, das seine Wirkung ohne Lärm und Turbulenz entfaltet, einfach da ist und alles ansteckt, ohne daß man es merkt. Wichtig ist es aber, daß das Gute auf andere übergeht und sie gut macht. Je mehr das Gute wirkt, desto besser wird die ganze Umgebung, wie das Feuer im Ofen, das alles um sich herum erwärmt.

So war in jener Zeit die Herzogin Hedwig, die, erst dreizehnjährig und aus dem Geschlecht der Grafen von Andechs-Meran, Gattin des Herzogs Heinrich I., des „Bärtigen“, von Schlesien wurde.

Drei Hauptmerkmale ihres Lebens wollen wir heute betrachten, gleichsam wie ein Triptychon des Mittelalters mit Szenen ihres Lebens. Haben wir nicht in unserem heutigen Gebet von Gott her die Gnade erbeten, daß wir sie als „Beispiel barmherziger Liebe“ betrachten.

1. Friedensstifterin war die Heilige Hedwig, als sie mitten in Streitigkeiten, sogar im blutigen Streit in ihrer eigenen Familie - wie die Historiker sagen - sich mit Liebe einsetzte und in Treue zur Lehre Christi sagte: „Man muß Gegensätze durch Gegensätze heilen.“ In dieser Haltung war sie völlig im Einklang mit den drei berühmten Mystikerinnen von Helfta: Mathilde von Hackeborn, Mathilde von Magdeburg und Gertrud von Helfta, die ihre Zeitgenossinnen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert waren, denn Hedwig starb am 15. Oktober 1243. Mathilde von Magdeburg pflegte zu sagen: „Niemand kann die Wahrheit verbrennen.“ So hatte Hedwig es verstanden, Christus unsere Wahrheit und unseren Frieden mitten im Streit durch Nächstenliebe anwesend zu machen. So konnte Er, Christus unser Erlöser, den Gegensatz zwischen seiner Wahrheit und seiner Liebe gegen das Böse der streitenden Menschen wirken lassen und den Frieden wieder herstellen. Wie sehr ist das auch heute nötig für uns in Deutschland und auch für die Gemeinschaft dieses Krankenhauses.

2. Gegensatz der Sühne, um der Schuld der Sünder zu widerstehen. Es ist wohl bekannt, daß die Heilige Hedwig eine ausgezeichnete Büßerin war und sogar im Winter mit nackten Füßen auf dem gefrorenen Boden ging im Gegensatz zur Haltung von frivolen Menschen in Luxus und Unzucht. Sie ging bis an die Grenze der Selbstzerstörung, sicher nicht aus Ehrgeiz in der Buße - das würden die Psychiater dieses Krankenhauses sicher verurteilen -, sondern aus besonderer Gnade Gottes und in der Nachahmung des Heiligen Paulus, der schrieb: „Nun freue ich mich an den Leiden, die ich für euch erdulde, und was an den Drangsalen Christi noch fehlt, will ich an meinem Fleisch (stellvertretend) ausfüllen zugunsten seines Leibes, das ist die Kirche“ (Kol 1,24). Das sind die Heiligen; und besonders Hedwig, die ihre sechs oder sieben Kinder sterben sah, der letzte Sohn, Heinrich II.,  bei der Schlacht gegen die Tartaren am 09. April 1241 zu Wahlstatt bei Liegnitz in Schlesien.

3. Wohl aber wird die Heilige Hedwig wegen ihrer Barmherzigkeit gegenüber den Armen und Kranken geschätzt und ist nicht ohne Grund die Beschützerin unseres Krankenhauses. „Nomen est omen!“ sagt das Sprichwort, und unter ihrem Patronat haben wir nicht nur eine himmlische Fürsprecherin und Beschützerin, sondern auch eine Wegweiserin, und ich wage sogar zu sagen eine „Anspornerin“. Wir brauchen es ja, durch ihr Leben in unserer Haltung zu den anderen belehrt zu werden. Nicht ohne Grund hatte das Volk in Schlesien es verstanden, zu ihrem Grab zu pilgern, so daß sie von Papst Klemens IV. schon 24 Jahre nach ihrem Tod am 26. März 1267 in Viterbo heiliggesprochen wurde. Ja! Liebe ist wie ein Feuer, das alles in sich verwandelt; Hedwig wusste, bei wem sie sich immer um der Nächstenliebe willen erwärmen konnte, durch die Liebe zu Gott, im Gebet, in Treue zur Lehre Christi, in kirchlichen Sozialwerken und Gebetszentren wie die Zisterzienserinnenabtei Trebnitz bei Breslau, wohin sie sich nach dem Tode ihres Mannes zurückzieht und die unter der Führung ihrer Tochter Gertrud als Äbtissin stand.

An all diese drei Hauptmerkmale der schlesischen heiligen Herzogin Hedwig haben wir schon in unserem Tagesgebet erinnert. Deshalb wollen wir von Gott her heute die Gnade erneut empfangen, daß Er, der allmächtige und barmherzige Gott, uns auf die Fürsprache der Heiligen Hedwig helfe, mit, in und durch seine Liebe „für Versöhnung und Frieden unter den Menschen zu wirken und ihm in den Notleidenden zu dienen“.

Amen!