17 06 19 Predigt von Nuntius Eterovic in der Hl. Messe mit dem Päpstl. Missionswerk der Frauen in Koblenz

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
in der Heiligen Messe mit dem Päpstlichen Missionswerk der Frauen in Deutschland

Koblenz, 19. Juni 2017
 

 
„Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab“ (Mt 5,42).
 
Exzellenz!
Verehrte Mitbrüder im Priesteramt!
Liebe Schwestern!
 
Der göttlichen Vorsehung bin ich dankbar für diese Begegnung mit Euch, den Mitgliedern des Päpstlichen Missionswerkes Deutschland hier in Eurer Zentrale in Koblenz. Der Höhepunkt dieser Begegnung ist die Feier der Eucharistie, die uns alle versammelt: in sichtbarer Weise mit Euch, den Mitgliedern des Vorstands des Päpstlichen Missionswerkes mit Frau Margret Dieckmann-Nardmann an der Spitze und in spiritueller Weise mit allen rund 3.000 Mitgliedern dieses päpstlichen Werkes der Frauen in allen Teilen Deutschlands und durch sie mit allen Frauen auf der Welt, mit denen dieses wertvolle Werk verbunden ist.
 
Das Wort Gottes, das wir gehört haben, gibt uns für unsere Reflektion wichtige Punkte. Ich möchte drei davon behandeln, die man mit drei Worten ausdrücken kann: Gruß (I), Heiligkeit (II) und Dank (III). 
 
1. Gruß.
 
Es freut mich, Euch die herzlichen Grüße des Heiligen Vaters Franziskus zu übermitteln, den ich die Freude habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. Jesus Christus hat gewollt, seine sichtbare Kirche auf das Fundament des Glaubens des Apostels Petrus und seiner Nachfolger zu gründen. Auf das Bekenntnis des Simon Petrus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16) antwortet der Herr Jesus: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,17-19). In der von Jesus Christus gewollten Kirche hat der Bischof von Rom eine wesentliche Rolle der Einheit und der Liebe. So lehrt das II. Vatikanische Konzil: „Der Bischof von Rom ist als Nachfolger Petri das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen“ (LG 23). Mit dem Apostolischen Nuntius, dem Vertreter von Papst Franziskus, dem 266. Bischof von Rom, leben wir diese Einheit in der Liebe ganz konkret. Als Zeichen der Gemeinschaft mit dem Römischen Pontifex und Hirten der Universalkirche, spende ich Euch gerne am Ende der Heiligen Messe den Apostolischen Segen. 
 
2. Heiligkeit.
 
Die beiden Lesungen, die wir gehört haben, erinnern uns daran, das Ideal des christlichen Lebens zu leben, und dies ist die Heiligkeit. Der Heilige Paulus ermahnt die Christen in Korinth und uns alle, daß wir „seine Gnade nicht vergebens“ empfangen haben (2 Kor 6,1). Der Ruf Gottes meint jeden von uns und in jedem Moment unseres Lebens: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung“ (2 Kor 6,2). Der Völkerapostel mahnt die Christen darüber hinaus, sich auch inmitten von Schwierigkeiten und Verfolgungen gut zu verhalten „durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe“ (2 Kor 6,6). Im heutigen Evangelium des Heiligen Matthäus aus der Bergpredigt, die gleichsam sein Programm umfasst, und in gewisser Weise die Synthese des Evangeliums ist, bestärkt Jesus diese Aufforderung. Alle die ungewöhnlichen Haltungen: auf Gewalt nicht mit Gewalt antworten, die andere Wange hinhalten, dem anderen nicht nur den Mantel geben, sondern auch noch das Hemd, dem ein Darlehen geben, der danach fragt oder es braucht (vgl. Mt 5,34-42) werden zur großartigen Zusammenschau gebracht, die Jesus Christus mit folgenden Worten zum Ausdruck bringt: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ (Mt 5,48). Diese starken Worte des Herrn beziehen sich auf die Aufforderung Gottes im Alten Testament: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig“ (Lev 19,2).
 
