17 06 18 Predigt von Nuntius Eterovic am 11. Sonntag im Jahreskreis

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 11. Sonntag im Jahreskreis – LJ A

Berlin, 18. Juni 2017
 

 
„Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
Das heutige Evangelium zeigt uns Jesus in seiner Sendung, in die er auch die Jünger einbezieht. Im Teil des Matthäusevangeliums erkennen wir die Quelle der Sendung (I), die Art und Weise (II) und ihren Inhalt (III). Über diese Aspekte wollen wir kurz nachdenken.
 
Um das Handeln Jesu richtig zu verstehen, ist es wichtig, sich bewußt zu bleiben, daß dies seiner Entscheidung vorangeht, die Zwölf auszusenden. So schreibt der Evangelist: „Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden“ (Mt 9,35). 
 
1. Die Quelle der Sendung.
 
Als er die Menge sah, müde und erschöpft, wie eine Herde ohne Hirten, hatte Jesus „Mitleid mit ihnen“ (Mt 9,36). Das Mitleid Jesu prägt seinen großen Einsatz beim Werk der Evangelisierung und des Heils, das Gott der Vater ihm anvertraut hat. Nach seinen eigenen Worten ist Jesus gekommen, den Willen des Vaters zu tun (vgl. Joh 4,34). Der Herr Jesus hat den Inhalt dieses Willens geoffenbart: „Es ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Letzten Tag. Denn es ist der Wille meines Vaters, dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben und dass ich sie auferwecke am Letzten Tag“ (Joh 6,39-40). Das menschliche Herz Jesu leidet mit dem Schicksal der Menschen, seinen Landsleuten mit, die er müde und orientierungslos sieht. Jesus konnte angesichts dieser Situation nicht passiv bleiben. Aus seinem Mitleiden erwächst seine Sendung. Seine Worte und sein Verhalten reflektieren das Empfinden mit Gott dem Vater, der gleichsam aus Mitleid mit unseren Anliegen (vgl. das Gleichnis vom barmherzigen Vater/verlorenen Sohn Lk 15,11.32) seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat. Zu seinen Jüngern gewandt, sagt der auferstandene Herr: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21). Jede Sendung kommt also von Gott. „Er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4).
 
Daher kommt jede Sendung von Gott dem Vater und vom Sohn durch den Heiligen Geist. Jesus allein konnte das Evangelium vom Reich nicht allen Bewohnern Israels verkünden. Aus diesem Grund hat er seine Jünger für dieses Werk um sich versammelt. Es ist Gott, der ruft und aussendet; die Menschen können diesen Ruf und den Einsatz für das Werk der Evangelisierung annehmen oder ablehnen. Danken wir Gott, daß er uns gerufen hat, am Werk der Evangelisierung, an der Fortsetzung des Heilswirkens Jesu Christi in der heutigen Welt mitzuwirken. Erbitten wir die Gabe des Heiligen Geistes, um ähnlich mit unseren Brüdern und Schwestern mitzuleiden, die heute ebenso müde und erschöpft sind und auf die Verkündigung des Evangeliums warten, vor allem durch das Zeugnis unseres Lebens, wie auch, wenn es nötig ist, durch unsere Worte. 
 
2. Die Art und Weise der Sendung.
 
Nachdem er gesagt hatte: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“ (Mt 9,37), fordert Jesu die Jünger auf: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38). Das Gebet nimmt einen wichtigen Platz im Leben Jesu ein. Es ist auch ein wesentlicher Teil in seiner Sendung der Evangelisierung. Das Gebet ist der Horizont, unter dem Jesus denkt und handelt. Es ist schon gegenwärtig in der Reflektion über die soziale und religiöse Situation seiner Zeit und in der Feststellung, seine Zeitgenossen seien „wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36). Es handelt sich um ein Gebet an Gottvater, „den Herrn der Ernte“ (Mt 9,38). 
 
