17 01 22 Predigt von Nuntius Eterovic am 3. Sonntag im Jahreskreis

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović 
Am 3. Sonntag im Jahreskreis – LJ A

Berlin, 22. Januar 2017


 
„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“ (Mt 4,17).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Das Wort Gottes ist lebendig und kraftvoll (vgl. Hebr 4,12) für die Menschen jeder Generation. Daher richtet es sich auch an uns, um unser persönliches und gemeinschaftliches Leben in der Kirche von heute zu erleuchten. Wir fragen daher nach der Bedeutung des Wortes aus dem Evangelium des Heiligen Matthäus, das verkündet worden ist. Wir können drei Punkte aufzeigen: 1. Das Umfeld, in dem Jesus Christus wirkt; 2. der Inhalt seiner Botschaft; 3. die Berufung der Apostel. 
 
1. Das Umfeld der Verkündigung Jesu.
 
Das heutige Evangelium beginnt mit Blick auf die Einkerkerung Johannes‘ des Täufers mit einer dramatischen Feststellung: „Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück“ (Mt 4,12). Das Los des Johannes ist auch bezeichnend für das Schicksal Jesu Christi. Die Predigt des Vorläufers Johannes, vor allem der Vorwurf an den Tetrarchen Herodes wegen seiner illegitimen Hochzeit mit Herodias, der Frau seines Bruders, war die eigentliche Ursache für die Verhaftung und sodann für den Tod des Johannes. Jesus wusste, daß die Verkündigung des Evangeliums, der Guten Nachricht, nicht gleichgültig lässt und daß auch er Ablehnung und Hass erfahren kann, vor allem von der führenden Klasse des Volkes. Auch aus diesem Grund entfernte sich Jesus von Jerusalem und zog es vor, in Galiläa zu leben, das Galiläa der Nationen oder Bezirk der Heiden genannt wurde. Als er wählte, am Rand zu leben, hat er die Prophetie des Propheten Jesaja über das Land Sebulon und Naftali verwirklicht, daß ein großes Licht sehen sollte, nachdem es in der Finsternis leben musste. Dieses Licht ist Jesus Christus, „das Licht der Welt“ (Joh 8,12).
 
Auch wir sind aufgerufen, dem Beispiel Jesu zu folgen und sein Evangelium zu verkünden, auch in den schwierigen Zeiten, einschließlich der dunklen Situationen. Der Heilige Paulus sagt auch uns, geführt vom Heiligen Geist: „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht“ (2 Tim 4,2). Wie der Herr Jesus, suchen auch wir, das besonnen bei den Menschen umzusetzen, die offen sind für das Wort des Lebens. Wie der Meister, so dürfen auch wir uns nicht einschüchtern lassen angesichts der Schwierigkeiten, die sogar das Zeugnis bis zum Martyrium einschließen. Nach den aktuellen statistischen Zahlen gehören Christen zu der am meisten verfolgten Religion in der Welt. Wie der Heilige Vater Franziskus oft wiederholt, gibt es heute mehr Märtyrer, als in den ersten Zeiten des Christentums. Der Heldenmut vieler unserer Brüder und Schwestern sollte auch uns anfeuern, uns stärker der Verkündigung Jesus Christus und seines Evangeliums hier in Deutschland und Europa zu widmen. 
 
2. Der Inhalt der Verkündigung Jesu.
 
Jesu Verkündigung drückt sich in der Aufforderung aus: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“ (Mt 4,17). Die Juden erwarteten das Kommen des Himmelreiches, in dem der Friede, die Gerechtigkeit, die Freiheit wieder aufgerichtet werden. Es handelte sich zumeist um eine soziale und politische Konzeption mit Blick auf das Schicksal der Nation, die so viel unter der Unterdrückung durch das Römische Reich zu leiden hatte. Die Worte des Herrn aber gehen in eine andere Richtung, indem sie den Akzent auf die geistliche Dimension legen. Das Himmelreich ist nahe, es ist gegenwärtig in der Person Jesu Christi. Aber um dorthin zu gelangen, ist es nötig umzukehren. Die Umkehr ist der einzige Weg, um in das Reich einzutreten, das Jesus verkündet. Seine Worte werden durch begleitende Gesten und Wunder bekräftigt. Diese Botschaft ist universal. Jesus Christus hat sie nicht allein auf die Bewohner von Kafarnaum und den See Tiberias begrenzt. Im Gegenteil, „Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden“ (Mt 4,23).
 
