17 07 16 Predigt von Nuntius Eterovic im Pontifikalamt zum Hausherrenfest in Radolfzell

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail


 
Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
im Pontifikalamt zum Hausherrenfest

Radolfzell, Münster ULF,  16. Juli 2017
 

 
„Selig, die arm sind vor Gott……Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet“ (Mt 5,1.11).
 
Liebe Mitbrüder im priesterlichen (und diakonischen) Dienst, 
liebe Brüder und Schwestern!
 
Der göttlichen Vorsehung danke ich, mit Euch die Heilige Messe im geschichtsträchtigen Münster Unserer Lieben Frau von Radolfzell aus Anlass des Festes Eurer Heiligen Hausherren feiern zu können. Ich bin besonders Eurem Herrn Pfarrer Michael Hauser für seine freundliche Einladung dankbar, dieser feierlichen Eucharistie vorzustehen, die ich gerne angenommen habe. Der schriftlichen Einladung im letzten Jahr war eine mündliche Einladung von Pfarrer Hauser bei einem privaten Besuch Eurer schönen Stadt vorausgegangen, in deren Herzen sich diese Pfarrkirche befindet. Das geschah, als ich zur Spendung des Firmsakramentes an junge Menschen der Kroatischen Mission in Singen und Villingen unterwegs war. Gott sei Dank ließ sich diese doppelte Einladung für heute realisieren. 
 
Es freut mich, Euch die herzlichen Grüße des Heiligen Vaters Franziskus, des Bischofs von Rom und Hirten der Universalkirche, zu übermitteln, den ich die Freude habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. In dieser Eucharistiefeier beten wir in besonderer Weise für Papst Franziskus, den 265. Nachfolger des Heiligen Apostels Petrus. Er verfolgt die gleiche Sendung wie der Heilige Petrus und bekennt öffentlich und im Namen der Kirche: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). Auf diesem Glauben ist die Kirche nach den Worten des Herrn Jesus gegründet: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,17-18). Für den Glauben, den er bekannte, wurde Simon Petrus von Jesus gelobt und selig genannt. In diesem Sinn setzt der erste der Apostel die Seligpreisungen in die Praxis um, die Jesus verkündet hatte und die wir im heuten Evangelium gehört haben. Indem er dem Willen Gottes folgt und die Mission erfüllt, die der Herr ihm anvertraut hat, erneuert der Heilige Vater den Glauben an Jesus Christus, den Menschen und Gott, und ermuntert alle Christen, seine authentischen Zeugen und eifrige Missionare des Evangeliums zu sein. Öffnen wir unsere Herzen der Gnade des Heiligen Geistes und antworten wir großherzig auf diesen Ruf, der nichts anderes als die Aufforderung bedeutet, gute Christen zu sein. Als Zeichen der Einheit mit dem Obersten Pontifex, erteile ich Euch am Ende der Heiligen Messe im Namen des Heiligen Vaters den Apostolischen Segen.
 
Liebe Brüder und Schwestern, was bedeutet es, die heiligen Patrone liturgisch zu feiern? Welchen Sinn hat heute, an die Heiligen Theopont, Senesius und Zeno zu erinnern? Die verkündeten Stellen aus der Heiligen Schrift helfen, auf diese Fragen zu antworten. Sie zeigen die Kraft des Wortes Gottes an (I), ihre Konkretisierung in den Seligpreisungen (II) und die Wichtigkeit ihrer Anwendung im Leben der Christen, die dazu gerufen sind, heilig zu werden (III). 
 
1. Die Kraft des Wortes Gottes.
 
Die Heiligen Theopont, Senesius und Zeno zeigen durch ihr Leben die Wirksamkeit des Gotteswortes. In der ersten Lesung haben wir die Beschreibung der Kraft des göttlichen Wortes durch den Propheten Jesaja gehört. Wie der Regen und der Schnee die Erde fruchtbar machen und das Wachstum anregen, „so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe“ (Jes 55,11). Im Hebräerbrief wird unterstrichen: „Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden“ (Hebr 4,12-13). Das Wort schlechthin ist Jesus Christus, das Wort, das Fleisch geworden ist (vgl. Joh 1,14). In Ihm, dem Wort Gottes, sind alle Worte zusammengefasst, denn Er ist das endgültige Wort an die Welt. 
 
Die Heiligen Theopont, Senesius und Zeno haben dem Wort Gottes, Jesus Christus ihr Herz geöffnet. Ihr Herzen wurden fruchtbares Land, auf dem das Wort Gottes keimen, wachsen und Frucht bringen konnte. Es handelt sich um ein positives Beispiel der Fruchtbarkeit des Wortes Gottes. Leider gibt es negative Beispiele, wenn der Mensch sein Herz und seinen Geist dem Wort Gottes verschließt und auf diese Weise unwirksam macht. In diesem Sinne ist ein solches Herz einem Herz aus Stein ähnlich, das undurchlässig für den Regen wird, für die Gnade Gottes und somit verhindert, daß das Wort Gottes wirksam und fruchtbar ist. 
 
