17 10 01 Predigt von Nuntius Eterovic am 26. Sonntag im Jahreskreis

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Predigt S.E. Apostolischer Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 26. Sonntag im Jahreskreis – LJ A

Berlin, 1. Oktober 2017


 
„Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr“ (Mt 21,31).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Das Wort Gottes, das wir an diesem Sonntag gehört haben, ist sehr klar. Wir alle verstehen seinen Inhalt gut, besonders den der ersten Lesung über das richtige Verhalten des Menschen (I) und des Evangeliums über die Verpflichtung, den Willen Gottes zu erfüllen (II). Es bleibt, uns daran zu erinnern, was dieses Wort für uns bedeutet und wie wir es in die Praxis umsetzen können (III).
 
1. Der rechte Weg.
 
Gott (JHWH) bleibt immer der gute und barmherzige Gott, Quelle des Lebens für die Gläubigen, das heißt für jene, die den rechten Weg gehen. Der Mensch aber kann sich von Gott entfernen und vom Gerechten zum Ungerechten werden. Auf diese Weise verdammt er sich selbst: „Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben“ (Ez 18,26). Im Gegensatz dazu kann der Sünder seine Haltung ändern, die Gerechtigkeit üben und so das Heil erlangen: „Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. … (Er) wird bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben“ (Ez 18,27-28). Das Wort Gottes unterstreicht die personale Verantwortung eines jeden, auf Gott und seine Gesetze zu achten. Es fordert jeden in allen Augenblicken seines Lebens heraus. Den Sünder treibt es zur Umkehr, damit er zur Liebe Gottes zurückkehren kann und so das ewige Leben erhält. Es gibt allerdings die gegensätzliche Position: Ein Mensch kann vom rechten Weg abkommen, Unrecht tun und sterben. 
 
2. Den Willen Gottes erfüllen.
 
Im heutigen Evangelium besteht der Herr Jesus darauf, daß sein Gebot erfüllt wird. Im Gleichnis der zwei Söhne, die der Vater zur Arbeit in den Weinberg schickt, erfüllt der zweite den Willen des Vaters, auch wenn er anfangs nicht wollte und verneinend antwortete. Aber als er sich besann, hat er seine Beziehung zum Vater bedacht und ging voll Reue, um im Weinberg zu arbeiten (vgl. Mt 21,30). Im Gegensatz dazu versprach der erste Sohn, zur Arbeit in den Weinberg zu gehen, ging aber dann doch nicht. Dieses pharisäische Verhalten dient Jesus dazu, hart die Haltung der Hohenpriester und der Ältesten des Volkes zu kritisieren: „Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr“ (Mt 21,31). Die Zöllner und Dirnen sind die Bekehrten, die ihr altes Leben hinter sich gelassen haben, um dem Ruf Gottes zu folgen, der sie über Johannes den Täufer erreicht hat. Er ist gekommen auf dem „Weg der Gerechtigkeit“, denn der Vorläufer hat die richtige Beachtung des Willens Gottes verkündet, doch die Vertreter des Volkes haben ihm nicht geglaubt und bereuten nicht, „die Zöllner und Dirnen aber haben ihm geglaubt“ (Mt 21,32). Daher liebt sie Gott, und der Herr öffnet ihnen das Tor des Reiches. 
 
3. Die Aktualität der Lehre Jesu.
 
Das Wort Gottes richtet sich an uns auf persönliche Weise und als Glieder der kirchlichen Gemeinschaft. Es mahnt unsere Freiheit und unsere Verantwortung. Der Christ ist gerufen, den Willen Gottes zu erfüllen, das im Liebesgebot zu Gott und dem Nächsten seine Synthese findet. Das bekräftigt nicht allein das heutige Evangelium, sondern durchzieht die ganze Lehre Jesu Christi. Erinnern wir uns an sein Wort: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21). 
 
Gott will, „dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4). Diesem noblen göttlichen Willen steht die Freiheit der begrenzten, schwachen, sündigen Menschen gegenüber. Eine der grundlegenden Hindernisse im christlichen Leben, besonders bei der Umkehr, ist unser Hochmut, die Schwierigkeit zu erkennen, gefehlt zu haben, mehr noch gesündigt zu haben, um sodann zu bereuen und in das Haus des Vaters zurückzukehren. Uns kommt jedoch die Gnade Gottes zu Hilfe. Ergreifen wir sie und folgen so dem Weg der Umkehr in Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus. Der Heilige Paulus ermahnt uns im Brief an die Philipper: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,5-8). So wie Gott die Demut seines eingeborenen Sohnes angenommen hat, wird er auch unsere Reue annehmen und uns zusammen mit Jesus verherrlichen: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen“ (Phil 2,9). 
 
Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir unsere guten Vorsätze und das Vertrauen in den Willen Gottes der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter Jesu und unsere Mutter, die auch zu uns wie einst zu den Dienern bei der Hochzeit zu Kana sagt: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5).

Amen.