17 04 23 Predigt von Nuntius Eterovic am 2. Sonntag der Osterzeit

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 2. Ostersonntag - Weißer Sonntag
und Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit – LJ A

Berlin, 23. April 2017


 
„Empfangt den Heiligen Geist“ (Joh 20,22).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
Wir erleben die große Freude des Hohen Osterfestes. Dieses Fest ist so bedeutsam, daß es sich liturgisch über die ganze Woche erstreckt. An jedem Oktavtag von Ostern jubelt die Kirche, indem sie wiederholt, daß heute der Herr Jesus auferstanden ist und in seine Herrlichkeit eintrat, die er von Ewigkeit her hatte. Jetzt sitzt er zur Rechten des Vaters, nicht allein als das Wort Gottes, sondern auch als der verherrlichte Mensch, der an seinem verklärten Leib die Wundmale trägt, die an seine Passion und seinen Tod erinnern.
 
Der heutige Sonntag wird in Erinnerung an die Katechumenen, die in der Osternacht die Taufe empfangen und weiße Kleider angezogen haben, auch Weißer Sonntag (Domenica in albis) genannt. Diese Kleider haben sie die ganze Woche getragen und sie erst am zweiten Ostersonntag abgelegt. 
 
Der Heilige Papst Johannes Paul II. hat diesen zweiten Ostersonntag der Barmherzigkeit Gottes geweiht. Dieser Titel ist mit den mystischen Erfahrungen von Schwester Faustina Kowalska verbunden, die Johannes Paul II. am 30. April 2000 heiliggesprochen hat. Der Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit hat besondere Aktualität im Pontifikat des Heiligen Vaters Franziskus gefunden, vor allem im außerordentlichen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit vom 8. Dezember 2015 bis 20. November 2016. 
Angesichts der reichen Bedeutung dieses Sonntags, der sein Fundament in den biblischen Lesungen hat, möchte ich besonders beim heutigen Evangelium verweilen und über drei Punkte nachdenken: das Geschenk des Friedens (I), das Ausgießen des Heiligen Geistes (II) und das Glaubensbekenntnis des Thomas und jedes Christen (III). 
 
1. Das Geschenk des Friedens.
 
Der auferstandene Herr richtet gut dreimal an seine Jünger den Gruß: „Der Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19.21.26). Der unter den Juden übliche Gruß bekommt im Licht des Sieges Jesu über Sünde und Tod eine besondere Bedeutung. Es ist der messianische Gruß und reich an Inhalt. Jesus richtet ihn an die Jünger, die voller Furcht im Abendmahlssaal waren, wie wir im Johannesevangelium lesen: „Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch“ (Joh 20,19). Allein der Herr kann diesen Frieden geben, wie er versprochen hat: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ (Joh 14,27). Es handelt sich um den Frieden, den er am Kreuz errungen hat. So ist nach dem Heiligen Paulus Christus selbst durch sein Blut „unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder“ (Eph 2,14). 
 
Der Friede ist das große Geschenk Gottes, das unsere Welt so dringend nötig hat. Angesichts so vieler Kriege und Konflikte in vielen Teilen unseres Planeten spricht der Heilige Vater Franziskus oft von einem dritten Weltkrieg „in Teilen“. Die Nachrichten über Gewalt, die uns aus Syrien, dem Irak, aus Libyen, dem Süd Sudan, der Ukraine und vielen anderen Ländern erreichen, erfüllen uns mit großer Traurigkeit. Jeder Krieg zieht tragische Konsequenzen nach sich, vor allem zahlreiche menschliche Opfer und starke materielle und geistliche Zerstörungen. Wir beten daher, der auferstandene Herr möge unserer Welt, die der vielen Kriege, der Gewalt und des Terrorismus müde ist, den Frieden schenken. Sein Ostergruß: „Der Friede sei mit euch!“ verändere die verhärteten Herzen all derer, die für die Kriege und jede Form von Gewalt verantwortlich sind, damit die Menschen in Frieden leben können, und die Nationen ihre Probleme durch den Dialog und mit Respekt vor dem Recht und den ethischen und moralischen Werten zu lösen vermögen. 
 
