13 10 18 Predigt von Nuntius Périsset beim Festgottesdienst zum 150sten Bestehen der Benediktinischen Kongregation Beuron

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Predigt des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Jean-Claude Périsset,
beim Festgottesdienst „150 Jahre Benediktinische Kongregation Beuron“
und Treffen der Beuroner Kongregation

Kloster Beuron, 18. Oktober 2013



Sehr geehrter und lieber Erzabt!
Liebe Äbte, Äbtissinnen und Mönche!
Brüder und Schwestern in Christus!

Ein dreifaches Jubiläum wie das unsere, das den Ursprung unserer Beuroner Benediktinischen Kongregation an Pfingsten 1863 mit Hilfe der Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen und mit dem Segen des seligen Papstes Pius IX. feiert, gibt uns Anlass, Gott für seine Gnade zu danken. Die Gründer, Pater Maurus und Pater Placidus, kamen aus der Abtei St. Paulus in Rom. Sie haben auf deutschem Boden einen neuen Zweig des benediktinischen Mönchtums gepflanzt und mit Sorgfalt und Hoffnung gepflegt. Die Früchte stellen Sie heute dar. Dank sei Gott für seine Güte! Dank sei allen unseren Vorgängern, die die benediktinische Tradition treu und beharrlich fortgepflanzt haben.  Am Fest des Heiligen Evangelisten Lukas lohnt es sich, in ihm ein Vorbild der Treue im Dienst der Kirche und beharrlichen Arbeiter im Werk der Evangelisierung zu sehen, einen Verkündiger des Gottesreiches im Namen Christi unseres Friedens. Diesen drei Merkmalen des Evangelisten Lukas entsprechen drei Leitsprüche der benediktinischen Tradition: ora, labora, pax. Deshalb wünsche ich aus diesen Quellen, sowohl aus der Heiligen Schrift wie auch aus Ihrer Regel, einige Betrachtungspunkte herauszuschöpfen.

1. Ora! Das ist die Grundhaltung des begnadeten Menschen vor Gott, um Ihn als Ursprung alles Lebens zu erkennen, von Ihm Unterstützung und Erlösung zu bekommen, Ihn zu loben. Die Hauptaufgabe des Gebetes bestimmt Ihren Tagesablauf im Gotteslob. Das Kapitel XVI „Der Gottesdienst am Tag“ ist immer noch die Grundordnung Ihres Gebetes, das den Tagesablauf ordnet, weil es Ihre Hauptverantwortung als Mönche  ist, „unserem Schöpfer den Lobpreis darzubringen wegen seiner gerechten Entscheide“ (Reg 16,5). Im Prolog ist das begründet, wenn es nach der Einladung, die Weisung des Meisters zu hören - Christus, der Abt, der im Namen Christi die Mönchsgemeinschaft zusammenhält - und die Hilfe Gottes im Gebet zu erhalten heißt: „Vor allem, wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden“ (Prol, 4). Beharrlich war Lukas in seiner Begleitung des Paulus trotz widriger Ereignisse. So sagt der Kommentar zu dieser Lesung, aus Ihrer Abtei im Schott- Messbuch: „Nur Lukas ist noch bei mir“ (2 Tim 4,4): dieser Satz ist mehr als eine Lobrede; es ist das Zeugnis des vereinsamten und vom Tod bedrohten Apostels über den Jünger, der in seiner Treue zum Apostel auch dem Evangelium die Treue hält“ (Schott, 18. Oktober).

Darf ich hier einen Vergleich ziehen? Ihre Beharrlichkeit und Treue zum „Officium divinum“ ist für unsere Gesellschaft Zeugnis für das Evangelium, Anerkennung Gottes, den die Welt vergisst oder sogar leugnet. Ist Ihre Treue zum Gebet: „ora“, nicht Ihre spezifische Mitwirkung zur heutigen Neu-Evangelisierung. Am Ende des Jahres des Glaubens haben Sie in diesem Gebetsamt das Ihrem mönchischen Leben angepasste Mittel, den Glauben zu bezeugen und vom Glauben zu leben.

