17 02 05 Predigt von Nuntius Eterovic am 5. Sonntag im Jahreskreis

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 5. Sonntag im Jahreskreis – LJ A
 
Berlin, 5. Februar 2017
 

 
„Ihr seid das Salz der Erde … Ihr seid das Licht der Welt“ Mt 5,13.14).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Die Worte Jesu Christi: „Ihr seid das Salz der Erde …. Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,13.14) sind Teil der Bergpredigt. Sie werden eingerahmt von den Seligpreisungen, dem Programm, das der Herr Jesus zu Beginn seiner Sendung präsentiert und während der drei Jahre seines öffentlichen Wirkens praktiziert hat. 
 
Verweilen wir bei diesen inhaltsreichen Worten und entdecken wir ihre Bedeutung für uns Christen heute, besonders in unseren säkularisierten Ländern Europas.
 
Auf den ersten Blick enthält die Proklamation Jesu zwei Aspekte, die wir erfassen sollten: „Ihr seid das Salz der Erde …. Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,13.14), erläutert, wie sich seine Jünger verhalten sollen. Daher offenbaren seine Worte das Geschenk Gottes, das wir empfangen haben, aber sie betonen auch die Pflicht, dieses Geschenk zu leben und es anderen weiterzugeben. 
 
1. „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13).
 
Der Herr Jesus weist darauf hin, daß seine Jünger, die Christen, das Salz der Erde sind. Wie das Salz der Speise Geschmack verleiht, so sollen die Christen dem Leben Geschmack und der menschlichen Existenz Sinn geben. Die Christen haben das Geschenk des Glaubens empfangen, der die Aufgabe des Salzseins im persönlichen und sozialen Leben lenkt. Der Glaube ist das Geschenk Gottes, das der Mensch in der Gnade des Heiligen Geistes annimmt. Indem er sich auf seine Evangelisierung in Korinth bezieht, präzisiert der Heilige Paulus: „Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes“ (1 Kor 2,4-5). Der Christ, der sich vom Geist des auferstandenen Herrn führen lässt, lässt zu, daß die Gabe des Glaubens in ihm gestärkt wird (vgl. Lk 17,6). Vom Geist beseelt, zieht er die anderen zu Jesus Christus und zu seiner Kirche. Und wenn er der Inspiration des Geistes folgt, bemüht er sich, das Geschenk des empfangenen Glaubens den Nahen und Fernen weiterzugeben. 
 
Es besteht aber die Möglichkeit des Scheiterns. Das Salz kann seinen Geschmack verlieren, kann unnütz werden und muss weggeworfen werden (vgl. Mt 5,13). Analog verliert ein Christ ohne Glauben, ohne die Kraft des Geistes den Geschmack. Nicht nur, daß er nicht aktiv ist, die Neuheit des Evangeliums Jesu Christi zu leben, sondern man kann vielmehr auch zum Hindernis werden, manchmal auch zu einem Skandal, der die Menschen von der Kirche entfernt. 
 
Wir leben in einer säkularisierten Welt, in der es nicht viel zählt, Christ zu sein. Nach den statistischen Daten wächst in verschiedenen Ländern Europas die Zahl der Ungetauften, vor allem bei den Kindern. Auch die Zahl derer steigt, die zwar getauft sind, aber ihren Glauben nicht praktizieren. Viele kennen sodann nicht ausreichend das Geschenk, das sie empfangen haben. So können sie es nicht schätzen, leben und anderen weitergeben. In diesem Kontext ist es lebenswichtig, daß die Christen zum Salz der Erde werden, zum Salz im Umfeld, in dem sie leben, angefangen bei ihren Familien. Um der Speise Geschmack zu geben, ist nur ein wenig Salz nötig. So auch in unseren säkularisierten Gesellschaften. Dort wäre eine authentische christliche Minderheit von Gläubigen ausreichend, die den Glauben leben und keine Angst haben, ihn in ihrem persönlichen, familiären und sozialen Leben zu bezeugen. Eine kreative christliche Minderheit, die vom Geist beseelt ist, könnte die Rolle des Salzes in unserer Welt erfüllen, ihr Geschmack geben, indem sie der Existenz des Menschen und des Kosmos Sinn anbietet. Der christliche Glaube lässt uns verstehen, daß die Schöpfung kein Resultat eines Zufalls ist, sondern vielmehr ein intelligentes Projekt, daß wir Christen erkennen, Schöpfungswerk von Gottvater zu sein. Der christliche Glaube ist sodann eine Quelle der universalen ethischen und moralischen Werte, unverzichtbar für den Aufbau einer Gesellschaft nach menschlichem Maß in Gerechtigkeit und Wohlstand. 
 
