17 05 13 Predigt von Nuntius Eterovic bei der Fatimawallfahrt in Birnau

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
bei der Fatimawallfahrt

Basilika St. Marien zu Birnau, 13. Mai 2017
 

 
„Du bist der Ruhm Jerusalems, du bist die große Freude Israels und der Stolz unseres Volkes“ (Jdt 15,9).
 
Verehrter Pater Prior Johannes Brügger O.Cist.,
liebe Brüder und Schwestern!
Mit diesen Worten haben die Vertreter des Volkes Israels Judith dafür gelobt, daß sie Holofernes, den obersten Befehlshaber des assyrischen Heeres, getötet und die Gefahr einer drohenden Niederlage und der feindlichen Besatzung abgewendet hat. Judith aber hat zurecht das Lob ihrer Landsleute zum Herrn hin gelenkt: „Lobt Gott, ja, lobt ihn! Lobt Gott! Er hat dem Haus Israel sein Erbarmen nicht entzogen, sondern er hat in dieser Nacht unsere Feinde durch meine Hand vernichtend getroffen“ (Jdt 13,14). 
 
Die Kirche hat die Worte, welche die Heilige Schrift der Judith widmet, jener mutigen Frau, die voller Vertrauen in Gott war und mit ihrer Tat ihr Volk gerettet hat, auch auf die selige Jungfrau Maria bezogen. Auch Maria hatte Anteil am Untergang, nicht dem des Holofernes, sondern sie zertritt die Schlange (vgl. Gen 3,13-15), „den Drachen, die alte Schlange - das ist der Teufel oder der Satan“ (Offb 20,2). Wie vor ihr Judith, so ermuntert auch die Jungfrau Maria die Christen, zu allererst dem allmächtigen Gott für diesen Sieg zu danken, dessen Magd sie ist: „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. …. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig“ (Lk 1,48-49). Die Größe Mariens kommt von Jesus Christus, ihrem Sohn, dem Heiland der Welt. In der christlichen Tradition wird Jesus Christus manchmal als Sonne bezeichnet und die Gottesmutter als Mond. Der Sonne gehört das Licht, während der Mond sein Licht von der Sonne empfängt, um die Nächte zu erhellen. Jesus Christus, die Sonne, die aus der Höhe hinabsteigt (Lk 1,78), hat die Sünde und den Tod besiegt, hat die Macht der Dunkelheit und des Satans gebrochen und hat uns durch seine Auferstehung den Weg zum ewigen Leben erschlossen, zur rettenden Begegnung mit Gottvater in der Herrlichkeit des Heiligen Geistes. Die selige Jungfrau Maria nimmt in der Heilsgeschichte einen bevorzugten Platz ein. Ihre vornehmste Aufgabe aber bleibt, die Gläubigen zu Jesus Christus zu führen, ihrem und unserem Herrn. Deswegen ermahnt die Gottesmutter auch uns wie einst die Diener bei der Hochzeit zu Kana: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,2). Im heutigen Evangelium ist der Wille Jesu Christi klar. Wichtiger als das Lob seiner Mutter ist, seine Worte des Lebens zu hören und sie in die Praxis umzusetzen. „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lk 11,28).
 
Das Wort Gottes ist in der Heiligen Schrift und in der lebendigen Tradition der Kirche enthalten und wird vom Lehramt der Kirche authentisch ausgelegt. Das schließt nicht aus, daß Gott in seiner großen Güte und Barmherzigkeit in unsere Geschichte auf andere Weise eingreift, um die Aufmerksamkeit auf einige Wahrheiten zu lenken, die in den Schatten geraten zu sein scheinen. In diesen Zusammenhang gehören auch die marianischen Erscheinungen, von denen wir heute an jene von Fatima erinnern. 
 
