17 10 15 Predigt des Nuntius zum 48. Andechser Europa-Tag der Paneuropa-Union Deutschland im Kloster Andechs

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
zum 28. Sonntag im Jahreskreis – LJ A
und 48. Andechser Europa-Tag der Paneuropa-Union Deutschland
 
Kloster Andechs, 15. Oktober 2017
 

 
„Mein Mahl ist fertig, … alles ist bereit. ….. Kommt zur Hochzeit“ (Mt 22,4).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
In seiner Güte und Großzügigkeit lädt uns Gott zum Hochzeitsmahl seines Sohnes. Das Thema des Mahles verbindet die erste Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (I) und das heute Evangelium des Heiligen Matthäus (II). Deren Bedeutung ist sehr klar und betrifft uns alle. Wir müssen daher klären, was das Wort Gottes, das wir gehört haben, konkret für uns und unsere kirchliche Gemeinschaft bedeutet (III).
 
Bevor wir gemeinsam über dieses Thema nachdenken, möchte ich meiner Freude Ausdruck verleihen, diese Heilige Messe hier in der Klosterkirche von Andechs gemeinsam mit Euch feiern zu können, liebe Brüder und Schwestern und Mitglieder der Paneuropa-Union Deutschland. Ich danke Eurem Präsidenten, Herrn Bernd Posselt, für die freundliche Einladung, der ich gerne gefolgt bin, und Herrn Johannes Kijas, dem Bundesgeschäftsführer für die tatkräftige Unterstützung bei der Organisation. Es ist mir erlaubt, Euch allen die sehr herzlichen Grüße und den Apostolischen Segen des Heiligen Vaters Franziskus zu übermitteln, dem Bischof von Rom und Hirten der Universalkirche, den ich die Freude habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu repräsentieren. Das für die Reflexionen dieser Tage gewählte Thema: Afrika – Kontinent der guten Hoffnung? interessiert Papst Franziskus und den Heiligen Stuhl sehr. Auf verschiedene Weise bemüht er sich darum, daß die Antwort auf diese Frage positiv ausfällt, zum Wohl der Katholischen Kirche, des afrikanischen Kontinents, für Europa und die ganze Welt.
Kehren wir zurück zum Wort Gottes, um die Bedeutung für uns in der aktuellen kirchlichen und sozialen Situation zu entdecken. 
 
1. Das eucharistische Mahl.
 
Die Beschreibung des Festmahls in der ersten Lesung zeigt eine prophetische Vision der Eucharistie, die sich im Neuen Testament nach dem Willen des Herrn Jesus und nach seinem Gebot erfüllt: „Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,26-28). In der Beschreibung dessen, was der Herr Jesus am Gründonnerstagabend tut, dem Abend vor seiner Passion und seinem Tod, finden wir drei Aspekte des Sakramentes der Eucharistie: die Gemeinschaft, das Opfer und das Unterpfand des ewigen Lebens. Zu jedem dieser Punkte ist es gut, den Katechismus der Katholischen Kirche nochmals zu lesen (Nr. 1322-1419). Alle drei Elemente finden wir im Kern schon in der ersten Lesung. Hier wird ein Festmahl mit fetten Speisen, ausgezeichneten Weinen, mit bestem Essen beschrieben, zu dem das ganze Volk eingeladen ist. Man spricht schon vom Sieg über den Tod, weil der Herr (JHWH) „beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht“ (Jes 25,8). Jesaja prophezeit auch die Hoffnung auf Heil: „Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat“ (Jes 25,9). Diese Hoffnung gründet sich in Gott und nimmt jene ewige Hoffnung im eucharistischen Hochzeitsmahl mit dem geschlachteten und verherrlichten Lamm vorweg (vgl. Offb. 5,12). 
 
2. Jesus und das Festmahl.
 
Im Matthäusevangelium greift Jesus Christus das Gleichnis vom Festmahl wieder auf, aber er führt ein wichtiges Element ein, wenn er vom Hochzeitsmahl des Königssohnes spricht. Offensichtlich ist der König Gottvater und der Sohn ist Jesus. Das Gleichnis hat zwei Teile. In der ersten Einladung wird Bezug genommen auf die Mitglieder des Volkes Israel. Gott sein Volk auserwählt und richtet an dieses zuerst die Einladung zum Festmahl. Nach der ersten Ablehnung lädt der König in seiner Güte und Geduld zum zweiten Mal ein, doch ist auch diesmal das Ergebnis negativ. Die Menschen haben die Einladung abgelehnt. „Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden“ (Mt 22,5). Einige wurden gewalttätig, misshandelten die Diener des Königs und brachten sie um (vgl. Mt 22,6). Der König tut, was zu erwarten war, er bringt die Mörder um und vernichtet ihre Stadt mit Feuer (vgl. Mt 22,7). Diese Worte sind eine Anspielung auf das Feuer und die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 durch das Militär des Römischen Imperiums. Der gute und barmherzige Gott lässt nicht von seinem Heilsplan ab und lädt alle Menschen, die Heiden, zum Hochzeitsmahl seines Sohnes. Dieses Mal ist die Antwort positiv und „der Festsaal füllte sich mit Gästen“ (Mt 22,10). Der Hinweis, daß die Diener alle zusammenholten, „die sie trafen, Böse und Gute“ (Mt 22,10) nimmt das Urteil über einen Gast vorweg, der nicht im hochzeitlichen Gewand gekommen war. Der König will den Grund für ein solches Verhalten kennen, aber der Gast bleibt passiv und antwortet nicht. Die Reaktion des Königs ist entschieden, er lässt ihn aus dem Saal werfen: „Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen“ (Mt 22,13). Die Finsternis und das Knirschen der Zähne symbolisieren die Trennung und den Schrecken der vom Festmahl ausgeschlossenen Menschen. 
 
