17 01 01 Predigt von Nuntius Eterovic am Hochfest der Gottesmutter Maria

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
Hochfest der Gottesmutter Maria

Berlin, 1. Januar 2017
 

 
„Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Wir beginnen das neue Jahr unter dem Schutz der seligen Jungfrau Maria. Tatsächlich ist heute der erste Tag des zivilen Jahres, und die Kirche lädt uns ein, das Hochfest der Gottesmutter Maria zu feiern. Im Geist Mariens wollen wir nicht nur diesen Tag feiern, sondern das ganze Jahr, das heute beginnt. Im Licht des Wortes Gottes wollen auch wir den Segen des allmächtigen und barmherzigen Gottes für jeden von uns, für Kirche und Welt erbitten. In Einheit mit dem Heiligen Vater Franziskus erflehen wir im Gebet aus Anlass des Weltfriedenstages sodann den Frieden in der Welt. 
 
1. Der Herr segne dich.
 
Am Beginn des Jahres 2017 wiederholt die Kirche den Segen Gottes, den er dem Priester Aaron durch den Patriarchen Moses gespendet hat: Es ist der feierliche Segen des Volkes im Namen des Gottes Israel. Im Unterschied zum priesterlichen Segen, der das ganze Volk umfasst, besteht der persönliche Segen darin, den Namen Gottes auf eine Person zu legen. Das Stück aus dem Buch Numeri bezieht sich auf den das ganze Volk meinenden priesterlichen Segen im Namen des Gottes JHWH, den Namen, den die Gläubigen aus Ehrfurcht nicht aussprechen. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott der Väter, verspricht: „So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen“ (Num 6,27). Segnen bedeutet, die gute Beziehung zwischen Gott und dem Menschen, der den Segen empfängt, zu stärken. Für den Segen ist die Beziehung zwischen dem, der segnet und jenem, der gesegnet wird, wesentlich. Diesen Aspekt muss man sich in unserem Glaubensleben immer vor Augen halten. In diesem Sinn möge der Segen, den wir heute empfangen, unsere Schritte auf den Wegen Gottes durch alle Tage leiten, und das nicht nur in diesem Jahr, sondern unser ganzes Leben hindurch. Maria, die Mutter Jesu Christi und Mutter der Kirche, gibt uns darin ein folgsames Beispiel. Sie selbst war von Gott gesegnet und hat im Raum dieses Segens ihr ganzes Leben gelebt. Maria hatte die Segensworte für sich von Elisabeth gehört, die vom Heiligen Geist erleuchtet ausrief: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zur mir kommt?“ (Lk 1,42-43). 
 
Beim Segen, den wir in der ersten Lesung gehört haben, wird der Name Gottes JHWH dreimal in den wechselnden Anrufungen über das Volk wiederholt: um Schutz, Güte und Frieden. Erflehen auch wir diese Gaben, die wir und die Welt so dringend nötig haben. 
 
2. Man gab ihm den Namen Jesus.
 
Im heutigen Evangelium wird an das Gesetz der Beschneidung erinnert, einer Vorschrift für alle männlichen Nachkommen des erwählten Volkes. Bei dieser Gelegenheit wird dem Kind auch der Name gegeben. Auch Jesus, der Sohn Marias, empfängt den Namen, den der Engel schon vorher angekündigt hatte, woran der Heilige Lukas erinnert (vgl. Lk 2,21): „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben“ (Lk 1,30-31). Auch wir sind in dieses Heilswerk eingebunden, wie der Heilige Paulus im Brief an die Galater in Erinnerung ruft. Hierin nennt er die Rolle Mariens bei der Menschwerdung: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“ (Gal 4,4). Und er unterstreicht die Frucht des Kommens Jesu bei uns: „Damit wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4,5). Diese Tatsache erfüllt uns mit großer Freude und fordert uns zugleich dazu auf, wie Söhne Gottes zu leben: „Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott“ (Gal 4,7). 
 
Die Gottesmutter Maria lehrt uns, daß diese göttliche Sohnschaft oder Kindschaft einfordert, in völliger Verfügbarkeit für den Willen Gottes zu leben, indem wir wie sie die Worte im Herzen hüten: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19). 
 
3. Der Weltfriedenstag.
 
Einer der Titel der Gottesmutter Maria ist Königin des Friedens. Sie hat diese Bezeichnung deswegen verdient, weil sie die Mutter Jesu Christi geworden ist, welcher der „Friedefürst“ (vgl. Jes 9,5) oder nach dem Heiligen Paulus „unser Friede“ (Eph 2,14) ist. Ihrer mächtigen Fürsprache vertrauen auch den 50. Weltfriedenstag an, dessen Leitwort in diesem Jahr heißt: Gewaltlosigkeit: Stil einer Politik für den Frieden. Wie jedes Jahr hat der Heilige Vater Franziskus eine Botschaft an alle Menschen guten Willens in der Welt gesandt, einschließlich der Politiker, die große Verantwortung tragen, um alle zu bitten, für die Förderung des Friedens in unserer Welt zu beten und sich einzusetzen. Leider erleben wir nach den Worten von Papst Franziskus den „dritten Weltkrieg in Teilen“. Es genügt, an die tragischen Ereignisse in Syrien und im Mittleren Osten zu denken, um die Ernsthaftigkeit der aktuellen Situation zu erfassen. Angesichts des Skandals von Gewalt und Krieg fordert der Heilige Vater dazu auf, einen Weg der Hoffnung einzuschlagen, um zu einer „Lösung der Kontroversen über Verhandlungen“ zu kommen, „um zu vermeiden, daß sie in bewaffnete Konflikte ausarten“. Mit diesen Unternehmungen würden die Kultur und die Identität der Völker respektiert und man könnte somit zeigen, daß alle Völker vor dem Naturrecht und dem Völkerrecht gleich sind. Man muss immer und überall den Respekt vor der Kraft des Gesetzes bewahren und darf nicht das Recht des Stärkeren anwenden. Keine Nation kann angesichts der anhaltenden Kriege gleichgültig bleiben, sondern es ist notwendig, „den Primat der Diplomatie vor dem Abgrund der Waffen anzuerkennen“. In seiner Botschaft verurteilt der Heilige Vater den weltweiten Waffenhandel, der oftmals illegal nicht wenige Konflikte in der Welt befeuert. Er schlägt vielmehr vor: „Die Gewaltlosigkeit als politischer Stil kann und muss vieles tun, um diese Geißel einzudämmen“. 
 
Rufen wir den Segen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes auf uns herab, die wir hier zur Eucharistiefeier versammelt sind, auf die Kirche und auf die ganze Welt, die so sehr den Segen und den Frieden braucht. Wiederholen wir den Segen aus dem Alten Testament und lesen ihn im Licht der Offenbarung des Geheimnisses der Dreifaltigkeit, das uns Jesus Christus, der Mensch und Gott, eröffnet hat: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil“ (Num 6,24-26).

Amen.