Sie fanden vor 100 Jahren statt, am 13. Mai 1917. Die Madonna erschien den drei Kindern: Lucia dos Santos, Francisco und Jacinta Marto, die zehn, neun und sieben Jahre alt waren. Zwei von ihnen, Francisco und Jacinta sind beide jung im Alter von 10 Jahren gestorben. Schwester Lucia hingegen hat 98 Jahre gelebt, sie wurde im Jahre 1907 geboren und ist 2005 gestorben. Ihr langes Leben verbrachte sie damit, die Botschaft der Gottesmutter der Kirche und der Welt besser bekannt zu machen und die wesentlichen Eigenschaften von Francisco und Jacinta zu beschreiben, die zusammen mit ihr gewürdigt worden waren, die Jungfrau Maria zu sehen. Ihr Zeugnis erlaubte es, daß Francisco und Jacinta zuerst selig und heute heiliggesprochen werden konnten. Wir sind geistlich mit dem Heiligen Vater Franziskus vereint, der heute Morgen Francisco und Jacinta am Ort der Erscheinungen in Conca di Iria in Fatima zu Ehren der Altäre erhoben hat. In der Geschichte wurden schon verschiedene Märtyrerkinder kanonisiert. Die Geschwister Francisco und Jacinta sind die ersten heiliggesprochenen Kinder, die keine Märtyrer gewesen sind. Danken wir gemeinsam den Herrn für diese neue Gnade für die Kirche und unsere Welt. 
 
Die Erscheinungen von Fatima sind von den maßgeblichen Autoritäten der Kirche anerkannt worden. Papst Franziskus ist der vierte Römische Pontifex, der nach Fatima pilgert und so die wichtige Bedeutung dieses Heiligtums und der die Echtheit der Erscheinungen und der Botschaft der Gottesmutter bestätigt. Am 50. Jahrestag der Erscheinungen am 13. Mai 1967 hat der Selige Paul VI. das Heiligtum von Fatima besucht. Dreimal war der Heilige Johannes Paul II. in Fatima: 1982, 1991 und im Jahr 2000 und hat damit eine besonders enge Beziehung zu diesem heiligen Ort gezeigt. Vom 11. bis 14. Mai 2010 war auch Papst Benedikt XVI. nach Fatima gereist. 
 
Was ist die wesentliche Botschaft, welche die Gottesmutter der Kirche und der Welt durch die drei Kinder übermittelt hat? Man kann sie in zwei Worten zusammenfassen: Gebet und Buße. Trotz vieler und schwerer Übel, welche die Menschen und die Menschheit plagen, schenkt die Jungfrau Maria eine Botschaft der Hoffnung, die versichert, daß ihr unbeflecktes Herz am Ende triumphieren wird. 
 
Das Gebet. Das Gebet ist der Atem des Christen; ohne Gebet würde er ersticken, könnte nicht atmen und also nicht überleben. Jesus Christus hat oft gebetet und uns ein Beispiel gegeben, dem wir folgen sollten. Er selbst hat uns einige Gebet gelehrt, unter denen das Vater unser einen besonderen Platz einnimmt. Außerdem fordert der Herr Jesus uns auf, daß wir „allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten“ (Lk 18,1). 
 
Die Madonna von Fatima wiederholt diese Aufforderung zum Gebet. Es handelt sich um das Gebet der Kirche, vor allem bei der Verwaltung der Sakramente und insbesondere der Eucharistie. Wir, die wir um den Tisch des Herrn versammelt sind, suchen dieses Gebet in Demut und Würde zu vollziehen und rufen Jesus Christus an, er möge unseren Glauben an Seine Gegenwart unter den Gestalten von Brot und Wein stärken. Wie einst die Jünger baten, so bitten auch wir den Herrn: „Stärke unseren Glauben“ (Lk 17,6). 
 
Die Muttergottes von Fatima hat außerdem die Wichtigkeit des Rosenkranzgebetes unterstrichen. Sie selbst hat sich die Königin des Rosenkranzes genannt. Der Rosenkranz ist ein Kompendium des Evangeliums, ein Gebet, das sehr leicht zu lernen und in jeder Situation und an jedem Ort unseres Lebens zu praktizieren ist. Auf Twitter hat Papst Franziskus am Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz am 7. Oktober geschrieben: „Der Rosenkranz ist das Gebet, das mich mein ganzes Leben hindurch begleitet hat; es ist auch das Gebet der Einfachen und der Heiligen…Es ist das Gebet meines Herzens“. 
 
