17 01 08 Predigt von Nuntius Eterovic am Fest der Taufe des Herren

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am Fest der Taufe des Herrn

Berlin, 8. Januar 2017
 

 
„Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“ (Mt 3,17).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Die Taufe Jesu hatte eine große Bedeutung für sein Leben. Nach seiner Taufe beginnt er sein öffentliches Wirken, das wir mit den Worten des Apostels Petrus zusammenfassen können: „Wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm“ (Apg 10,38). Auch für jeden Christen hat die Taufe einen fundamentalen Sinn, weil sie uns einfügt in die Kirche, den geheimnisvollen Leib Jesu Christi. Aus diesem Grund betrachten wir gemeinsam einige Aspekte der Taufe Jesu Christi, um in uns das Bewußtsein der Bedeutung unserer eigenen Taufe zu erneuern. 
 
1. Johannes tauft Jesus.
 
Vom Heiligen Geist angerührt spürt Johannes der Täufer, daß Jesus, der sich taufen lassen will, derjenige ist, dessen Kommen er angekündigt hat: „Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Mt 3,11). Jesus war außerdem ohne Sünde und die Taufe des Johannes war „Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden“ (Mk 1,4). Deswegen wollte Johannes Jesus nicht taufen und sagte: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ (Mt 3,14). Angesichts von Jesu Hartnäckigkeit aber hat Johannes nachgegeben. Der Vorläufer hat die Antwort Jesu gut verstanden, die uns ein wenig dunkel erscheint: „Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen“ (Mt 3,15). Jesus bezieht sich auf einen weiten Begriff von Gerechtigkeit. Gott ist gerecht und gibt Gerechtigkeit; Gott rechtfertigt. Jesus Christus ist Mensch geworden, damit Gott durch ihn die Welt rechtfertigen, retten kann. Aus diesem Grund erscheint der Sohn Gottes in Gestalt „eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8). In der Taufe kann man schon das Geheimnis des Lebens Jesu Christi vorausahnen, seinen Tod und seine Auferstehung. In der Taufe Jesu offenbart sich auf das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. In der Taufe hat Jesus den Heiligen Geist empfangen. Als er aus dem Wasser stieg, „öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen“ (Mt 3,16). Auch Gottvater hat sein Zeugnis mittels der Stimme abgelegt, die spricht: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“ (Mt 3,17). 
 
2. Zwei Eigenschaften Jesu.
 
Die Worte Gottvaters erinnern uns an die Ankündigung des Jesaja und das Nachdenken über die Vorhersagen des Propheten helfen uns, den Heilsplan Gottes besser zu verstehen, den er in seiner Fülle in der Person und dem Werk des Herrn Jesus hatte. Wie wir in der ersten Lesung gehört haben, hat Jesaja, inspiriert vom Heiligen Geist, einen Gottesknecht vorgestellt, der eine besondere Mission mit Blick auf Israel und alle Nationen habe.  „Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht“ (Jes 42,1). Die universale Sendung des Gottesknechtes wird auch durch die Bestimmung, die er erfüllen soll, unterstrichen, „der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein“ (Jes 42,6). Aus der Beschreibung des Gottesknechtes ergeben sich zwei komplementäre Eigenschaften, die man auch auf das Leben Jesu hin deuten kann.
 
- Sanftmut. Um die Sendung zu erfassen, die Gott ihm anvertraut hat, heißt es: Sein Knecht „schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus“ (Jes 42,2-3). Diese Worte erinnern leicht an die Aufforderung Jesu: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“ (Mt 29-30). In seinem Leben gibt es reichlich Wunder oder Geschichten der Güte, der Barmherzigkeit, des Verzeihens, der Sanftmut.
 
- Entschiedenheit. Der Prophet Jesaja sieht zugleich die Bestimmtheit des Gottesknechtes voraus, mit der er seine Mission zuende bringt: „er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln“ (Jes 42,3-4). Diese Worte sind im Leben Jesu Christi verwirklicht: er hat mit Sanftmut gewirkt, aber auch mit Entschiedenheit. Er genügt, an seine Entschlossenheit, von Johannes getauft zu werden, zu denken. Und auch daran zu erinnern, wie bestimmt er seine Jünger gefragt hat: „Wollt auch ihr gehen?“ (Joh 6,67), als er sah, daß viele ihn verließen, weil sie seine Rede über die Eucharistie als hart empfanden. Auch zu Simon Petrus war Jesus klar. Als der Apostel ihn von der Passion abhalten wollte, hat ihm der Meister geantwortet: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23).
 
3. Die Taufe leben.
 
Die Taufe Jesu ermuntert uns, das Bewußtsein der Bedeutung unserer Taufe zu erneuern und einsatzbereit die Taufwirklichkeit zu leben. Wir danken Jesus, daß er getauft werden wollte, weil er mit dieser Geste die christliche Taufe eingesetzt hat. Die Taufe ist das grundlegende Sakrament des christlichen Lebens. Durch die Taufe ermöglicht Jesus Christus, daß Gott „alle Gerechtigkeit“ erreicht und die Menschen, die nach seinem Bild geschaffen sind (vgl. Gen 1,27), gerettet werden. Das Wasser hat zwei Eigenschaften, die sich oft in der Bibel finden: Das Wasser zerstört wie zum Beispiel bei der Sintflut (vgl. Gen 7 und 8). Aber es reinigt auch und schenkt Leben: es dient sowohl der rituellen Reinigung wie auch für das Waschen im alltäglichen Leben. Das Wasser ist vor allem in der Umwelt des Mittleren Ostens geschätzt, wo es weite Wüstenzonen gibt. Es nimmt die Sünde hinweg: das Übergießen mit Wasser bedeutet den Tod des alten Menschen, des Sünders. Das Taufwasser aber reinigt und schenkt neues Leben, womit es auch die Auferstehung symbolisiert, jener des Herrn Jesus, aber auch unsere, wenn wir mit ihm verbunden bleiben, der „die Auferstehung und das Leben“ ist (Joh 11,25). Durch ihn, den eingeborenen Sohn des Vaters, empfangen auch wir in der Taufe den Heiligen Geist und werden Söhne Gottes. Im Geist können wir Gott Abba nennen, Vater: „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater“ (Gal 4,6). Jesus selbst hat uns gelehrt zu beten: „Vater unser im Himmel“ (Mt 6,9). Die Taufe verpflichtet uns daher zu einem verantwortungsvollen und freudigen Leben, würdig unserer Bestimmung als Söhne Gottes. Den Inhalt eines solchen Lebens wiederholt Papst Franziskus oft, wenn er sagt, die Getauften sollen Jünger Jesu Christi sein und Missionare seines Evangeliums, welches die Frohe Botschaft für uns und die Welt ist. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir unser Leben der mütterlichen Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter der Kirche, damit wir jeden Tag unseres Lebens Gott dem Vater, Sohn und Heiligen Geist für da Geschenk der Taufe danken können und das uns stärkt, sie in unserem persönlichen, familiären und sozialen Leben zu leben. Amen.