18 01 07 Predigt von Nuntius Eterovic am Fest der Taufe des Herrn

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am Fest der Taufe des Herrn

Berlin, 7. Januar 2018

 
„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“(Mk 1,11).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Mit dem Fest der Taufe des Herrn endet die liturgische Weihnachtszeit. Es beginnt die Zeit im Jahreskreis und somit das öffentliche Wirken unseres Herrn. Die Taufe ist ein sehr bedeutsames Ereignis, das von allen drei Synoptikern beschrieben wird: Markus, Matthäus und Lukas. Die Kirche legt uns in diesem Jahr die Schilderung des Evangelisten Markus vor, die sehr prägnant und theologisch und spirituell sehr inhaltsreich ist. Indem wir kurz der Erzählung des Heiligen Markus folgen, wollen wir bei der Taufe Jesu verweilen (I), wie auch bei deren trinitarischen Aspekten (II), um dann über die Wirklichkeit unserer Taufe nachzudenken (III).
 
1. Die Taufe Jesu.
 
Der Evangelist Markus führt in die Taufe Jesu ein, indem er die Predigt des Johannes beschreibt. Sie bestand in der Ankündigung, jener, der nach ihm komme, sei größer als er. Jener würde nicht wie Johannes mit Wasser taufen, sondern „mit Heiligem Geist“ (Mk 1,8). Nach dieser Vorrede schildert der Heilige Markus das Ereignis der Taufe: „Es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen“ (Mk 1,9). Die Taufe des Johannes war „Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden“ (Mk 1,4). Jene, die zur von Johannes praktizierten Taufe des Täufers Johannes schritten, erfüllten das Wort des Propheten Jesaja: „Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen“ (Jes 55,7). Jesus Christus, der ohne Sünde war (vgl. Hebr 4,15), ließ sich taufen, um seine Solidarität mit den sündigen Menschen zu zeigen. Diese Solidarität wird ihren Höhepunkt in seinem Tod am Kreuz haben. Hierzu schreibt der Heilige Paulus: „Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht“ (2 Kor 5,21). Der Herr wollte das Menschsein teilen, um es von innen her zu verwandeln und allen die Pforten des Heils zu öffnen. Der Akt der Taufe Jesu hat einen symbolischen und einen theologischen Wert. Er ist in das Wasser eingetaucht, um seinen Tod anzuzeigen, die Folge der Sünde (vgl. Röm 5,12). Danach ist er aus dem Wasser gestiegen (vgl. Mk 1,10), um das neue Leben zu symbolisieren, das Jesus für alle durch seine Passion und seine Auferstehung eröffnen wird. 
 
2. Trinitarische Manifestation.
 
Nach der Taufe im Jordan beschreibt das Evangelium die Manifestation Gottvaters. Er ist unsichtbar, aber manifestiert sich vom Himmel her durch die Stimme, die sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (Mk 1,11). Jesus ist gekommen, um den Willen des Vaters zu erfüllen. Sein ganzes Wirken ist von dieser Vorgabe geprägt. Er selbst sagt: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden“ (Joh 4,34). Am Beginn des öffentlichen Wirkens ist es für Jesus wichtig, daß sein Vater Zeugnis für ihn ablegt und so seiner Sendung zustimmt. Dieses Zeugnis ist auch für uns Jünger Jesu wichtig, denn es ist das Zeugnis, daß Jesus vom Himmel herabgestiegen ist, um den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat (vgl. Joh 6,38). Auch der Heilige Geist wurde in der Taufe auf Jesus ausgegossen: „Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam“ (Mk 1,10). Jesus Christus ist daher gemäß dem Heilsplan Gottvaters für seine beginnende Sendung mit dem Heiligen Geist gesalbt worden. Der Herr Jesus hat den Geist, der ihn im Laufe seines irdischen Lebens leitet, einschließlich der Passion, des Todes und der Auferstehung. Und der auferstandene Herr gibt den Gläubigen die Gabe des Geistes in Fülle (vgl. Joh 3,34). Mit der Taufe Jesu erfüllt sich die Prophezeiung Johannes des Täufers: „Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen“ (Mk 1,8). Der Heilige Evangelist Johannes schreibt in seinem ersten Brief: „Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins“ (1 Joh 5,7-8). Über die Taufe mit Wasser hinaus gibt es die Taufe im Blut. Jesus selbst hat gesagt: „Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist“ (Lk 12,50). Es handelt sich um die Taufe seines Todes, als aus seiner durchstoßenen Seite „Blut und Wasser“ (Joh 19,34) flossen. Mit seiner Taufe hat Jesus Christus das Sakrament der Taufe eingesetzt, die nicht nur von Sünden reinigt, sondern denen die Heiligung schenkt, die sie im Glauben an den dreieinen Gott annehmen. 
 
3. Unsere Taufe.
 
Das Fest der Taufe des Herrn ist eine gute Gelegenheit, unserer eigenen Taufe zu gedenken, die wir als Kinder empfangen haben. Der Heilige Vater Franziskus fragt die Gläubigen oft nach ihrem Taufdatum. Die Antwort ist nur selten positiv. Dennoch hat dieses Datum große Bedeutung, denn durch die Taufe sind wir Kinder Gottes geworden. Wir haben eine privilegierte Beziehung mit Gott durch den Herrn Jesus Christus in der Gnade des Heiligen Geistes. Zugleich sind wir ein Teil der Familie der Kinder Gottes, das heißt aller Getauften, der ganzen Kirche. Diese Wirklichkeit erfordert von uns eine kindliche Beziehung zu Gott und eine brüderliche zum Nächsten. Auf das Sakrament der Taufe gründet sich das Liebesgebot zu Gott und dem Nächsten (vgl. Mt 22,35-40), besonders zu den Kleinsten, die der materiellen und spirituellen Hilfe nötig haben. 
 
Die Taufe ist die Quelle der Mission der Christen in Kirche und Welt. So sagt Papst Franziskus oft, daß von dieser Wirklichkeit her die Pflicht besteht, Zeugen Jesu und Missionare Seines Evangeliums zu sein, das auch für den zeitgenössischen Menschen die Gute Nachricht ist. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, danken wir Gott dem Vater, Sohn und Heiligem Geist für das Geschenk der Taufe, durch das wir Kinder Gottes und Glieder der Kirche geworden sind. Erflehen wir die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, die „voll der Gnade“ ist (Lk 1,28), damit dieses Geschenk in uns immer lebendig bleibt und reiche Früchte des Lebens, der Hoffnung und der Liebe bringt – für uns, für die Kirche und für die ganze Welt. Amen.