17 10 05 Predigt von Nuntius Eterovic bei der Wallfahrt nach Maria Frieden in Berlin

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
Monatswallfahrt vor dem Gnadenbild 
Maria mit dem Stacheldraht
in der Kirche Maria Frieden

Berlin, 5. Oktober 2017


 
„Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Gerne habe ich die Einladung angenommen, dieser Heiligen Messe aus Anlass der Monatswallfahrt zum Gnadenbild der seligen Jungfrau Maria im Stacheldraht in der Kirche Maria Frieden vorzustehen. Unsere Wallfahrt findet am ersten Donnerstag im Monat Oktober statt, welcher der seligen Jungfrau Maria geweiht ist, besonders durch das Gebet des Rosenkranzes. In wenigen Tagen, am 7. Oktober, feiern wir den liturgischen Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz. Bei dieser Gelegenheit sind wir um Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter versammelt, um ihre mächtige Fürsprache für die Katholiken der Erzdiözese Berlin, um Priester- und Ordensberufungen zu erflehen, aber auch den Frieden in der Welt zu erbitten.

Als Vertreter des Heiligen Vaters Franziskus in der Bundesrepublik Deutschland grüße ich Euch alle sehr herzlich. Als Zeichen der Verbundenheit mit dem Bischof von Rom und Hirten der Universalkirche, für den wir in besonderer Weise beten wollen, erteile ich Euch am Ende der Heiligen Messe den Apostolischen Segen. Papst Franziskus verehrt die Gottesmutter sehr und betet oft den Rosenkranz. Hierzu sagt er: „Der Rosenkranz ist das Gebet, das mein Leben begleitet; es ist das Gebet der Einfachen und der Heiligen; das Gebet meines Herzens“ (Tweet am 7. Oktober 2016). Verschiedene Male hat er über die Bedeutung des Rosenkranzgebetes gesprochen, das „eine Synthese der göttlichen Barmherzigkeit ist. In den Rosenkranzgeheimnissen betrachten wir mit Maria das Leben Jesu, in dem die Barmherzigkeit des Vaters selbst aufstrahlt. Freuen wir uns über Seine Liebe und Vergebung, erfassen wir ihn in den Fremden und Hilfsbedürftigen, leben wir jeden Tag Sein Evangelium“ (Generalaudienz, 26. Oktober 2016). 

Indem wir diesen Worten des Heiligen Vaters Franziskus folgen, wollen auch wir, liebe Schwestern und Brüder, kurz an die Ereignisse zu unserem Heil erinnern, die in der Bibel aufgeschrieben sind, die wir im Rosenkranzgebet betrachten, wenn wir die freudenreichen Geheimnisse (I), die lichtreichen (II),  die schmerzenreichen (III) und glorreichen (IV) unseres Glaubens nachvollziehen. Das tun wir geistlich verbunden mit der seligen Jungfrau Maria, wenn wir die Worte wiederholen, die der Engel Gabriel und ihre Cousine Elisabeth zu Ihr sagen: 
 
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
 
Diesen Worten folgt das Gebet der pilgernden Kirche auf dieser Erde: 
 
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.
 
Das marianische Gebet ist eingebettet in die Anrufung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit durch das Gebet des Vaterunser, das der Herr uns selbst gelehrt hat (vgl. Mt 6,9-13), wie auch in der Wiederholung des Lobpreises: 
 
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen
 
1. Die glorreichen Geheimnisse.
 
Mit dieser christologischen und trinitarischen Vision erfassen wir die bedeutsamen Ereignisse der Bibel und erinnern uns der glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes. Sie haben das Leben Mariens geprägt, doch sollen sie sich in gewisser Weise im Leben eines jeden Christen wiederholen. Alles beginnt mit der Verkündigung des Engels Gabriel: Gott hat Maria auserwählt, die Mutter seines eingeborenen Sohnes Jesus zu werden (vgl. Lk 1,26-38). Maria drängte es, die Freude über diese Ankündigung mit ihrer Cousine Elisabeth zu teilen, die ebenfalls trotz ihres Alters durch das wundersame Wirken Gottes ein Kind erwartete (vgl. Lk 1,39-56). Durch die Jungfrau Maria wurde das Wort in der Person des Jesuskindes Fleisch, geboren in Bethlehem (vgl. Lk 2,1-20). Gemeinsam mit ihrem Bräutigam Josef erfüllt Maria die Vorschriften des Gesetzes und ließ Jesus beschneiden und brachte ihn zum Tempel (vgl. Lk 2,21-38). Die glorreichen Geheimnisse schließen mit dem Wiederfinden des 12jährigen Jesus inmitten der Gelehrten im Tempel von Jerusalem. 
 
