17 12 24 Predigt von Nuntius Eterovic am 4. Adventssonntag

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 4. Advent – LJ B

Berlin, 24. Dezember 2017


 
„Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Im Evangelium des vierten Adventsonntags legt uns die Kirche die selige Jungfrau Maria und ihre Rolle im Geheimnis der Menschwerdung zur Meditation vor. Sicher, die Mutter Jesu war seit Beginn des Adventes in unseren Überlegungen gegenwärtig – es genügt, an das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis zu erinnern – und auch im Laufe des liturgischen Jahres – wie zum Beispiel am Hochfest der Himmelfahrt Mariens. Am Vorabend richten wir unsere Augen auf die Jungfrau von Nazareth und suchen uns auf die Geburt Jesu vorzubereiten, indem wir ihren Gefühlen nachspüren und vor allem ihrem Glauben. Um die Reflektionen zu erleichtern, konzentrieren wir uns auf drei Punkte: Der Gruß des Engels (I); der Dialog Mariens mit dem Engel (II); die Entscheidung Mariens (III). 
 
1. Der Gruß des Engels.
 
„Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28). Mit diesen ungewöhnlichen Worten wendet sich der Engel an Maria, wie am Beginn des heutigen Evangeliums in knappen, aber ausreichenden Worten beschrieben wird. Es handelt sich um eine junge Frau, eine Jungfrau, die in der Stadt Nazareth in Galiläa wohnt und „mit einem Mann namens Josef verlobt“ ist (Lk 1,27). Die Worte des Engels überraschen Maria, sei es wegen ihrer ungewöhnlichen Formulierung, sei es ihres Inhaltes wegen. Sie zeigen an, daß Maria schon vor der Ankündigung, sie solle die Mutter Gottes werden, „voll der Gnade“ war. Der Engel bemerkt die Verwirrung Mariens und sucht sie zu beruhigen. „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben“ (Lk 1,30-31). Der Engel fährt fort und kündigt an, der Sohn Mariens würde gleichzeitig Sohn des Höchsten sein und der Sohn Davids, denn „Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben“ (Lk 1,32-33). Als fromme Jüdin kennt Maria die Heilige Schrift gut und daher auch die Verheißung, die JHWH dem David über seinen Nachfolger gegeben hat, der seine Herrschaft festigen werde und dessen „Thron auf ewig Bestand haben wird“ (2 Sam 7,16). Sie hat sicher nicht im mindestens damit gerechnet, daß Gott auf diese unerwartete Weise seine Verheißung erfüllen würde und daß sie, die Verlobte von Josef, der aus dem Haus David stammte, eine führende Rolle dabei einnehmen sollte. 
 
2. Der Dialog zwischen Maria und dem Engel.
 
Maria hat die Ankündigung des Engels Gabriel mit der Frage unterbrochen: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1,34). Einen Mann zu erkennen, das bedeutet, eine sexuelle Beziehung zu haben. Die Aussage also, „da ich keinen Mann erkenne“, zeigt die Absicht Mariens an, ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Daher wird die Verkündigung des Engels noch unverständlicher für sie. Der Engel Gabriel muss Maria konkret darlegen, wie das Projekt Gottes sich verwirklichen wird. Die Menschwerdung Jesu wird ein Werk Gottes sein, das aber die Mitwirkung der Jungfrau Maria erfordert. Hören wir noch einmal die Botschaft: „Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35). Maria verstand das Bild von der Überschattung durch den Heiligen Geist, der über sie kommen wird, gut, denn sie erinnerte der Wolke, die Mose als Zeichen des Bundes überschattete, um die Gegenwart Gottes inmitten seines Volkes anzuzeigen (vgl. Ex 33,9-10). Um zu unterstreichen, daß „für Gott nichts unmöglich ist“ (Lk 1,38), präsentiert der Engel Maria das Beispiel ihrer Cousine Elisabeth, die „als unfruchtbar gilt“, die aber „noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen“ hat (Lk 1,36).
 
3. Die Entscheidung Mariens.
 
Die Worte von Maria: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38) beschließen den Dialog mit dem Engel Gabriel und „danach verließ sie der Engel“ (Lk 1,28). Diese Worte sind von tiefer Bedeutung. Sie sind das Versprechen an Gott, sein Heilswerk zu erfüllen. Sein Eingeborener Sohn Jesus wird Mensch im Schoß der seligen Jungfrau Maria. So fallen die Versprechen von Jesus und Maria, den Willen des Vaters zu erfüllen, in eins zusammen. Der Herr Jesus hat Gott dem Vater geantwortet: „Siehe, ich komme...., um deinen Willen, Gott, zu tun“ (Hebr 10,7) und Maria sagt, wie wir gehört haben: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Indem sie ihre Zustimmung dazu gibt, die Mutter Jesu zu werden, hat Maria auch angenommen, ihren Sohn auf seinem irdischen Lebensweg zu begleiten. Wenn sie erklärt, die Magd des Herrn zu sein, bringt sie auch ihre Bereitschaft zum Ausdruck, an der Passion Jesu, dem wahren Gottesknecht, teilzuhaben (vgl. Jes 53,1-12). 
 
Liebe Brüder und Schwestern, die Meditation über das heutige Evangelium, das wir gut kennen, erlaubt uns in dieser Adventszeit über die nicht wiederholbare Rolle nachzudenken, welche die selige Jungfrau Maria in der Heilsgeschichte hat. Nur Sie ist die Mutter Jesu im physischen Sinne. Sie zeigt uns allen aber an, ihr in der geistlichen Mutterschaft zu folgen, was bedeutet, daß der Herr Jesus in den Herzen vieler Menschen durch das Beispiel eines christlichen Lebens, wie durch unsere Verkündigung geboren werden kann. Um dieses Werk der Evangelisierung vor allem im Umfeld, in dem wir leben, zu erfüllen, müssen wir das Beispiel Mariens in Demut und Offenheit für den Willen Gottes nachahmen. Vertrauen wir ihrer mächtigen Fürsprache, damit durch die Gnade des Heiligen Geistes jeder von uns, ja jeder Christ, leben kann nach den Worten von Maria: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Amen.