17 07 09 Predigt von Nuntius Eterovic am 14. Sonntag im Jahreskreis

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 14. Sonntag im Jahreskreis 

Berlin, 9. Juli 2017
 

 
„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast“ 
(Mt 11.25).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Die Freude des Evangeliums, Evangelii gaudium, heißt der Titel des bekannten Apostolischen Schreibens des Heiligen Vaters Franziskus. Bei der Meditation über die Lesungen des heutigen Sonntags sind mir diese Worte in den Sinn gekommen, welche die Freude unterstreichen, mit der die Christen das Evangelium leben sollen, die gute Nachricht, die uns Jesus Christus offenbart hat. Die Freude des Evangeliums könnte der Schlüssel zum Verständnis des Wortes Gottes sein, das wir eben gehört haben. Sie wurde schon im Alten Testament verkündet (I), bekommt seine volle Wirklichkeit mit dem Kommen Jesu Christi (II) und gibt auch den schwierigen Momenten des christlichen Glaubens Sinn (III). 
 
1. Die Freude der Tochter Zion.
 
Die erste Lesung aus dem Buch des Propheten Sacharja ermuntert zur Freude: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem!“ (Sach 9,9). Grund dieser Freude ist das Kommen des Messias: „Sieh, dein König kommt zu dir“ (Sach 9,9). Es handelt sich um einen ganz besonderen König. Denn er allein ist „gerecht und hilft“ (Sach 9,9), doch dabei ist er demütig und verkündet den Frieden. Seine Demut wird durch die Tatsache hervorgehoben, daß er „auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin“ reitet (Sach 9,9). Ein Esel steht im Kontrast zu den Pferden, welche die Kriegswagen ziehen. Der Messias, so milde und demütig, wird dennoch siegreich sein. Er vernichtet „die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, vernichtet wird der Kriegsbogen“ (Sach 9,10). Wenn der Krieg beendet ist, „verkündet (der Messias) für die Völker den Frieden“ (Sach 9,10), einen Frieden, der sich über die ganze Erde erstreckt, „von Meer zu Meer und vom Euphrat bis an die Enden der Erde“ (Sach 9,10). Die Prophetie des Sacharja ist mit dem Kommen Jesu Christi verwirklicht. Besonders deutlich wird diese Erfüllung beim triumphalen Einzug in Jerusalem vor seinem Leiden und der glorreichen Auferstehung (vgl. Mt 21,1-11). 
 
2. Die Freude Jesu.
 
Das heutige Evangelium des Heiligen Matthäus erlaubt uns, in die tiefen Gefühle Jesu Christi in einem besonderen Moment seines Lebens einzutauchen. Er hat von der Erfolglosigkeit seiner Mission in den Städten Chorazin und Betsaida erfahren, deren Bewohner sich nicht auf die Predigt Jesu hin bekehrten, die von zahlreichen Wundern begleitet wurde (vgl. Mt 11,20-24). In diesem Moment der Vergeblichkeit hat Jesus klar erkannt, daß das Reich Gottes den Großen der Welt verschlossen bleibt und offen ist für die Kleinen. Dafür preist er Gott seinen Vater. Die Worte Jesu sind sehr persönlich und von geistlichem und theologischem Reichtum, und sie verdienen es, nochmals gehört zu werden: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast“ (Mt 11,25). Die Kleinen, das sind jene, deren Herzen offen sind für den Heiligen Geist, und die Gottes Ruf durch die Worte und Werke Jesu erkannt haben. Dagegen blieben die anderen Menschen, möglicherweise gebildet und in der Gesellschaft angesehen, der Verkündigung des Evangeliums gegenüber verschlossen, so daß die Predigt Jesu nicht in ihre Herzen gelangen und die notwendige Umkehr nicht bewirken konnte. 
Den Kleinen ist sodann das Geheimnis Gottes offenbart worden, die einzigartige Verbindung zwischen Jesus und dem Vater. Nachdem er gesagt hatte: „Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden“ (Mt 11,27), führt er näher aus: „Niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn“ (Mt 11,27). Die Kleinen können dieses Geheimnis des dreieinen Gottes in der Gnade des Geistes Gottes, welcher der Geist Jesu ist, wie der Heilige Paulus in der zweiten Lesung schreibt (vgl. Röm 8,9), und in der Offenbarung des Gottessohnes verstehen: „Niemand kennt den Vater, nur der  Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will“ (Mt 11,27). Jesus Christus hat uns Christen diese Wahrheit offenbart und aus diesem Grund nehmen wir teil an seiner Freude, an seinem Jubel, wie der Heilige Lukas in seiner Version des heutigen Evangeliums zeigt: „In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen“ (Lk 10,21). 
 
3. Die Freude auch in den Schwierigkeiten.
 
Jesus Christus kennt die geistlichen und materiellen Schwierigkeiten, denen auch der Christ im Laufe seines Lebens begegnet. Daher lädt er ein: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28). Der Mensch kann seinen Durst nach der Wahrheit nur in der Einheit mit dem Herrn Jesus stillen, Ruhe finden für seine Seele und den Grund des Leidens wahrnehmen. Jesus selbst wurde mit Ablehnung, Verleumdungen, dem Schmerz und der Verurteilung zum Tode am Kreuz konfrontiert. Er aber hat alles durch die Liebe überwunden, um den Willen des Vaters zu erfüllen, der alle Menschen retten will (vgl. 1 Tim 2,4). Vereint mit Jesus, der „gütig und demütig von Herzen“ (Mt 11,29) ist, brauchen die Christen kein Hindernis fürchten, Leiden, Verfolgung und Martyrium eingeschlossen. Jesus Christus zeigt uns, daß wir Ruhe für unsere Seele finden, wenn wir sein Joch auf uns nehmen, denn sein Joch drückt nicht, und seine Last ist leicht (vgl. Mt 11,29). Der Herr Jesus erläutert uns nicht die Gründe der Leiden, die zuweilen große Ausmaße annehmen können und menschlich gesehen unaussprechlich sind. Er hilft uns aber, den Sinn der Liebe zu Gott und zum Nächsten zu entdecken. Auch im Ölgarten, nachdem er Gottvater gebeten hatte, den Kelch des Todes von ihm zu nehmen, ist Jesus in der Hand des Vaters geblieben, wenn er sagt: „Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen“ (Lk 22,42). Jesus Christus, „gütig und demütig von Herzen“ (Mt 11,29), ermuntert uns alle, an seiner Liebe in den freudigen und schmerzlichen Momenten des Lebens teilzuhaben. Der auferstandene und in unserer Mitte gegenwärtige Herr ist, geführt vom Heiligen Geist, in der Lage, uns die Freude der christlichen Berufung auch inmitten von Verfolgung zu schenken. Erinnern wir uns der Freude der Apostel, die für den Meister gelitten haben: „Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden“ (Apg 5,41).
 
Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir unsere Reflektionen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der wahren Tochter Zion, welche die Freude kannte, die Erfüllung der Prophetie über den gerechten, siegreichen, demütigen und friedensbringenden Messias in ihrem Sohn Jesus zu sehen. Nach seinem Leiden und Tod freute sie sich über seine Auferstehung, welche die Verheißung der Auferstehung für alle ist, die an Ihn glauben. Wir alle können teilhaben an dieser Freude und uns zum Lobpreis des eingeborenen Sohnes vereinen, wenn wir rufen: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast“ (Mt 11,25). Amen.