17 10 13 Predigt des Nuntius zum Abschluss der Wallfahrten in Heroldsbach zum 100. Jubiläum der Erscheinungen von Fatima

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Predigt S.E. Apostolischer Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
zum Abschluss der Wallfahrten
zum 100. Jubiläum der Erscheinungen von Fatima
 
Heroldsbach, 13. Oktober 2017
 

 
„Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren“ (Lk 11,28).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
In dem kurzen Evangelium haben wir einen Lobpreis auf die Mutter Jesu durch eine Frau gehört, die Jesus folgte. Sie war fasziniert von seiner Lehre, die von Wundern begleitet wurde, und wollte spontan auch seine Mutter preisen. Es handelt sich um eine allgemeine Erfahrung, die Eltern, besonders die Mutter, sind stolz auf die Erfolge ihrer Kinder. Jesus wollte nicht, daß dieses Reden allein auf die menschlichen Beziehungen beschränkt bleibt, in diesem Fall von Mutter und Sohn. Seine Antwort öffnet neue, unerwartete Horizonte: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lk 11,28). Der Herr öffnet das Tor der Segnungen für alle seine Jünger, für all jene, die sein Wort hören und suchen, es in die Praxis umzusetzen. Unter diesen Jüngern nimmt die selige Jungfrau Maria den ersten Platz ein. Sie ist im physischen Sinn die Mutter Jesu, aber sie ist auch seine erste und beste Schülerin. Daher verdient sie den doppelten Lobpreis. In ihr erfüllt sich die Prophezeiung ihrer Cousine Elisabeth: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes“ (Lk 1,42). In ihrer Antwort hat Maria Gott gepriesen, da er an ihr so Großes vollbracht hat: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ (Lk 1,48). Der Lobpreis bezieht sich sodann auf Maria als Jüngerin ihres Sohnes und Meisters Jesus, die bereit ist, das Wort Gottes zu hören und zu befolgen. Gleichsam am Beginn des Evangeliums bemerkt der Evangelist Lukas: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19). Darüber hinaus war sie bereit, das Wort in die Praxis umzusetzen, wie sie dem Engel Gabriel gesagt hat: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). 
 
Die Jungfrau Maria war die erste, die von ihrem Sohn Jesus verkündeten Seligpreisungen zu leben. Das haben natürlich auch alle Heiligen getan, die danach suchten, das Wort Gottes zu kennen und in die Praxis umzusetzen, vor allem jenes, das mit dem Leben, dem Tod und der Auferstehung Jesus Christi verbunden ist. Sie haben die Mahnung des Meisters gut verstanden: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21). 
 
Wir sind im marianischen Heiligtum der Gebetsstätte Heroldsbach versammelt, um dem dreieinen Gott für die marianischen Erscheinungen von Fatima vor einhundert Jahren zu danken. Ich danke dem Rektor dieses Heiligtums, Hochwürdigen Pater Ludwig Müller CRVC, für die herzliche Einladung, die ich gerne angenommen habe, weil sie mir erlaubt, mit Euch zu beten und die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria für die Katholische Kirche, für Deutschland, Europa und die ganze Welt zu erflehen. Wir wollen Gott dem Vater, Sohn und Heiligen Geist danken für das Geschenk zwei neuer Heiliger, die der Heilige Vater Franziskus in Fatima kanonisiert hat (I). Wenn wir uns der Erscheinungen der Jungfrau Maria vor 100 Jahren erinnern, wollen wir zwei fundamental Aspekte unterstreichen: die Umkehr (II) und das Gebet für das Heil der Sünder (III). 
 
1. Die Heiligsprechung von zwei Sehern.
 
Aus Anlass des 100. Jahrestages der Erscheinungen von Fatima hat der Heilige Vater Franziskus das marianische Heiligtum dort besucht. Am 13. Mai hat er dann die Geschwister Francesco und Jacinta Marto heiliggesprochen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Kirche, daß zwei Kinder heiliggesprochen wurden, die keine Märtyrer waren, obwohl sie im Alter von elf beziehungsweise zehn Jahren gestorben sind. Mit seinem Apostolischen Besuch in der Folge von Papst Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. und mit der Heiligsprechung der zwei Seher hat Papst Franziskus die Authentizität der Erscheinung Mariens und die Bedeutung ihrer Botschaft bestätigt. In der Predigt der Heiligen Messe zur Heiligsprechung hat der Heilige Vater unter anderem gesagt: „In dieser Hoffnung haben wir uns hier versammelt, um für die unzähligen Gnaden zu danken, die der Himmel in diesen hundert Jahren gewährt hat. Diese Zeit ist unter jenem Lichtmantel vergangen, den die Gottesmutter vom hoffnungsvollen Portugal aus über die vier Himmelsrichtungen der Erde ausgebreitet hat. Als Vorbilder haben wir die Heiligen Francesco Marto und Jacinta vor Augen. Die Jungfrau Maria ließ sie in das unermessliche Meer des Lichtes Gottes eintreten und führte sie so zur Anbetung Gottes. Von daher kam ihnen die Kraft, die Widrigkeiten und die Leiden zu überwinden. Die göttliche Gegenwart wurde zu einem festen Bestandteil in ihrem Leben, wie es klar im beharrlichen Gebet für die Sünder und im bleibenden Wunsch, beim im Tabernakel „verborgenen Jesus“ zu verweilen, zum Ausdruck kommt“ (Predigt am 13. Mai 2017 in Fatima). 
 