Nach diesen Voraussetzungen für die Sendung wählt Jesus die zwölf Apostel. Der Heilige Matthäus zählt ihre Namen auf (vgl. Mt 10,2-4). Bevor er sie aber aussendet, gibt er ihnen geistliche Bevollmächtigungen: „Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen“ (Mt 10,1). 
 
Auch in unserer Sendung müssen wir uns dieser Aspekte des Rufes, der Vorbereitung, des Studiums der sozialen, kulturellen und religiösen Situation der Menschen, wohin wir gesandt werden, bewußt bleiben. Wesentlich ist es, dies alles im Horizont des Gebetes zu tun und im Bewußtsein, daß die Quelle der Sendung vom dreieinen Gott kommt, der uns zu diesem wichtigen kirchlichen Dienst gerufen hat und uns die Möglichkeit gibt, sie „als Diener Christi und als Verwalter von Geheimnissen Gottes“ (1 Kor 4,1) zu erfüllen.
 
3. Der Inhalt der Sendung.
 
Der Inhalt der Sendung der Apostel spiegelt jene von Jesus selbst. Wir haben schon gehört, sie bestand darin, sich auf den Weg zu machen: „Jesus zog durch alle Städte und Dörfer“, in der Lehre: Jesus „lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich“ und in der Heilung der Kranken: „ Jesus „heilte alle Krankheiten und Leiden“ (Mt 9,35). Analog hierzu gab Jesus den Zwölf die folgenden Weisungen: „Geht und verkündet: „Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus“ (Mt 10,7-8). Die Zwölf sollen dies alles umsonst tun, denn umsonst haben sie die Gabe der Berufung und der Sendung von Gott erhalten (vgl. Mt 10,8). 
 
Die Grenzen, die Jesus den Jüngern auferlegt, könnten uns überraschen, nämlich nicht zu den Heiden und in die Städte der Samariter zu gehen, „sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 10,5-6). Ohne ins Detail zu gehen, ist nötig zu sagen, es handelt sich um ein Gesetz der Inkarnation. Das Wort ist Fleisch geworden (vgl. Joh 1,14), wollte wie ein normaler Mensch leben, den Grenzen von Raum und Zeit unterworfen. Auch war seine Sendung auf die Glieder des erwählten Volkes Israel gerichtet, das Gott als sein Volk erwählt hat und „unter allen Völkern sein besonderes Eigentum“ (Ex 19,6). Der monotheistische Glaube Israels inmitten von polytheistischen Völkern war ein bedeutendes Zeugnis für den Glauben an den wahren Gott. Die Berufung Israels hat dadurch im Lauf der Zeit eine universale Dimension angenommen. Ähnliches geschah auch mit Jesus Christus und seinem Evangelium. Erst nach der Auferstehung hat der verherrlichte Jesus, dessen Menschennatur unter die Gottheit trat, den Aposteln aufgetragen, in die ganze Welt zu gehen und das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden“ (Mk 16,15). Die Wurzeln des Evangeliums, die fest im Heiligen Land, im Land Jesu eingepflanzt sind, brachten dank des Wirkens des Heiligen Geistes und vieler Jünger Jesu neue Triebe der Guten Nachricht in der ganzen Welt, denn sie haben mit Eifer und in Selbstverleugnung das Gebot des Herrn in die Tat umgesetzt. 
 
Auch wir, liebe Brüder und Schwestern, haben die Aufforderung erhalten, an einem besonderen Ort, den die göttliche Vorsehung und die Oberen für uns bestimmt haben , unsere Sendung zu tun. Suchen wir diese auf noch bessere Weise zu erfüllen. So werden wir einen wertvollen Beitrag zur Sendung der Kirche in der ganzen Welt leisten, wenn wir ihre missionarischen Kräfte materiell-ökonomisch und spirituell begleiten, vor allem durch das Gebet.
 
 
Möge die selige Jungfrau Maria für uns alle, die wir Jünger Jesu Christi und Missionare seines Evangeliums sind, eintreten, damit wir vom Heiligen Geist geführt unsere Sendung treu erfüllen, die Gott uns durch seine Kirche anvertraut hat. Amen.