17 09 03 Predigt von Nuntius Eterovic am 22. Sonntag im Jahreskreis

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am  22. Sonntag im Jahreskreis – LJ A

Berlin, 3. September 2017


 
„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,24).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Konzentrieren wir unsere Reflektion an diesem 22. Sonntag im Jahreskreis auf das Stück des Evangeliums, das eben vorgetragen worden ist. Suchen wir, die Gefühle des Petrus (I) und Jesu (II) zu verstehen, um unsere Haltung zum Herrn überprüfen zu können, der seinen Jüngern offen seinen Tod verkündet hat (III), wenn es heißt, „er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen“ (Mt 16,21).
 
1. Die Haltung des Petrus.
 
Angesichts der Ankündigung des Leidens und Todes Jesu reagiert Petrus. Kurz zuvor hat er, vom Heiligen Geist erfüllt, bekannt, daß Jesus der Messias sei, „der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). Wegen dieses Bekenntnisses preist ihn Jesus: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Mt 16,17). Auf diesen Glauben des Petrus gegründet, vertraut er ihm eine neue Mission an: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). 
 
Aus den biblischen Erzählungen wissen wir, daß der Apostel Petrus spontan und ehrlich war; einer, der bereitwillig sagte, was er dachte. Er hatte nicht die Absicht, Jesus vor den anderen Jüngern zu tadeln, möglicherweise deswegen, um nicht sein Ansehen zu beschädigen, das dieser als Meister hatte. Daher nahm er ihn beiseite, um ihn von diesem tragischen Schicksal und der Erwartung des gewaltsamen Todes abzubringen. Aus seinen Worten: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen“ (Mt 16,22) können wir schließen, daß Petrus den Herrn Jesus geliebt hat, ihn schützen und auch das Denken an das Leid und den Tod am Kreuz weit von ihm fernhalten wollte. Er ist auf den ersten Teil der Ankündigung konzentriert, der sich auf den Tod bezieht. Vielleicht wusste er in diesem Moment auch nicht, was es bedeutet, von den Toten auferstehen, wie der Evangelist Markus bezeugt (Mk 9,10). Die Apostel hatten eine menschliche und politische Vision vom Messias und hofften, er würde Israel befreien (vgl. Lk 24,21). 
 
2. Die Haltung Jesu.
 
Auf die Worte des Petrus antwortet der Herr Jesus mit Verachtung und Entschlossenheit. „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23). Kurz zuvor hatte Jesus noch lobende Worte für Simon Petrus: „Selig bist du, Simon Barjona“ (Mt 16,17). Jetzt aber vergleicht er ihn mit dem Satan. Dieser Wechsel ist dem veränderten Verhalten des Petrus geschuldet. Vorher sprach er vom Heiligen Geist erfüllt. Jetzt bringt er Jesus gegen sich auf, weil er ihn dazu drängen will, von Gottes Plan zu lassen, die Welt durch das Ostergeheimnis, die Passion, den Tod und die Auferstehung, zu retten. Das gleiche Verlangen hat auch der Satan, der Jesus bereits am Anfang seines öffentlichen Wirkens versucht hat und ihn vom Heilsplan abbringen wollte (vgl. Mt 4,1-11). 
 
Im heutigen Evangelium drückt der Herr ohne Zögern seine Gedanken aus, auch wenn er weiß, daß sie nicht mit der Denkhaltung dieser Welt übereinstimmen. Dieses Verhalten erinnert an jenes, das Jesus in der Eucharistierede eingenommen hatte, über das Brot des Lebens, das heißt, über seinen Leib, den seine Jünger essen sollen, um das ewige Leben zu erlangen (vgl. Joh 6,48.51). Obwohl er wusste, dass ihn viele verlassen würden, änderte er seine Rede nicht (vgl. Joh 6,63). 
 
Indem er die Versuchung des Petrus zurückweist, welche die Versuchung der Welt ist, bekräftigt er klar und entschieden den Heilsplan durch Leiden und Kreuz. Mehr noch offenbart er, daß seine Jünger das gleiche Schicksal auch erleiden werden: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,24). Diese Hingabe führt zum Sieg; der Tod ist das Tor zur Auferstehung. Der Herr bekräftigt daher: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“ (Mt 16,25). 
 
3. Unsere Haltung.
 
Welche ist unsere Haltung den zwei Persönlichkeiten im Evangelium gegenüber, zu Jesus und zu Petrus, liebe Brüder und Schwestern? Wir kennen natürlich die Lehre Jesu Christi, die er durch die Hingabe seines Lebens zu unserem Heil bestätigt hat. Uns ist auch die Aufforderung des Herrn an seine Jünger bekannt, ihm zu folgen und das Kreuz zu tragen. Dennoch verhalten wir uns im alltäglichen Leben oft so wie der Apostel Petrus. Wir können den Weg Jesu nicht teilen, seinen Tod als Weg zur Auferstehung, sondern suchen das Kreuz zu vermeiden. Oft sind wir versucht „das eigene Leben zu retten“ (Mt 16,25) und verschließen uns in unserem Egoismus, ohne an den anderen interessiert zu sein, vor allem nicht an denen, die materielle und spirituelle Hilfe nötig haben. Mit dieser Haltung handeln wir gegen uns selbst. Wenn wir denken, das Leben für uns zu bewahren, verlieren wir es in Wirklichkeit. Der Herr Jesus lehrt uns heute durch sein Wort, das Leben für sein Evangelium zu verlieren, um es sodann in Fülle zurückzuerhalten (vgl. Mt 16,25). Die Heiligen geben uns ein gutes Beispiel der Fruchtbarkeit einer solchen Haltung in der Nachfolge Jesu Christi. Auch der Apostel Petrus wurde heilig, weil er sein Leben für Jesus Christus und sein Evangelium hingegeben und das Martyrium in Rom angenommen hat. Sein Beispiel ist unserem sehr ähnlich, denn es war nicht geradlinig, wie es auch unser Leben oft nicht ist. Neben dem heutigen Evangelium, wo er die Zurechtweisung Jesu verdient hat, verleugnet der Heilige Petrus den Herrn Jesus im Verlauf der Passion dreimal (vgl. Lk 22,54-62). Berührt von der Gnade Gottes hat er bitterlich geweint und seinen Verrat bereut (vgl. Lk 22,62). Im Angesicht des auferstandenen Herrn hat er dreimal seine Liebe zu ihm bekannt (vgl. Joh 21,15-19). Im Licht dieser Ereignisse versteht man gut das Wort Jesu, das er an den Apostel Petrus richtet: „Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32). 
 
Liebe Brüder und Schwestern, nehmen wir die Aufforderung Jesu an, die er an Petrus, die Apostel und alle Christen richtet, und folgen ihm auf dem Weg nach Jerusalem, den Ort seiner Demütigung und seiner Verherrlichung. Tragen wir mit Jesus jeden Tag das Kreuz, indem wir unseren hilfsbedürftigen Brüdern und Schwestern immer mehr und besser dienen, weil wir in jedem von ihnen das Angesicht des leidenden Jesus Christus erblicken.  
 
Vertrauen wir diesen guten Vorsatz der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Gottesmutter und unserer Mutter, damit wir, offen für den Heiligen Geist, mit christlicher Freude die Ermunterung zur Hoffnung und zu einem Lebens annehmen, das in den Worten des Herrn Jesus verborgen ist: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,24). Amen.