Als Repräsentant von Papst Franziskus in der Bundesrepublik Deutschland bringe ich Euch neben diesen Worten aus Fatima auch seine herzlichen Grüße und die Bitte, für ihn und die Kirche zu beten. Der Heilige Vater ist Bischof von Rom und Hirte der Universalkirche, die sich aus 1,3 Milliarden Gläubigen zusammensetzt, die auf allen fünf Erdteilen der Welt leben. Eine solche Vielheit und Fülle von Personen der verschiedenen Ethnien, Sprachen, Kulturen und Mentalitäten ist ein Zentrum der Einheit nötig, wie er sich im Bischofssitz von Rom und in Papst Franziskus als dem 265 Nachfolger des ersten Papstes, des Heiligen Petrus findet. Als Zeichen der tiefen Verbundenheit mit dem Heiligen Vater erteile ich Euch am Ende der Heiligen Messe den Apostolischen Segen. 
 
2. Umkehr.
 
Gemeinsam mit dem Gebet und der Buße ist eine der fundamentalen Botschaften der seligen Jungfrau Maria von Fatima die Aufforderung zur Umkehr. Damit greift die Jungfrau nichts anderes auf, als der Ruf Jesu Christi, ihres Sohnes, am Beginn seines öffentlichen Wirkens: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). Bei anderer Gelegenheit mahnt der Herr: „Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt“ (Lk 13,5), das heißt wie jene Galiläer, die Pilatus hatte umbringen lassen. Wir alle, unsere Welt, Europa haben die Umkehr nötig. Der Heilige Johannes Paul II. hat geschrieben: „Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer »schweigenden Apostasie » seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe“ (Ecclesia in Europa, 28.06.2003, Nr. 9). Nehmen wir die Aufforderung Jesu an: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 18,3) und kehren wir zu Ihm um, lasst uns aktive Glieder seiner einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche werden. 
 
3. Das Gebet für die Sünder.
 
Die Kirche ist die Gemeinschaft der Heiligen, communio sanctorum. In dieser Gemeinschaft gibt es einen Teil der Kirche, der schon verherrlicht ist, wie die Gottesmutter und alle Heiligen. Ein anderer Teil befindet sich im Prozess der Reinigung, um mit reinem Herzen zu Gott zu gelangen und von Angesicht zu Angesicht zu schauen (vgl. 1 Joh 3,2). Sodann gibt es die auf dieser Erde pilgernde Kirche, und das sind wir alle als Sünder, die zur Heiligkeit gerufen sind. Zwischen den Gliedern dieser unterschiedlichen kirchlichen Kategorien gibt es ein tiefes geistliches Band, das ihren Mittepunkt in dem gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus hat und das sich vor allem im Gebet ausdrückt. In diesem Zusammenhang ist es sehr wichtig, für die Umkehr der Sünder zu beten, für jene, die in Gefahr sind, den falschen Weg zu gehen, damit sie von neuem den Weg einschlagen, der zum Himmel führt und nicht jenen zur Hölle. Jesus Christus mahnt auch uns: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn“ (Mt 7,13-14). Nach den Sehern von Fatima, ruft die Madonna zum Gebet und zur Buße für die Sünder auf, die der Barmherzigkeit Gottes am meisten bedürfen: „Betet, betet viel und opfert euch auf für die Sünder. Viele Seelen kommen in die Hölle, weil niemand für sie betet und sich aufopfert“. Im Rosenkranzgebet, das man oft beten soll, besonders im der Jungfrau Maria geweihten Monat Oktober, soll nach jedem freudenreichen, lichtreichen, schmerzenreichen und glorreichen Geheimnis das Gebet folgen, das seinen Ursprung in den Erscheinungen von Fatima hat: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen“. Mit dieser Anrufung, die in der katholischen Welt gut bekannt ist, bringen wir unsere christliche Solidarität mit allen Schwestern und Brüder zum Ausdruck, besonders im alles bestimmenden Augenblick ihrer existentiellen endgültigen Entscheidung, der hoffentlich eine für Gott und seine ewige Liebe sein wird. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, die Botschaft von Fatima bedient sich des starken Bildes von der Hölle und ihrem Feuer, was sich auf die dramatischen Ereignisse in der Geschichte der Welt bezieht: die zwei Weltkriege, die perversen Ideologien, die Gewalt gegen Menschen der Kirche, einschließlich gegen den Heiligen Vater. Dennoch bleibt die Botschaft von Fatima im Grunde optimistisch, voller Hoffnung, was in der bekannten abschließenden Aussage der Jungfrau ausgedrückt wird: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“. Dieser Triumpf erfordert in gewisser Weise unsere Mitwirkung durch Gebet, Buße und Umkehr. Dankbar für diese Mittlerrolle und Fürsprache Mariens preisen wir sie mit den Worten der Schrift: „Du bist der Ruhm Jerusalems, du bist die große Freude Israels und der Stolz unseres Volkes“ (Jdt 15,9). 
 
Der Sieg über das Böse und die Sünde gehört dem auferstandenen Herrn Jesus Christus, der mit seinem Fleisch auch den letzten Feind besiegt hat, nämlich den Tod (vgl. 1 Kor 15,25). Auf die Fürsprache der Mutter Gottes und Mutter der Kirche wenden wir uns, die wir hier versammelt sind, um die heiligen Geheimnisse zu feiern, im Gebet an Ihn und bitten für unsere Angehörigen und alle uns teuren Menschen. Dehnen wir unsere Anliegen auf alle Menschen und für alle Nationen der Welt aus, besonders für jene in Europa, damit die Menschen auf unserem Kontinent ihre christlichen Wurzeln wieder entdecken und zurückkehren, um Gott den Vater, Sohn und Heiligen Geist zu loben. Amen.