17 05 14 Predigt von Nuntius Eterovic am 5. Ostersonntag in der Basilika von Birnau

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 5. Ostersonntag  

Basilika St. Marien zu Birnau, 14. Mai 2017


 
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
Das Wort Gottes dieses fünften Ostersonntags ist sehr inhaltsreich.
 
In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte wird die Verbreitung des Evangeliums und das Wachsen der kirchlichen Gemeinschaft beschrieben. Das brachte auch Schwierigkeiten und einige Unzufriedenheit bezüglich der materiellen Unterstützung von bedürftigen Personen. Um diese Frage zu lösen, haben die Apostel unter der Inspiration des Heiligen Geistes „sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ gewählt (Apg 6,3), sieben Diakone, denen sie die Aufgabe zum „Dienst an den Tischen“ übertragen haben (Apg 6,2). Die Apostel haben sich die Predigt des Evangeliums und die Verwaltung der Sakramente vorbehalten. Diese kirchliche Struktur ist in der Substanz bis heute so geblieben. 
 
In der zweiten Lesung erinnert der Heilige Petrus an unsere große Würde als Kinder Gottes, weil wir in die Kirche eingegliedert sind, welche der Leib Christi ist (vgl. Kol 1,24). Das ist auch das Fundament unserer Berufung, „ein auserwähltes Geschlecht zu sein, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petr 2,9). Der Apostel ermahnt uns daher, in Einklang mit der christlichen Berufung zu leben, das heißt, „durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen“ (1 Petr 2,5). Diese geistigen Opfer bedeuten unser christliches Leben, das zur Ehre Gottes und zum Dienst am Nächsten gelebt wird, besonders an den Menschen in geistiger und materieller Not. 
 
Das Evangelium des Heiligen Johannes fordert uns sodann auf, durch seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus tiefer in das Geheimnis Gottes einzudringen. Die Worte Jesu Christi, die er kurz vor seiner Passion gesprochen hat, bekommen eine besondere Bedeutung im Licht des Ostergeschehens. Er sagt den Aposteln seinen Tod und seine Auferstehung voraus, die das Tor zum ewigen Leben auch für seine Jünger öffnet. Er gibt sich als der Weg zu erkennen, der zum Vater führt, als die Wahrheit, weil er das Geheimnis des dreieinen Gottes offenbart, und das Leben, das nur er in Fülle geben kann. Verweilen wir kurz bei diesen Aspekten. 
 
 „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten“ (Joh 14,2). Jesus will die Aposteln auf das Drama seiner Passion vorbereiten und ermutigt sie, Vertrauen in ihn zu haben. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich“ (Joh 14,1). Zusammen mit der Aufforderung, keine Angst zu haben, spricht Jesus vom Übergang von dieser Welt in eine andere und von seiner Rückkehr in unsere Welt, um die Seinen zu sammeln und mit sich zu nehmen. Die Jünger konnten den vollen Sinn dieser Worte erst im Licht der Auferstehung des Herrn Jesus verstehen, dem ersten der Toten, der zum Leben zurückkehrte. Er ist der Sieger über den Tod, der keine Macht mehr über ihn hat (vgl. Röm 6,9). 
 
Die Worte des Herrn ermuntern uns, an Ihn zu glauben und an sein Versprechen, uns eine Wohnung für das ewige Leben vorzubereiten: „Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Joh 14,3). 
 
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Die Aussage des Herrn Jesus ist bedeutungsvoll, sie beschreibt seine Person und seine Sendung. Den Jüngern hat Jesus die Rückkehr in das Haus des Vaters angekündigt, auf dem Weg, den sie kennen sollten. An der Frage von Thomas: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ (Joh 14,5) erkennt man aber, daß die Apostel um Unklaren über die Bedeutung der Worte Jesu waren. Aus diesen Grund hat er erläutert: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Jedes dieser Worte würde eine tiefere Betrachtung verdienen. Für uns mag es genügen zu unterstreichen, daß ihre Bedeutungen miteinander verwoben sind und sich ergänzen. Jesus ist der Weg, der zum Vater führt. Er selbst sagt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Der Vater ist die Quelle des Lebens und der ewigen Glückseligkeit. Der auferstandene Jesus Christus schenkt uns in Fülle den Heiligen Geist (vgl. Joh 3,34), der uns in die Wahrheit Gottes, des Menschen und des Universums eindringen lässt. „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden“ (Joh 16,13-14). Darin besteht das Ziel des christlichen Lebens, das wir nur in der Einheit mit dem Herrn Jesus erreichen können, dem Haupt des Leibes des Kirche (vgl. Eph 1,23), der uns im Heiligen Geist zur Gemeinschaft mit Gott dem Vater führt.
 
„Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen“ (Joh 14,12). Das Versprechen des Herrn Jesus kann uns zunächst überraschen. Doch er hat vorausgesehen, daß es sich in der Kirche Gottes realisiert. Denn sie setzt sein Werk fort, besonders in der Feier der Sakramente und im Dienst der Caritas, vor allem an den Menschen, die sie brauchen. Zugleich übersteigt die Kirche die Sendung Jesu, die auf die Region des Heiligen Landes beschränkt war. Gemäß dem Gebot des Herrn, ist sie über die ganze Erde verteilt, um das Evangelium „jeder Kreatur zu verkünden“ (Mk 16,16). Das Geheimnis des Erfolges dieser Verkündigung besteht im Glauben an den Herrn Jesus (vgl. Joh 14,12) und darin, mit Ihm geeint zu bleiben. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir unsere Reflektionen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, die in diesen Tagen besonders als Madonna von Fatima verehrt wird. Sie möge vom guten und barmherzigen Gott die Gabe erbitten, daß jeder von uns ein gläubiger Jünger Jesus Christi sei und ein eifriger Verkünder seines Evangeliums an den Orten, wo wir leben und arbeiten. Nehmen wir die Aufforderung Mariens an, Jesus Christus nachzufolgen, der für alle „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) ist und bleibt. Amen.