Liebe Schwestern und Brüder, der Ruf zur Heiligkeit gilt jedem Christen. Das II. Vatikanische Konzil erinnert an diese Wahrheit, vor allem im 5. Kapitel der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium, das überschrieben ist mit: „Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit in der Kirche“. In dem Dokument steht unter anderem geschrieben: „Jedem ist also klar, daß alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind. Durch diese Heiligkeit wird auch in der irdischen Gesellschaft eine menschlichere Weise zu leben gefördert. Zur Erreichung dieser Vollkommenheit sollen die Gläubigen die Kräfte, die sie nach Maß der Gnadengabe Christi empfangen haben, anwenden, um, seinen Spuren folgend und seinem Bild gleichgestaltet, dem Willen des Vaters in allem folgsam, sich mit ganzem Herzen der Ehre Gottes und dem Dienst des Nächsten hinzugeben. So wird die Heiligkeit des Gottesvolkes zu überreicher Frucht anwachsen, wie es die Kirchengeschichte durch das Leben so vieler Heiliger strahlend zeigt“ (LG 40).
 
Alle Christen, Frauen und Männer, Jugendliche, Erwachsene und Alte sind zur Heiligkeit gerufen. Sie gründet in der Taufe, mit der jeder Christ Glied am mystischen Leib Jesu Christi, Tempel des Heiligen Geistes und Kind Gottvaters wird. Das ist Basis der gleichen Würde aller Christen, worauf sich der allgemeine Ruf zur Heiligkeit gründet. Diesem Ziel dienen die verschiedenen Charismen, Dienste und Ämter in der Kirche. Die Christen sind im Wettstreit auf dem Weg zur Heiligkeit, welche das Kriterium eines erfolgreichen Glaubenslebens und des christlichen Zeugnisses innerhalb der Familie, der Kirche und der Gesellschaft ist. 
 
3. Dank.
 
Das Päpstliche Missionswerk der Frauen in Deutschland hat schon viel Gutes in der Kirche in Deutschland und in der Welt getan, vor allem auf missionarischem Gebiet. Es leistet einen großen Beitrag zu dem wertvollen Werk der Unterstützung der Missionen auf der ganzen Welt, eine Unterstützung im Gebet und der kirchlichen Gemeinschaft, aber auch materielle und ökonomische Hilfe. Aus diesem Grund danke ich Euch allen von ganzem Herzen persönlich und vor allem im Namen des Heiligen Vaters Franziskus. Der gute und barmherzige Herr wird diese Großherzigkeit lohnen, die ihr unseren Schwestern und auch Brüdern zeigt, die der spirituellen und materiellen Hilfe bedürfen. Ohne in die Einzelheiten zu gehen, ist Euer Einsatz der menschlichen und christlichen Förderung von Frauen in Afrika, in Asien, in Lateinamerika und Osteuropa zu erwähnen. Besonders ist an die Unterstützung durch das Gebet zu erinnern, das von finanziellen Hilfen an die jungen Kirchen begleitet wird, auch in der bereitgestellten notwendigen Hilfe für die liturgischen Feiern. Euer Einsatz ist des Lobes würdig, wenn es darum geht, die Leiden der Behinderten zu erleichtern, die Folgen der Menschenrechtsverletzungen zu mindern. Bitten wir den guten und barmherzigen Gott, daß Eure Gebete und Werke der Liebe in Kirche und Welt bekannter werden, und daß sich viele andere Frauen für diesen wichtigen kirchlichen Dienst einsetzen.
 
Bei unseren Überlegungen darf die wichtigste Frau der Heilsgeschichte nicht fehlen, die selige Jungfrau Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter. Sie zeigt uns die Bedeutung des Ideals der Heiligkeit, die sie mit Hilfe der Gnade Gottes erreicht hat. Gott, allmächtig und in unserer Mitte gegenwärtig als Emmanuel – Gott mit uns (vgl. Mt 1,23), hat stets ihr Leben geführt, in den schmerzlichen wie den freudigen Momenten. Vertrauen wir ihr, die „voll der Gnade“ ( Lk 1,28) ist, unsere Gedanken an, damit der Heilige Geist uns erleuchte, dem Herrn Jesus auf dem Weg der Heiligkeit zu folgen, um immer besser Gott den Vater, Sohn und Heiligen Geist loben zu können und unseren Nächsten zu dienen, vor allem denen, die Jesus Christus und sein Evangelium noch nicht kennen und die entweder in Deutschland oder in den traditionellen Missionsgebieten leben. Auf diese Weise werden wir zeigen, daß wir das Wort Jesu strikt verstanden haben: „Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab“ (Mt 5,42). Das wertvollste Geschenk, das wir anderen machen können, ist der christliche Glaube, der auf vorzügliche Weise in den Seligpreisungen dargestellt ist. Amen.