2. Labora: Auch der Arbeit ist ein ganzes Kapitel (48) gewidmet, und viele Sätze Ihrer Regel geben noch Weisungen über den Wert der Handarbeit, konkret wie für die Gebetsordnung. Ja! Handarbeit ist Heiligungsmittel, wie Benedikt uns sagt: „Wenn die Ortsverhältnisse oder die Armut fordern, dass sie (die Brüder) die Ernte selber einbringen, sollen sie nicht traurig sein. Sie sind dann wirklich Mönche, wenn sie wie unsere Väter und Apostel von ihrer Arbeit leben. Alles aber geschehe wegen der Kleinmütigen maßvoll“ (Reg 48,7-9). Die brüderliche Mitarbeit wird besonders über die zwei besonderen Köche für den Abt und die Gäste im Kapitel 53, die vielleicht in Notumständen zusätzliche Hilfe brauchen, erwähnt: „Doch nicht nur hier, sondern für alle Aufgabenbereiche im Kloster gelte der Grundsatz: ‚Wer Hilfe braucht, soll sie erhalten‘, wer jedoch frei ist, übernehme gehorsam jeden Auftrag“ (Reg 53,19-20).

Nicht ohne Grund hatte Jesus die 72 „anderen“ zu zweit gesandt: die Mitwirkung bei der Ernte des Herrn dient nicht nur dazu, die Ernte rascher und besser zu beenden, sondern sich gegenseitig zu unterstützen. Die Zusammenarbeit ist auch Mittel der Demut, so daß ein Werk nicht mein, sondern unser Werk ist. Für eine Klostergemeinde ist das unbedingt nötig, denn das Zeugnis - sowohl im Gebet wie in der Arbeit - ist Zeugnis der Gemeinde. Ist nicht sogar das „divinum officium“ eben „Gottesdienst“ genannt, was uns zum exklusiven Dienst Gottes veranlasst?

3. Pax: soll das Ergebnis von „ora et labora“ sein: Friede mit Gott, Friede in der Klostergemeinschaft, Friede in uns selber. Der Apostel Paulus sagt: „Das Reich Gottes besteht ja nicht in Speise und Trank, sondern in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17). Wie oft wünscht er Frieden den Gemeinden, denen er schreibt, am Anfang oder am Ende seiner Briefe.

Das Kloster soll ja wie ein Pfand, eine prophetische Verheißung des Reiches Gottes, eine „beata pacis visio“ sein, wie das himmlische Jerusalem (vgl. Offb 21,1-8). Weil Frieden Ordnung voraussetzt, ist die Verantwortung des Abtes in dieser Beziehung besonders zu unterstreichen: „Daher halten wir es zur Haltung des Friedens und der Liebe für angebracht, daß der Abt die Ämter in seinem Kloster nach eigenem Ermessen besetzt“ (Reg 65,11). Mit Recht hatte schon der Heilige Augustinus gesagt, daß „Friede die Ruhe der Ordnung ist“(De Civitate Dei, 19,13), wenn er die Beziehung der irdischen zur himmlischen Gesellschaft erwähnt. Sind unsere Klöster, besonders in der heutigen zerrissenen Welt nicht in diesem Bereich von höchster Bedeutung? Daran sollte uns das Wort „Pax“ auf der Rückseite der Benediktmedaille erinnern, ein Wort, das mit drei Buchstaben die 28 anderen Buchstaben auf der gleichen Medaillenseite, dessen  Bedeutung Sie alle wohl kennen, erschließt: Frieden durch Hingabe an Gott und Verwerfung der Weltversuchungen. Wer die Anweisungen unseres Vaters und Patriarchen Benedikt annimmt, wird sicher den Frieden erlangen, weil er „Christus nichts vorzieht“ (Reg 4,21 und 72,11);  „Christus ist unser Friede“ (Eph 2,14), weil „der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus behüten“ wird (Phil 4,7).

Amen!