17 02 26 Predigt von Nuntius Eterovic am 8. Sonntag im Jahreskreis

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterovic
am 8. Sonntag im Jahreskreis – LJ A
 
Berlin, 26. Februar 2017
 

 
„Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“ (Mt 6,24).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Das Wort Jesu Christi im heutigen Evangelium des Heiligen Matthäus ist sehr klar. Es erinnert daran, daß es für Christen nur einen Gott und einen Herrn gibt, Jesus Christus. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, an das erste der zehn Gebote zu erinnern: „Ich bin Jahwe, dein Gott. … Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ (Ex 20,3; Dtn 5,7), worauf sich der Glaube des erwählten Volkes des Alten und des Neuen Testamentes gründet. Der Heilige Paulus räumt sodann ein, daß die Menschen viele Götter und viele Herren anbeten können, aber er bekräftigt, „so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr (εĩς κύριος): Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn“ (1 Kor 8,6). 
 
Unter die von Menschen geschaffenen Götter zählt der Herr Jesus den Mammon und mahnt: „Niemand kann zwei Herren dienen (κύριοι) … Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“ (Mt 6,24). Mammon ist ein aramäischer Begriff, Mamòn bedeutet Geld, Reichtum. Das Wort findet sich auch in den Schriften von Qumran in der Wendung „ungerechter Mammon“, wovon auch der Heilige Lukas spricht (vgl. Lk 16,9). Die Exegeten zeigen, daß das Wort Mammon mit der semitischen Wurzel ?aman auf etwas weist, woran man gewissenhaft hängt. Daher stellt der Mammon, der ungerechte Mammon eine Attraktion dar, eine Macht, die vom Menschen Treue einfordert und ihn daher sich entfremdet und zum Sklaven macht. 
 
Für Jesus Christus ist klar, daß die Menschen nur einen Herrn haben sollen, der ihre Anhänglichkeit und Verehrung verdient. 
 
Dennoch kennt der Herr die Begrenztheit der menschlichen Natur, die materiellen Sorgen der Menschen, die sie oft von Gott, ihrem Schöpfer, entfernen lässt. Manchmal schaffen sich die Menschen, ohne sich dessen völlig bewußt zu sein, andere, falsche Götter. Unter diesen Göttern ist das Geld, der Mann, der Reichtum sehr häufig anzutreffen. Jesus Christus ruft uns zum wahren Glauben, zur grundlegenden Beziehung des Menschen mit dem einzigen Gott. Er tut dies auf sehr pädagogische Weise, indem er das Ungenügende der materiellen Güter aufzeigt, die den wahren Gott nicht ersetzen können. Jesus Christus wendet dabei eine positive und negative Sprache an.
 
- Positive Sprache. Im Stück des Matthäusevangeliums bringt Jesus Christus den positiven Aspekt des christlichen Lebens auf den Punkt, das Ideal, an dem das wir unser ganzes Leben ausrichten sollen: „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben“ (Mt 6,33). Daher muß der Christ die Priorität auf das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit legen und nicht auf den Reichtum und die materiellen Güter allgemein. Das ist die Vollkommenheit, welche die Zugehörigkeit zu Gottes Reich erfordert. Es handelt sich um eine Gabe Gottes, die der Mensch annimmt und mit der Kraft des Heiligen Geistes entwickelt. 
 
- Negative Sprache. Was den negativen Sprachegebrauch angeht, so ist bezeichnend, daß der Herr Jesus die Jünger, und durch sie uns, auf dreifache Weise im heutigen Evangelium auffordert, sich nicht zu sorgen. Die Suche nach dem Götzen des Reichtums führt zur Unzufriedenheit, zur Unruhe und zur ständigen Sorge:
 
- „Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt“ (Mt 6,25); 
 
- „Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden“ (Mt 6,31).
 
- „Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage“ (Mt 6,34). 
 
Die ersten beiden Gründe der Sorge sind materieller Art und beziehen sich auf das Essen, das Trinken und die Kleidung. Der Herr ermahnt die Christen, mehr Vertrauen zu Gottvater zu haben, der die Vögel am Himmel erhält und die Blumen des Feldes. Die übermäßige materielle Beschäftigung ist den Heiden eigen und nicht den Jüngern Jesu, die viel mehr wert sind als Tiere und Pflanzen. Der dritte Grund der Sorge bezieht sich aber auf die Unsicherheit mit Blick auf die Zukunft. Der Christ darf nicht zu sehr von der Zukunft besetzt sein, die gerade heute unsicher scheint, darf aber auch nicht in Angst den gegenwärtigen Augenblick leben, denn das ist schlecht. Viel tiefe Weisheit finden wir in dem Satz: „Jeder Tag hat seine eigene Plage“ (Mt 6,34).
 
Liebe Brüder und Schwestern, 
 
Das Wort Jesus Christi macht uns frei von der Sorge um die materiellen Güter. Sicher, sie sind nötig, ja unverzichtbar für unser Leben. Das weiß Jesus selbst, der gesagt hat: „Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn“ (Lk 10,7). Das Wort des Herrn darf uns nicht zum Nichtstun oder zur Flucht vor der Arbeit verleiten. Hierzu sagt der Heilige Paulus: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“ (2 Thes 3,10). Aber die Güter, die sich im Reichtum häufen, dürfen nicht zu einer Obsession werden, dürfen uns nicht zu Sklaven des Götzen Geld machen. Es könnte nützlich sein, sich ein Sprichwort in Erinnerung zu rufen, das heißt: „Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr!“ Der Besitz dient dazu, würdig zu leben, wenn man mit den eigenen Gütern denen beisteht, die nichts oder nicht genug haben. Auf diese Weise haben wir die Aufforderung Jesu gut verstanden: „Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht“ (Lk 16,9). 
 
Die Lehre Jesu sollte auch Konsequenzen für die Gerechtigkeit in der Welt haben, denn sie stellt gerechtere Beziehungen zwischen den Menschen und Völkern her. Leider besteht aktuell ein großes Ungleichgewicht zwischen der stets kleinen Zahl von Reichen und der großen Mehrheit der Armen. Es ist ein Skandal, der zum Himmel schreit, was von den Medien kürzlich verbreitet wurde, daß acht reiche Personen den gleichen Anteil an den Gütern besitzen wie 3,6 Milliarden der Armen weltweit. Auch diese traurige Tatsache lässt erkennen, wie aktuell die Botschaft Jesu Christi über den Reichtum und den Gebrauch der Güter zugunsten der Armen und Hilfsbedürftigen ist. 
 
Vertrauen wir unsere Überlegungen der mächtigen Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter der Kirche. Wenn wir ihrem Beispiel und dem der vielen Heiligen folgen, die vom Heiligen Geist geführt wurden, beten wir allein Gott und Jesus Christus an, den einzigen Herrn. Mit der Hilfe Gottes werden wir lernen, dem Mammon und den materiellen Gütern nicht zu dienen, sondern sie zu nutzen für ein würdiges Leben für uns und unseren Nächsten, besonders den Armen. Amen.