Die Madonna hat empfohlen, jeden Tag den Rosenkranz zu beten. Sie hat außerdem die Seherkinder gelehrt, nach jedem Gesätz das Gebet hinzuzufügen: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden! Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen“ (13. Juli 1917). Dieses Gebet ist in der ganzen katholischen Welt bekannt und wird gebetet. 
 
Die Buße. Die ersten Worte Jesu, als er sein öffentliches Wirken begann, waren: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). Der Herr pocht auf der Notwendigkeit der Umkehr, um Anteil seinem Reich zu erhalten. Erinnern wir uns zum Beispiel an seine Worte: „Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt“ (Lk 13,3) oder: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 18,3). 
 
Nach Schwester Lucia hat die Madonna von Fatima dazu aufgefordert zu beten und Buße zu tun, um so mit allen Menschen solidarisch zu sein, besonders mit den Sündern, die am meisten der Barmherzigkeit Gottes bedürfen: „Betet, betet viel, und bringt Opfer für die Sünder, denn so viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet“ (19. August 1917). Vom Heiligen Geist geführt, erneuern wir unsere Bereitschaft zu größerer Solidarität mit den Menschen, die unsere geistliche Hilfe benötigen, und wir beten für sie und ihre Bekehrung. 
 
Das unbefleckte Herz Mariens wird triumphieren. Die Erscheinungen der Gottesmutter geschahen, als die Welt die Tragödie des Ersten Weltkrieges erlebte. Die Madonna hat auf das Gebet für den Frieden in der Welt gedrängt. Andernfalls würde die Welt in einen anderen, noch schlimmeren Krieg, wie auch in die atheistische Ideologie des Kommunismus fallen, der von Russland aus propagiert würde. 
 
Nach dem Zeugnis von Schwester Lucia hätte die Madonna nach der Schau des schrecklichen Schicksals der reuelosen Sünder mit Güte und Traurigkeit gesagt: „Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden“ (zweites Geheimnis von Fatima). Die Botschaft der Madonna zeigt die Schwere des Bösen, der Sünde, der Gewalt, des Krieges und des Terrorismus. Leider sind all diese Übel in der ganzen Welt verbreitet. Denken wir an den Mittleren Osten, an Syrien, den Irak, den Jemen, die verschiedenen Länder Afrikas, Südamerikas, aber auch Europas, zum Beispiel die Ukraine. Viele unserer christlichen Brüder und Schwestern werden wegen ihres Glaubens verfolgt: das Christentum ist derzeit die am meisten verfolgte Religion in der Welt. Angesichts dieser traurigen Aussichten ermuntert uns die selige Jungfrau Maria zur christlichen Hoffnung. „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“. Dieser Sieg gehört Jesus Christus, dem Sieger über Sünde und Tod, über den Satan und die Mächte der Unterwelt, und gehört allen, die mit Ihm vereint sind, an erster Stelle seine und unsere Mutter Maria. Sie ermahnt uns, die christliche Hoffnung lebendig zu halten, wie es der Heilige Paulus schreibt: „All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Röm 8,37-39). 
 
Liebe Brüder und Schwestern, wir danken dem dreieinen Gott für das Geschenk der seligen Jungfrau Maria, der Mutter Jesu und Mutter der Kirche, die vom Himmel her „durch ihre vielfältige Fürsprache fortfährt, uns die Gaben des ewigen Heils zu verschaffen“ (KKK 969). Mit dieser Eucharistiefeier und der anschließenden Prozession bitten wir um ihre Fürsprache für die Einheit der Kirche, für die Person und das Amt des Heiligen Vaters, des Bischofs von Rom, für die Bekehrung der Sünder, für den Frieden in der Welt. Im Vertrauen, daß Gott unsere Bitte erhört, vertrauen wir sie den Händen Mariens an und vereinen auch uns mit dem lobpreisenden Chor an die Mutter Jesu und unsere Mutter: „Du bist der Ruhm Jerusalems, du bist die große Freude Israels und der Stolz unseres Volkes“ (Jdt 15,9). Amen.