17 01 29 Predigt von Nuntius Eterovic am 4. Sonntag im Jahreskreis

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 4. Sonntag im Jahreskreis – LJ A

Berlin, 29. Januar 2017


„Selig, die arm sind vor Gott“ (Mt 5,3).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Das heutige Evangelium des Heiligen Matthäus legt uns die Bergpredigt oder die Seligpreisungen für unsere Überlegung vor. Wir befinden uns am Beginn des öffentlichen Wirkens Jesus, und es ist einleuchtend, daß Er sein Programm vorstellt. Die Beschreibung des Umfeldes und seiner Haltung erinnern an Mose und das Gesetz, das Gott ihm auf dem Berg Sinai offenbart hat, und das Mose dem erwählten Volk überbrachte. Auch Jesus ist nicht nur von den Jüngern umgeben, sondern vom Volk. Auch er „stieg auf einen Berg“ (Mt 5,1), was bedeutet, er nahm den Platz eines Meisters ein, ergriff das Wort und „lehrte sie“ (Mt 5,2). Der Inhalt der Lehre des Meisters sind die Seligpreisungen. Sie zeigen das Ziel des christlichen Lebens eines jeden Jüngers Jesu Christi an: die Seligkeit, was vollendetes Glück bedeutet, das ewige Leben. Das kann man aber nur erreichen, wenn man die Seligpreisungen lebt, jene Magna Charta des Christentums. Zur Seligkeit gelangt man auch über das Kreuz, die Leiden und die Schwierigkeiten unterschiedlichster Natur. 
 
Die neun Seligpreisungen, die uns der Heilige Matthäus überliefert, sind uns gut bekannt. Wenn wir sie wiederum lesen und hören, müssen wir nach ihrer Bedeutung für unsere aktuelle persönliche und gemeinschaftliche, die kirchliche und soziale Situation fragen. Mit seinem Leben und seiner Verkündigung hat Jesus Christus die Seligpreisungen, die er gepredigt hat, auf vollendete Weise verwirklicht. Daher sollen wir seinem Beispiel, sie zu verstehen und in die Praxis umzusetzen, folgen. Tatsächlich zeigt Jesus, daß die Seligpreisungen keine abstrakten, theoretischen und vom Leben weit entfernten Aussagen sind, sondern sie sind sehr konkret und haben eine große Auswirkung auf das Leben der Menschen in der Kirche und in der Gesellschaft. Gleichsam in einer Skizze suchen wir kurz aufzuzeigen, wie Jesu jede der Seligpreisungen angewandt hat und versuchen wir, seinem Beispiel zu folgen. 
 
1. Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich (Mt 5,3).
 
Im Unterschied zum Evangelisten Lukas spricht der Heilige Matthäus von den Armen vor Gott, um die Ablösung von den materiellen Gütern zu unterstreichen. Der Jünger Jesu hat seinen Reichtum allein in Gott, und was er besitzt, soll er einsetzen, um dem Nächsten zu helfen, einschließlich der Armen und Hilfsbedürftigen. Die Haltung der Loslösung von den materiellen Gütern leitet man vom Wort Jesu ab: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Die Güter, die er hat, dienen ihm zur Erfüllung seiner Sendung. Der Heilige Lukas erinnert daran, daß einige Frauen, die Jesus geheilt hatte, ihm und seinen Jüngern folgten und „sie unterstützten mit dem, was sie besaßen“ (Lk 8,3). Indessen „wanderte Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes“ (Lk 8,1). 
 
2. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden (Mt 5,4).
 
Man kann traurig sein aufgrund der materiellen Übel, der leiblichen und geistlichen, einschließlich unserer und der Welt Sünden. Wir finden uns oft in diesem Zustand der Traurigkeit. Aber Gott schenkt uns die Gnade, um zu reagieren. Man braucht nicht wie Judas Iskariot angesichts seines Verrates handeln, sondern vielmehr sollen wir wie Petrus bereuen und die Tröstung vom Herrn erflehen. Jesus selbst hat die Versuchung erfahren, besonders im Garten Getsemani. Aber in diesen dramatischen Momenten, hat ihn Gott getröstet: „Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue) Kraft“ (Lk 22,43). Jesus lehrt uns daher, daß die Versuchung auch eine Gelegenheit sein kann, um die Tröstung Gottes zu erfahren. Wie zur Zeit seines irdischen Lebens, so heilt Jesus auch weiterhin die Krankheiten des Leibes und der Seele, indem er sich als unser großer Tröster schenkt. 
 
3. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben (Mt 5,5).
 
Jesus und sein Evangelium richten sich gegen die Gewalt. Güte ist die Haltung seiner Jünger, der Christen. Jesus selbst hat sich als gütig bezeichnet: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“ (Mt 11,28-30). Für die Juden ist das Land, das die Sanftmütigen erben werden, das Heilige Land als Symbol für die messianischen Güter. Die Gütigen und Sanftmütigen werden das Land erben, das selbst zu einer neuen Schöpfung verwandelt wird. 
 
4. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden (Mt 5,6).
 
Gerechtigkeit ist ein sehr weiter Begriff im Evangelium und zeigt die Erfüllung des Willens Gottes auf dem Weg der Heiligkeit an. Jetzt hat uns Jesus Christus klar gemacht, was der Wille Gottes ist. Mit Bezug auf die Ermahnung Gottes: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig“ (Lev 19,2) fordert uns Jesus zur Vollkommenheit auf: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ (Mt 5,48). 
 
5. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden (Mt 5,7).
 
Jesus Christus hat das barmherzige Antlitz Gottes, des Vaters offenbart. Darüber haben wir reichlich während des vergangenen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit nachgedacht. Wir erinnern uns des Wortes Jesu, um erneut diese Seligpreisung zu aktualisieren: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist“ (Lk 6,36). 
 
6. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen (Mt 5,8).
 
In der Heiligen Schrift ist das Herz das Zentrum des Menschen, der Sitz von Intelligenz und Willen. Ein Herz haben, kann bedeuten, mit reinen Absichten handeln. Wir erinnern uns der Worte Jesu Christi, die er an seine Jünger zu allen Zeiten, also auch an uns, richtet: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen“ (Mt 5,27-28). 
 
7. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden (Mt 5,9).
 
Friede ist eines der Hauptanliegen Jesu Christi. Er selbst hat seinen Jüngern gesagt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ (Joh 14,27). Er selbst „ist unser Friede“ (Eph 2,14). Die Friedensstifter sind vereint mit Jesus Christus, dem „Fürst des Friedens“ (Jes 9,5). 
 
8. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich (Mt 5,10).
9. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet (Mt 5,11).
 
Der Inhalt dieser Seligpreisung ist neu und dem Evangelium eigen. Es ist nicht einfach, sie zu verstehen und zu leben. Vielleicht hat Jesus Christus den Inhalt aus diesem Grund wiederholt, in dem er näher ausführt, daß diejenigen selig sind, die seinetwegen oder um seines Evangeliums willen leiden. Er selbst hat auf beste Weise diese Seligpreisung gelebt. Ihm war bewußt, viel leiden zu müssen: „Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen“ (Lk 9,22). Jesus wusste, daß auch seine Jünger ein ähnliches Schicksal erwarten würde, in einer feindlich gesinnten Welt, welche die Christen hasst. Darum hat er gesagt: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20). So wie Jesus durch Leiden und Tod selig geworden ist, so werden auch seine Jünger selig werden. Das zeigen die vielen Märtyrer, die um der Gerechtigkeit willen und wegen ihrer Achtung der Rechte Gottes in unserer Welt verfolgt worden sind. Der gestorbene und auferstandene Herr öffnet ihnen die Pforten des Himmelreiches. Diese Seligpreisung erfüllt sich schon im Moment der Verfolgung, denn die Christen, die wie die anderen Menschen schwach sind, empfangen besondere Gaben vom Heiligen Geist, damit sie im Glauben stark bleiben, treu zu Jesus Christus stehen, offen für seine Liebe sind, die auch ihre Verfolger einschließt und das Gebet für ihre Bekehrung. 
 
Jesus Christus hat in vorbildlicher Weise die Seligpreisungen gelebt. Sie sind die beste Beschreibung für seine Person: arm vor Gott, demütig, heilig, barmherzig, reinen Herzens, Friedensstifter. Er ist auch unsere Stütze in Leid und Verfolgung. Die Heiligen sind seinem Beispiel gefolgt, besonders seine und unsere Mutter, die selige Jungfrau Maria. Ihrer Fürsprache empfehlen wir das Bittgebet, damit jeder von uns und alle zusammen immer besser die Seligpreisungen leben können, die der Herr Jesus allen Gliedern seiner Kirche ans Herz legt. Amen.