2. „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14).
 
Die Christen sollen Salz der Erde sein und daneben nach dem Wort Jesu Licht der Welt. Das Licht ist als Symbol in der Heiligen Schrift sehr präsent. Am Anfang der Schöpfung schafft Gott am ersten Tag das Licht, indem er sagt: „Es werde Licht! Und es ward Licht“ (Gen 1,3). Ohne auf die vielfältigen Bedeutungen des Lichtes in der Bibel einzugehen, konzentrieren wir uns auf das Stück des Matthäusevangeliums. Es zeigt, daß das Licht in erster Linie eine Funktion ausübt, die ihm eigen ist: leuchten. Hierzu muss man es „auf den Leuchter stellen; dann leuchtet es allen im Haus“ (Mt 5,15). Das Licht muss sichtbar sein wie „eine Stadt, die auf einem Berg liegt“ (Mt 5,14). Aus den Worten Jesu kann man leider ableiten, daß man das Licht auch verbergen kann, „unter einem Gefäß“ (Mt 5,15), so daß es weder das Haus, noch seine Bewohner erleuchtet.
 
Wenn man das Salz in Verbindung mit dem Glauben sehen kann, ist das Licht gut zu vergleichen mit der Caritas. Das suggeriert uns die erste Lesung des Propheten Jesaja, der in konkreter Weise vom Licht spricht, das im Leben des wahrhaft Gläubigen „hervorbricht wie die Morgenröte“ (Jes 58,8). „Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag“ (Jes 58,9-10). 
 
Die Werke der Liebe leuchten wie das Licht in der Finsternis in einer egoistischen Welt, voller Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Konflikten. Das Verhalten der Christen hat die Verherrlichung Gottes zum Ziel, der Vater aller Menschen ist, die daher untereinander Brüder und Schwestern sind. Der christlichen Caritas ist jede Idee von Selbstlob und leerer Ehre fern, gemäß den Worten Jesu: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16). 
 
Liebe Brüder und Schwestern, die Worte des Herrn Jesus: „Ihr seid das Salz der Erde …. Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,13.14) ermuntern uns, die Würde unserer christlichen Berufung erneut zu entdecken, daß wir nämlich Kinder Gottes sind (vgl. 1 Joh 3,1-2). Der Heilige Paulus sagt hierzu genauer: „Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus“ (Gal 3,26). Der Glaube aber ist „in der Liebe wirksam“ (Gal 5,6). Der Heilige Jakobus erläutert sodann: „So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat“ (Jak 2,17). Daher sind Glaube und Caritas so miteinander verbunden, daß das eine ohne das andere unvollständig wird. Daher gehört auch die Aufforderung zusammen, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Beide sind Gaben Gottes, die wir leben und der Welt zeigen müssen als ein einziger Beitrag, denn es handelt sich nicht um menschliche Produkte, sondern um Werke Gottes. Diese Feststellung lässt uns ruhig werden angesichts der Notwendigkeit und Dringlichkeit der Sendung in unsere Welt. Gott erwartet von uns, der Welt das zu geben, was er uns gegeben hat: das Salz des Glaubens und das Licht der Liebe. Mit diesen Gaben sind die Christen immer mehr einzigartig, denn sie geben nichts Eigenes, Begrenztes, Vergängliches, sondern die Gaben des Herrn, die immer fruchtbar sind als Werke für das ewige Leben. 
 
Vertrauen wir unsere Überlegungen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter der Kirche, damit wir ihrem Beispiel folgen  und immer besser den Anspruch Jesu leben zu können: „Ihr seid das Salz der Erde …. Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,13.14).
Amen.