3. Das Wort Gottes fordert uns heraus.
 
Im Hintergrund des Gleichnisses steht die Auseinandersetzung Jesu mit den Söhnen des Reiches, den Juden, die ihn nicht nur ablehnten, sondern auch in Kürze zum Tode verurteilen und umbringen werden. Die Heiden hingegen sind ihm wohlgesonnen und bereit, ihn als Messias anzunehmen. Die Haltung der Juden sollte uns nicht sonderlich wundern, denn auch wir verhalten uns oft wie sie. Es gibt viele Christen, die getauft sind, aber nicht praktizieren und daher unachtsam sind auf die Einladung zum Festmahl. Es gibt sodann jene, die oft zur Kirche gehen und die Heilige Messe mitfeiern. Das Wort Gottes erinnert uns daran, daß Gott jeden Sonntag ein Hochzeitsmahl für seinen Sohn ausrichtet. In den meisten unseren Kirchen feiert man Gott sei Dank jeden Sonntag die Eucharistie. Dieses große Geschenk Gottes sollte uns mit großer Freude erfüllen und unsere christliche Berufung erwecken. Wir haben zu klären, wie wir uns angesichts des Sakramentes von Brot und Wein verhalten, die Kraft des Heiligen Geistes zum Leib und Blut unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus werden? Die statistischen Daten zeigen, daß in Deutschland etwa 10,2 % der Katholiken regelmäßig jeden Sonntag und zu den Feiertagen an der Heiligen Messe teilnehmen. Und wo sind die anderen? Ihre Entschuldigungen sind denen der Juden ähnlich: sie sind mit ihren eigenen Dingen beschäftigt, gehen aufs Feld. Zur religiösen Gleichgültigkeit könnten wir noch andere Gründe hinzufügen, die unserer Konsumgesellschaft eigen sind: ausschlafen wollen, Sport machen, auf Reisen gehen. Solche Gründe rechtfertigen aber nicht die Abwesenheit der Gläubigen am Festmahl der Eucharistie. Man kann sehr gut die Heilige Messe mitfeiern und findet dennoch Zeit für alle übrigen Aktivitäten. Ein praktizierender Christ wird darüber hinaus auch an die Menschen denken müssen, die erklären, keiner Religion anzugehören (religionslos sind), was in Deutschland mittlerweile 36% der Bevölkerung sagt. An sie sollte man sich über die praktizierenden Christen wenden und ihnen die Einladung des Herrn übermitteln, am Festmahl seines Sohnes teilzunehmen. 
Die Gegenwart eines Gastes ohne hochzeitliches Gewand zeigt, daß es nicht genügt, in den Festsaal einzutreten, sondern man muss auch entsprechend gekleidet sein. Wir können aus der biblischen Geschichte entnehmen, daß der König, wenn die Menschen „von den Straßen“ eingeladen werden, auch für die Kleidung gesorgt hat, die nötig ist, um an der Hochzeit teilnehmen zu können. Womöglich handelte es sich dabei um eine Art Schal, den man über die Schultern legte. Ein Mann aber hatte frei entschieden, das Festgewand nicht anzulegen. Er bleibt darüber hinaus vor dem König passiv, der wissen will, warum er sich in unpassender Kleidung bei der Hochzeit präsentiert. Dieses Bild erinnert uns daran, daß jeder Christ, der zur Heiligen Kommunion geht, im hochzeitlichen Gewand sein muss, das heißt, im Stand der Gnade. Wenn jemand eine schwere Sünde begeht, so hat er die Möglichkeit zur Beichte und zum Anlegen des Hochzeitsgewandes. Der Heilige Paulus mahnt nicht nur die Christen in Korinth, sondern jeden von uns: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt“ (1 Kor 11,27-29). 
Liebe Brüder und Schwestern, danken wir Gott für die Einladung zum Hochzeitsmahl seines Sohnes Jesus. Bitten wir ihn, er möge unsere Herzen mit der Kraft seines Heiligen Geistes reinigen, damit wir am eucharistischen Hochzeitsmahl teilnehmen können, teilhaben am Opfer seines Leibes und Blutes in der Hoffnung auf das ewige Leben, das wir schon jetzt im Glauben und in der Liebe vorwegnehmen. Die selige Jungfrau Maria, die wir in diesem Monat Oktober in besonderer Weise als Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz verehren, bringt uns stets vor ihren Sohn Jesus, der uns immerfort einlädt und sagt: „„Mein Mahl ist fertig, … alles ist bereit. ….. Kommt zur Hochzeit“ (Mt 22,4). Amen.