2. Die Ausgießung des Heiligen Geistes.
 
Nach dem Gruß: „Der Friede sei mit euch!“ und der Aussendung in die Mission: „Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21) hat der auferstandene Herr seine Jünger den Heiligen Geist mit folgenden Worten zu gehaucht: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,22-23). Das Hauchen des auferstandenen Jesus Christus erinnert uns an die Handlung des Heiligen Geistes am Beginn der Schöpfung, als „Gottes Geist über dem Wasser schwebte“ (Gen 1,2). Wir erinnern uns auch an die Vision des Propheten Ezechiel von den trockenen Gebeinen, die wieder lebendig werden: „Rede als Prophet zum Geist, rede, Menschensohn, sag zum Geist: So spricht Gott, der Herr: Geist, komm herbei von den vier Winden! Hauch diese Erschlagenen an, damit sie lebendig werden“ (Ez 37,9). Die Auferstehung Jesus Christi ist die zweite Schöpfung und noch wichtiger als die erste. Sie hat als Fundament Jesus Christus, den Gott und verherrlichten Menschen, den Sieger über Sünde und Tod. Er lädt alle in sein Reich ein, um an dieser neuen Schöpfung teilzuhaben. Das ist allein in der Gnade des Heiligen Geistes möglich. Wir Christen haben den Geist im Sakrament der Taufe und sodann im Sakrament der Firmung erhalten. Leider können wir uns durch die Sünde von Jesus Christus und seinem Geist trennen. In seiner großen Liebe verlässt uns der Herr Jesus auch in diesen Situationen nicht, sondern schenkt uns die Möglichkeit der geistlichen Erneuerung durch das Sakrament der Vergebung oder der Versöhnung. Er hat seinen Jüngern die Gabe des Heiligen Geistes gegeben und die Fähigkeit verliehen, in seinem Namen die Sünden der Menschen zu vergeben: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,23). 
 
Liebe Schwestern und Brüder, die Worte Jesu sind eine bleibende Aufforderung, die Wichtigkeit des Sakramentes der Versöhnung immer neu zu entdecken. Papst Franziskus erinnert die Christen oft an die Bedeutung und Relevanz dieses Sakramentes. Er hat zum Beispiel die Initiative „24 Stunden für den Herrn“ unterstützt, die zum Ziel hat, das Gebet, die eucharistische Anbetung und die Praxis des Bußsakramentes ins Zentrum des christlichen Lebens zu rücken. Bis in die Nacht hinein können die Gläubigen in den Kirchen vieler Städte die Barmherzigkeit Gottes ergreifen. Am Ende der Generalaudienz am 22. März 2017 hat der Heilige Vater eingeladen, daß „alle Gemeinschaften gläubig die Verabredung vom 23. und 24. März leben, um das Sakrament der Versöhnung zu entdecken: ‚24 Stunden für den Herrn‘“. Er hofft, „daß auch in diesem Jahr dieser besondere Moment der Gnade auf dem Weg der österlichen Bußzeit in vielen Kirchen der Welt gelebt wird, um die freudige Begegnung mit der Barmherzigkeit des Vaters zu erfahren, der alle aufnimmt und ihnen vergibt“. Am Freitag, den 17. März hat der dem Bußgottesdienst in der Fastenzeit in der Petersbasilika vorgestanden, hat gebeichtet und damit den Gläubigen ein gutes Beispiel gegeben. Danach hat er 50 Minuten lange den Gläubigen, die am Gottesdienst teilgenommen haben, die Beichte abgenommen. 
 
3. Das Glaubensbekenntnis.
 
Die Jünger haben den auferstandenen Jesus gesehen, haben an ihn geglaubt. Einer von ihnen, Thomas, der an jenem Sonntag nicht da war, hat ihren Worten nicht geglaubt: „Wir haben den Herrn gesehen!“ (Joh 20,25). Er verlangte nach Beweisen. Und der Herr wollte auch Thomas am darauffolgenden Sonntag in Gegenwart der anderen Jünger begegnen. Die Beschreibung der Begegnung ist sehr realistisch. Zuerst hat Jesus ihn aufgefordert, die Wunden an den Händen und der Seite zu prüfen, die er an seinem verherrlichten Leib trug, und dann forderte er ihn auf: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig“ (Joh 20,27). Angesichts der Eindeutigkeit war Thomas überzeugt und hat seinen Glauben mit den Worten bekannt: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28). 
 
Der Unglaube des Apostels Thomas sollte auch uns helfen, an den Herrn und seine Auferstehung zu glauben. Dieses Werk des Glaubens ist allein in der Gnade des Heiligen Geistes möglich. Der Heilige Paulus erinnert uns: „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“ (1 Kor 12,3). Wir, die wir den Heiligen Geist empfangen haben, bekennen mit Freude unseren Glauben an die Herrschaft Christi, unseres und des Weltalls Königs. Christen zu sein bedeutet, Zeugen des auferstandenen Herrn zu sein. Der Heilige Augustinus sagt: „Der Glaube der Christen ist die Auferstehung Christi“.
 
Vertrauen wir unsere Bitte der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Königin des Himmels, auf daß unser Glaube vom Heiligen Geist gestärkt werde, so daß wir mit Worten, vor allem aber durch das Beispiel eines christlichen Lebens bekennen können: Jesus ist auferstanden, er ist gegenwärtig in seiner Kirche, er bleibt immer bei uns, alle Tage „bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Amen.