2. Die Seligpreisungen.
 
Das heutige Evangelium des Heiligen Matthäus enthält die Seligpreisungen, die Magna Charta des Christentums. Jesus Christus hat darin die Gute Nachricht verdichtet, die wesentliche Botschaft des Evangeliums, das er nicht müde wird zu verkündigen. Der Herr Jesus zeigt sich als Autorität. Wie einst Mose, der auf dem Berg Sinai die Gesetzestafeln empfängt, so steigt auch Jesus, der neue Mose „auf einen Berg“ (Mt 5,1), um die Seligpreisungen zu verkünden. Er setzte sich (vgl. Mt 5,1) wie ein Meister und begann, seine Jünger zu unterweisen. Gute neun Mal wiederholt Jesus das Wort „selig“, das heißt gesegnet, denen, die schon zum Reich Gottes gehören, und er ergänzt dieses Wort jeweils mit einer besonderen Präzisierung. Erinnern wir uns kurz dieser Präzisierungen und halten uns die Person Jesu Christi vor Augen, den einzigen, der auf vollkommene Weise die Bedeutung aller Seligpreisungen gelebt hat. So erklärt er uns den Inhalt und die Bedeutung der Seligpreisungen und gibt uns ein Beispiel, wie wir sie leben können. Selig sind die Armen im Geiste, das heißt jene, die sich nicht auf materielle Güter stützen, aber darüber gewiss sind, Gott und seine Gnade nötig zu haben. Selig die Bedrängten, also jene, die unter den Behinderungen leiden, welche die Welt der Verwirklichung von Gottes Willen in den Weg legt. Selig die Sanftmütigen, welches jene sind, die sich zu behaupten wissen und nach dem Liebesgebot dem Bösen mit dem Guten begegnen. Selig die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, was die Erfüllung jeder Pflicht Gott gegenüber bedeutet. Selig die reinen Herzens sind, also jene, die transparent und von materiellen und spirituellen Dingen unbehindert sind, um Gott zu sehen. Selig die Friedensstifter, also die, welche den Frieden leben und fördern - in ihren Herzen, in ihren Familien und ihrem Umfeld, wo sie leben und arbeiten, und so wahre Söhne Gottes sind. Die beiden letzten Seligpreisungen sind typisch christlich. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden und „selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet“ (Mt 5,11). Jesus Christus ermuntert die Christen, sich zu freuen und in solchen Situationen der Verfolgung zu jubeln, denn reicher Lohn wartet im Himmel. Er gibt uns die Propheten zum Beispiel, die verfolgt wurden (vgl. Mt 5,12), vor allem aber sich selbst. Auch wenn er unschuldig war, so wurde er verleumdet, verfolgt und zu Unrecht angeklagt, zum Tode verurteilt und umgebracht. Aber Gott ließ Gerechtigkeit walten und hat Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn zur Herrlichkeit auferweckt und ließ ihn zu seiner Rechten Platz nehmen. Indem alle Heiligen, Theopont, Senesius und Zeno eingeschlossen, Jesus Christus gefolgt sind, haben sie die Seligpreisungen gelebt und dafür den Lohn des ewigen Lebens erworben. 
 
3. Die Aufforderung zur Heiligkeit.
 
Auch Ihr, liebe Brüder und Schwestern, seid aufgefordert, Eure Schutzpatrone nachzuahmen und insbesondere Jesus Christus, „die Freudenkrone der Heiligen“ (Vesper eines Heiligen). Er selbst fordert uns auf: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ (Mt 5,48). Diese Ermahnung gründet sich auf jener schon im Alten Testament bekannten, wo JHWH die Angehörigen seines Volkes auffordert: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig“ (Lev 19,2). Die Kirche gibt uns die Heiligen nicht allein zur Verehrung, sondern als Beispiel, dem wir folgen sollen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat sehr klar herausgestellt, daß alle Christen zur Heiligkeit gerufen sind, besonders im Kapitel V der Dogmatischen Konstitution Lumen Gentium, das überschrieben ist: Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit in der Kirche. Daher laden auch die heiligen Patrone Theopont, Senesius und Zeno uns ein, dem von Jesus Christus aufgezeigten Weg zu folgen, die Seligpreisungen zu leben, um heilig zu werden durch ein persönliches, familiäres und soziales christliches Leben. Ja, die Heiligkeit der Christen muss sich auch widerspiegeln im zivilen öffentlichen Raum, wie es auch die Geschichte Eurer Stadt bezeugt. Sie wurde vom Heiligen Radolt im 9. Jahrhundert gegründet, und er brachte die Reliquien mit, die noch heute verehrt und bei Prozessionen durch die Straßen der Stadt geführt werden. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir unsere Überlegungen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Gottesmutter und unsere Mutter, die in Eurer Stadt sehr verehrt wird, wie auch diese Kirche zeigt, die ihr geweiht ist. Folgen wir ihrem Beispiel durch die Offenheit für das Wort Gottes, um fruchtbares Land zu werden, damit dieses Wort durch die Gnade des Heiligen Geistes in uns keimen, wachsen und Frucht bringen kann. Sie, die selig ist, weil sie geglaubt hat (vgl. Lk 1,45), möge für jeden von uns die Gnade des Glaubens erbitten, besonders für jene, die sich von Gott und der Kirche entfernt haben. So erfahren wir die Freude, an Jesus Christus zu glauben, die Seligpreisungen zu leben und den missionarischen Eifer, ihn den Nahen und Fernen zu verkünden, vor allem durch ein christliches Leben auf dem Weg zur Heiligkeit. Amen.