16 12 18 Predigt von Nuntius Eterovic am 4. Adventssontag

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 4. Adventssonntag – Lesejahr A

Berlin, 18. Dezember 2016
 

 
„Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.“ (Mt 1,23).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
An diesem vierten und letzten Adventssonntag stellt uns das Wort Gottes zwei sinnbildliche Figuren vor: Maria und Josef. Außerdem wir die Initiative Gottes in der Entscheidung unterstrichen, seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus durch das Werk des Heiligen Geistes in die Welt zu senden. Über diese Punkte wollen wir gemeinsam nachdenken und uns weiterhin auf Weihnachten vorbereiten, auf die Begegnung mit Jesus, der nahe ist. 
 
1. Gott ergreift die Initiative.
 
In der Vorbereitung auf das Hochfest von Weihnachten ist die Notwendigkeit einleuchtend, daß sich die Gläubigen gut geistliche auf das große Ereignis vorbereiten. Die verkündigten Lesungen beschreiben auch die Initiative Gottes, mehr noch unterstreichen sie die Priorität der göttlichen Initiative. Das ist sehr deutlich in der aus dem Buch des Propheten Jesaja entnommenen ersten Lesung. Der Prophet, vom Heiligen Geist inspiriert, ermahnt den König Ahas an JHWH zu glauben und an seinen Schutz angesichts der Bedrohungen durch die Feinde. Um ihn zu beruhigen, schlägt er ihm vor, ein Zeichen vom Herrn zu erbitten, um sich Seiner Gegenwart inmitten seines erwählten Volkes zu versichern. Ahas, der sich vermutlich auf das militärische Eingreifen Assurs verließ, wollte ein solches Zeichen nicht erbitten und begründete dies scheinheilig, er wolle den Herrn nicht versuchen. In diesem Zusammenhang ist es Gott, der selbst eingreift und dem Haus David und dem ganzen erwählten Volk ein Zeichen gab. Durch den Propheten Jesaja verspricht Gott: „Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben“ (Jes 7,14). Auch im Bericht von der Geburt Jesu im Matthäusevangelium finden wir erneut die Initiative Gottes, sei bei der Verkündigung an die Jungfrau Maria, sie werde die Mutter Jesu, sei es in der Erklärung an Josef, ihren Bräutigam, zum göttlichen Eingreifen in das Leben Mariens und der Konsequenz für sein Leben.
 
In der Heiligen Schrift wird oft der Primat des Handelns Gottes für uns unterstrichen. Der Heilige Johannes schreibt beispielsweise: „Wir wollen (Gott) lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh 4,19). Gott ruft uns zu sich, noch bevor wir uns auf den Weg gemacht haben. Unserer Antwort auf seinen Anruf geht seine Gnade voraus. Daher sei Dank an Gott, der uns vorangeht und uns begleitet, wenn wir uns auf den Weg machen, um ihm in der Person Jesu Christi, dem Menschen und Gott, zu begegnen, der bald in der Heiligen Weihnacht kommen wird. 
 
2. Maria, die Mutter Jesu.
 
Gott hat die Jungfrau Maria auserwählt für die Fleischwerdung Jesu Christi. Das heutige Evangelium des Heiligen Matthäus ist sehr schlicht in der Beschreibung der Rolle Mariens. Lediglich mit wesentlichen Worten wird ihre Mutterschaft erwähnt. Sie beziehen sich auf die Geburt Jesu, wenn es heißt: „Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes“ (Mt 1,18). Um Einzelheiten zu erfahren, muss man sich an das Lukasevangelium wenden. Er beschreibt die Geburt Jesu aus der Sicht Mariens. Er beschreibt ihre Unsicherheit angesichts der Ankündigung des Engels Gabriel: „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben“ (Lk 1,30-33). Nach der Erklärung des Engels, daß sie durch den Heiligen Geist und die Macht Gottes empfangen soll, hält der Heilige Lukas auch die Antwort Mariens fest: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). 
 
Diese Besinnung auf die Rolle Mariens bei der Fleischwerdung Jesu erlaubt uns, noch einmal die Initiative Gottes zu unterstreichen, der den Engel Gabriel „zu einer Jungfrau gesandt hat. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte“ (Lk 1,27) und ihr sagen ließ, daß sie Mutter werde durch das Wirken des Heiligen Geistes (vgl. Lk 1,35). Die Antwort Mariens drückt auch ihre volle Verfügbarkeit für den Willen Gottes aus. Hierin wird die Jungfrau Maria uns zum Beispiel gegeben, daß auch wir den Ruf Gottes annehmen und mit seiner Gnade verwirklichen sollen. Gott kommt uns entgegen, aber auch wir müssen uns auf Ihn hin bewegen, vor allem in dieser Zeit des Advents. 
 
3. Josef der Gerechte.
 
Der Heilige Matthäus beschreibt mit mehr Einzelheiten die Reaktion von Josef, als er bemerkte, was mit Maria geschehen war. Er war völlig überrascht, daß Maria ein Kind erwartete, das nicht von ihm war. Maria und Josef waren erst verlobt und haben noch nicht zusammen gelebt. Josef findet sich in großen Schwierigkeiten. Er liebte Maria und war willens, sie zu seiner Frau zu nehmen, um eine normale Familie zu gründen. Mit der Schwangerschaft Marien geriet dieses schöne Vorhaben in die Krise, wie das ganze Leben des Josef überhaupt. Er wußte nicht, was er tun sollte, welche Lösung zu finden sei. Weil „er gerecht war“ (Mit 1,19), wie der Evangelist unterstreicht, entschied er sich für das kleinere Übel, was hieß „sich in aller Stille von ihr zu trennen“ (Mt 1,19). Aber siehe, Gott ergreift erneut die Initiative und erklärt dem Josef, was geschehen war. Während Josef schließ, geschieht das göttliche Eingreifen erneut durch einen Engel: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,20-21). Im Hebräischen bedeutet der Name Jesus „Gott rettet“: der Name repräsentiert das Lebensprogramm Jesu Christi. Die Offenbarung war so überzeugend, daß „er tat, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Mt 1,24). Der Evangelist Matthäus kommentiert, daß all das geschehen war, damit sich die Prophezeiung des Jesaja erfüllt: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns“ (Mt 1,23).
 
Die Erfahrung des Heiligen Josef dient auch uns dazu, die christliche Berufung gut zu leben, vor allem in dieser Zeit des Advents. Das christliche Leben ist nicht frei von den unterschiedlichen Schwierigkeiten, besonders das familiäre Leben, wie die Erfahrungen Marias und Josefs zeigen. Aber die Schwierigkeiten sollen im Glauben überwunden werden, durch das Gebet, durch das Gespräch, durch die Liebe. Gott handelt immer im Leben seiner Gläubigen. Leider können die Menschen in ihrer Freiheit das Herz vor Gott verschließen, suchen nicht seine Hilfe oder noch schlimmer, sie fliehen vor seiner Gnade.  
 
Vertrauen wir unser Leben der Fürsprache Mariens und Josefs an, damit auch wir persönlich und als Glieder christlichen Gemeinschaft immer den Vorrang der Gnade Gottes anerkennen können, damit wir seinen Ruf hören, der uns auf den Weg zu Jesus bringt, „der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten“ (Röm 1,3-4). Voll Vertrauen zu dem, der sagt: „Siehe, ich komme bald“, rufen wir im Gebet mit der ganzen Kirche: „Komm, Herr Jesus“ (Offb 22,20). Amen.