2. Die lichtreichen Geheimnisse.
 
Sie beleuchten das öffentliche Wirken Jesu Christi, das mit der Taufe im Jordan und der Offenbarung des trinitarischen Geheimnisses beginnt (vgl. Lk 3,21-22). Der Herr Jesus zeigte seine Macht, als er sein erstes Wunder bei der Hochzeit von Kana tat, wo er Wasser in Wein verwandelte (vgl. Joh 2,1-12). Sein Wort ist machtvoll und ruft jeden zur Änderung des Lebens auf: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). Die Herrlichkeit Jesu, die in seiner Menschennatur verborgen war, erscheint klar den drei Jüngern auf dem Berg Tabor bei der Verklärung des Herrn (vgl. Mt 17,1-9). Die helle Gegenwart Jesu bleibt in der Kirche bestehen unter den einfachen Gestalten von Brot und Wein der Eucharistie (vgl. Mt 26,26-18). Alle Christen sind gerufen, an den lichtreichen Geheimnissen des Herrn Jesus teilzuhaben, denn sie sind ausgezeichnet mit der Würde der Kinder Gottes (vgl. 1 Joh 3,1-2). 
 
3. Die schmerzensreichen Geheimnisse.
 
Nach der erhebenden Erfahrung der Verklärung gebot Jesus den Jüngern: „Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist“ (Mt 17,9). Sodann kündigte er offen an, „er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen“ (Mt 16,21). In den schmerzensreichen Geheimnissen erfassen wir die Etappen der Passion des Herrn Jesus. Er betet und schwitzt Blut im Ölgarten (vgl. Lk 22,39-44). Jesus wird gegeißelt (vgl. Mt 27,26) und mit Dornen gekrönt (vgl. Mt 27,29). Nachdem er zum Tode verurteilt worden war (vgl. Mt 27,22-23.26), trägt er auf seinen Schultern das Kreuz nach Golgotha (vgl. Mt 27,31-34). Der Herr Jesus stirbt am Kreuz (vgl. Mt 27,45-50). Jedes Leid des Christen hat einen besonderen Wert und ist verbunden mit den Leiden des Erlösers Jesus Christus, „der durch sein heiliges Kreuz die Welt erlöst hat“. 
 
4. Die glorreichen Geheimnisse.
 
Das Leid und der Tod sind nicht das letzte Wort. Nach Passion und Tod ist der Herr Jesus siegreich auferstanden zum ewigen Leben. Er öffnet auch für uns das Tor der Ewigkeit. Daher ist es wichtig, an seine glorreiche Auferstehung zu glauben (vgl. Mt 28,1-15) und ihm auf dem Weg zum Leben ohne Ende zu folgen. Die große christliche Hoffnung gründet sich in der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn (vgl. Mk 16,19). Wie er versprochen hat, sandte der verherrlichte Herr seinen Jüngern den Heiligen Geist (vgl. Apg 2,1-13). Die glorreichen Geheimnisse betrachten abschließend das Schicksal der Gottesmutter, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden ist, wie wir am Hochfest der Himmelfahrt Mariens feiern, wo die Allerheiligste Dreifaltigkeit sie zur Königin des Himmels und der Erde gekrönt hat (vgl. Offb 12,1). 

Liebe Brüder und Schwestern, danken wir Gott dem Vater, Sohn und Heiligen Geist für das Geschenk der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche und eines jeden von uns. Zeigen wir unsere Liebe zu ihr, indem wir ihrer Fürsprache vertrauen und ihrem Beispiel der demütigen Magd des Herrn folgen. Sie ist die beste Schülerin Jesu Christi. Das Rosenkranzgebet möge unsere Herzen öffnen, damit wir das Wort Gottes tiefer erfassen und Seinen Willen gut erfüllen, indem wir in der gleichen Haltung leben, die Maria mit den Worten ausgedrückt hat: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).

Unser Gebet weite sich aus auf die geistlichen und materiellen Notwendigkeiten der Erzdiözese Berlin, der Kirche in Deutschland, Europa und in der ganzen Welt. An Sie, die Rosenkranzkönigin, richten wir unsere Bitten auf Frieden in der Welt, wo in verschiedenen Teilen Gewalt, Hass, Terrorismus und Kriege herrschen, vor allem im Mittleren Osten. Für sie alle beten wir: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes“. Amen.