Die Botschaft Jesu ist auch für uns aktuell. Sein Reich ist mitten unter uns. Er ist gegenwärtig in der Heiligen Schrift, in den Sakramenten und besonders in der Eucharistie. Aber um ihm persönlich zu begegnen, um einzutreten in den Bereich seines Reiches, ist es nötig umzukehren, den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen, der von Sünden gereinigt und mit Gnade und Liebe bekleidet ist. Der Geist der Umkehr soll den Christen während des ganzen Lebens begleiten. Während wir leben, sollen wir fortdauernd Gott und die Werte des Evangeliums wählen und jeden Tag dem Satan und dessen Werken der Finsternis, des Egoismus, der Sünde abschwören. 
 
3. Die Berufung der Apostel.
 
Die Berufung der ersten Apostel, der Brüder Simon, genannt Petrus, und Andreas, wie auch der Zebedäussöhne Jakob und Johannes, zeigt konkret, worin die Umkehr besteht, die notwendig ist, um Jesus zu folgen. Die ersten vier Jünger Jesu haben sofort ihren Ruf gehört, haben ihre Art zu leben verlassen und sind dem Meister gefolgt. Der Evangelist wiederholt zweimal: „Sofort verließen sie ihre Netze (das Boot und ihren Vater) und folgten ihm“ (Mt 4,20.22). Auf diese Weise haben die Apostel ihre Verfügbarkeit gezeigt, Jesus Christus zu folgen und ihr Leben radikal zu ändern, indem sie nicht nur ihre Arbeit als Fischer verlassen haben, sondern auch ihre Familien.
 
Die Erzählung des Evangeliums zeigt uns, daß der Herr Jesus vom Anfang seiner Sendung an eine Gruppe von Menschen sammeln wollte: „Er rief seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel“ (Lk 6,13). Geführt vom Heiligen Geist, sollten sie sein Werk nach seiner glorreichen Heimkehr in den Himmel weiterführen. Aus diesem Grund sollten die Apostel Zeugen der Auferstehung Jesu sein. Auf den Platz des Verräters Judas wurde Matthias gewählt, wozu genaue Kriterien angegeben wurden, die in der Apostelgeschichte genannt sind: „Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Himmel) aufgenommen wurde, - einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein“ (Apg 1,21-22).
 
Auch heute hat der Herr Mitarbeiter, Nachfolger der Apostel, Bischöfe und Priester nötig, um seine Sendung fortzusetzen. Er ruft weiterhin in seinen Dienst, denn er hat versprochen, bei uns zu bleiben „alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Das Fehlen der Berufungen zum Priestertum wie auch zum geweihten Leben kann man erläutern mit der fehlenden Bereitschaft, auf positive Weise dem Ruf Jesus Christi zu antworten. Diese geringe Bereitschaft ist sodann verbunden mit einem schwachen Glauben, wie auch mit dem Fehlen des Gebets um Berufungen. Wie die ersten Jünger, so flehen auch wir zum Herrn: „Stärke unseren Glauben!“ (Lk 17,5). Wir verfolgen einfach die besten Weise, um Priesterberufungen zu erhalten: das Gebet. Der Herr übrigens ermahnt uns: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38). 
 
Der seligen Jungfrau Maria, der Mutter Jesu und Mutter der Apostel, empfehlen wir unsere Überlegungen, besonders unser inniges Gebet, damit der gute und barmherzige Gott seine Kirche mit heiligen und zahlreichen Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben segne. Wir beten besonders, daß viele der Jungen den Ruf zum Priestertum annehmen und mit erneuertem Enthusiasmus das Werk des Hirten, Priester und Propheten Jesus Christus fortsetzen. Amen.